Wie viele Menschen leben auf der Erde?
11.07.2025
Im Jahr 2022 wurde die Marke von 8 Milliarden Menschen geknackt. Wie hat sich das Bevölkerungswachstum auf unserem Planeten und in Österreich seither entwickelt? Und: Wie wird es weitergehen?
Anlässlich des Weltbevölkerungstag gibt Isabella Buber-Ennser, Bevölkerungswissenschaftlerin am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gemeinsam mit ihren Kolleg:innen Antworten auf Frage wie diese. Eine davon könnte klarer nicht sein: Auf die Bildung kommt es an!
Wie viele Menschen leben aktuell auf der Welt?
Aktuell leben rund 8,3 Milliarden Menschen auf der Welt. Im Jahr 2022 hat die Weltbevölkerung die Marke von acht Milliarden Menschen überschritten. Da es unmöglich ist, zu sagen, wann dies genau war, hat die UN den Stichtag auf den 15. November 2022 festgelegt.
Wo leben wie viele Menschen?
Stellen Sie sich vor, die aktuelle Weltbevölkerung wird durch eine Schulklasse mit 24 Kindern dargestellt, so ergibt sich folgende Aufteilung: 2 leben in Europa, 1 in Nordamerika, 2 in Lateinamerika, 4 in Afrika, 1 in Ozeanien, und die übrigen 14 wohnen in Asien.
Bevölkerungswachstum höher als angenommen
Wie geht es mit der Weltbevölkerung weiter?
Neuesten Prognosen zufolge wird die Weltbevölkerung schneller wachsen als noch vor einem Jahrzehnt angenommen. Forscher:innen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung bis 2080 auf rund 10,13 Milliarden anwachsen wird. Nach 2080 wird es voraussichtlich zu einem Rückgang der Weltbevölkerung kommen.
Durch eine Alphabetisierung der Mädchen und Propaganda sank die Geburtenrate von mehr als sechs auf drei Kinder.
Warum spielt der Bildungsgrad von Frauen eine wichtige Rolle bei der künftigen Entwicklung der Weltbevölkerung?
Welche Rolle Bildung für die Geburtenentwicklung hat, zeigt ein Blick ins Europa um 1900: Damals hatten Frauen im Durchschnitt fünf oder mehr Kinder. Mit der allgemeinen Alphabetisierung der Bevölkerung begannen die Frauen ihr Leben neu zu gestalten und bekamen weniger Kinder. Denn: Viele Geburten und knappe Geburtenintervalle waren auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Bei diesem Wertewandel spielt die Bildung eine entscheidende Rolle.
Das bestätigt auch das Beispiel der Insel Mauritius: Durch eine Alphabetisierung der Mädchen und Propaganda für die 2-Kind-Familie sank die Geburtenrate innerhalb relativ kurzer Zeit von mehr als sechs auf drei Kinder.
9,2 Millionen Menschen in Österreich
Wie viele Menschen leben aktuell in Österreich?
Anfang 2025 lebten in Österreich 9,2 Millionen Menschen. Die 9-Millionen-Grenze wurde 2022 überschritten. Österreich wächst. So lebten Anfang 1970 rund 7,5 Millionen Menschen hier, Anfang des Millenniums rund 8 Millionen. Das Bevölkerungswachstum wird sich weiterhin fortsetzen. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung sowie der niedrigen Geburtenraten wird auch die Alterung der Bevölkerung weiter voranschreiten. Weil zukünftig die Sterbefälle die Geburten übersteigen werden, kommt der Migration eine Schlüsselrolle beim Bevölkerungswachstum zu.
Wie wird es mit den Bevölkerungszahlen in Österreich weitergehen?
Die Prognosen für Österreich zeigen in den meisten Varianten den Trend einer anhaltend wachsenden und alternden Bevölkerung.
Die österreichische Bevölkerung wird im Jahr 2050 zwischen 8,9 Mio. und 9,7 Mio. betragen, im Jahr 2100 zwischen 6.7 Mio. und 13,9 Mio. Österreich wird aber nicht nur wachsen, sondern auch altern. Der Anteil der Personen, die 65 Jahre oder älter sind (aktuell knapp 20 Prozent der Bevölkerung), wird für 2050 in einer Bandbreite von 26 Prozent bis 34 Prozent erwartet, für 2100 zwischen 28 Prozent und 46 Prozent.
Die Geburtenraten gingen in den letzten Jahren zurück und erreichten 2024 ein Allzeittief.
Wie entwickeln sich die Geburtenzahlen in Österreich?
Die Geburtenraten gingen in den letzten Jahren zurück und erreichten 2024 ein Allzeittief, mit einem Wert von 1,31 Kindern pro Frau. Die vorliegenden Geburtenzahlen für 2025 lassen vermuten, dass mit einem weiteren Sinken der Geburtenrate zu rechnen ist. Dieser Geburtenrückgang ist kein österreichisches Spezifikum, sondern wurde auch in vielen anderen Ländern, z.B. in Tschechien, Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Niederlande, etc. beobachtet.
In einer Befragung Ende 2022/Anfang 2023 gaben nicht wenige Frauen und Männer an, dass sie aufgrund der aktuellen globalen Krisen ihre Familienpläne geändert haben, oder sich noch unsicher sind, hinsichtlich Änderungen im Kinderwunsch. Es zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen Änderungen in der Familienplanung und Belastung durch Preisentwicklung, Corona-Pandemie oder Ukraine-Krieg. Vor allem die Belastung durch Inflation war auffallend hoch und dürfte eine der Ursachen für Änderungen im Kinderwunsch sein.
Lebenserwartung bei 71,7 Jahren
Wie hat sich die Lebenserwartung seit 1950 entwickelt?
Nach den jüngsten Zahlen der UN aus dem Jahr 2022 ist die weltweite Lebenserwartung bei der Geburt für beide Geschlechter von 46,5 Jahren im Jahr 1950 auf 71,7 Jahre im Jahr 2022 gestiegen. Das ist eine weitere Verbesserung um fast neun Jahre seit 1990 und wird bis 2050 voraussichtlich auf 77,3 Jahre ansteigen. Laut diesen Zahlen der UN, wird ein 2021 geborenes Baby im Durchschnitt fast 25 Jahre länger leben als ein Neugeborenes von 1950. Zwar ist die Lebenserwartung in allen Regionen gestiegen, die größten Zuwächse gab es jedoch in Ost- und Südostasien. Zwischen 1950 und 2000 verzeichnete Asien den schnellsten Anstieg um mehr als 25 Jahre. In Österreich stieg im Zeitraum 1950-2023 die Lebenserwartung der Frauen von 67,8 auf 84,2 Jahre an, die der Männer von 62,4 auf 79,4 Jahre.
Asien und der Pazifikraum sowie Europa liegen bei der Lebenserwartung weltweit an der Spitze.
In welchen Ländern ist die Lebenserwartung am höchsten?
Asien und der Pazifikraum sowie Europa liegen bei der Lebenserwartung weltweit an der Spitze. Dieser Trend wurde durch die Covid-19-Pandemie vorübergehend unterbrochen, und laut UN sank die weltweite Lebenserwartung bei der Geburt von 2019 bis 2021 um 1,8 Jahre (von 72,8 auf 71 Jahre).
Männer haben in allen Regionen eine kürzere Lebenserwartung als Frauen, der Abstand reicht von 2,9 Jahren in Australien und Neuseeland bis rund 10 Jahren in Russland und Belarus.
Auf einen Blick
Isabella Buber-Ennser forscht seit 1996 am Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und promovierte 2002 in Technischer Mathematik an der TU Wien mit einer Dissertation über Fertilität in Österreich. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich außerdem mit Zwangsmigration, sowie verschiedenen Aspekten des Alterns.
