28.04.2023 | Coronavirus

Wann braucht man die nächste Corona-Impfung?

Die letzte Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 liegt bei den meisten Geimpften schon mehr als ein halbes Jahr zurück. Ursula Wiedermann-Schmidt, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Vakzinologie, spricht im Interview über die Zukunft der Corona-Impfung.

Ein Pflaster wird auf den Oberarm eines jungen Menschen geklebt, der gerade eine Corona-Impfung erhalten hat
Gesunde Menschen, die gegen mindestens dreimal gegen Covid geimpft sind und eine Infektion hinter sich haben, sind nach aktuellem Forschungsstand gut gegen einen schweren Verlauf bei erneuter Ansteckung geschützt. © Adobe Stock

Wie geht es weiter, mit den Corona-Impfungen? Wer sollte sich wann einen neuen Piks abholen? Und: Wann wird es das nächste Impfstoff-Update geben? Für Ursula Wiedermann-Schmidt, Professorin für Vakzinologie und Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien, steht fest: „Junge gesunde Erwachsene mit drei Impfungen – also einer abgeschlossenen Grundimmunisierung – sowie einer Durchbruchsinfektion, haben eine langlebige Immunantwort aufgebaut. Das belegen aktuelle Studien.“

Junge gesunde Erwachsene mit drei Impfungen sowie einer Durchbruchsinfektion, haben eine langlebige Immunantwort aufgebaut."

Wer also durch drei Impfungen, möglicherweise auch einen vierten Stich, sowie eine Erkrankung, bereits mehrmals Kontakt mit dem Virus hatte, hat eine sogenannte  „immunologische Memory“ aufgebaut. Soll heißen: Durch die Bildung von Gedächtniszellen und langlebigen Plasmazellen stehen für lange Zeit Antikörper zur Verfügung, die im Falle eines Kontakts mit dem Virus einen Schutz liefern können. Diese Langzeitdaten hat man mittlerweile für verschiedene Altersgruppen und Risikopersonen erhoben, erklärt Wiedermann-Schmidt. Und: Das Virus hat sich zwar verändert, aber die Immunantwort ist immer noch ausreichend stabil und bietet einen guten und anhaltenden Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen, Hospitalisierung und Tod.

Jährliche Booster-Impfung ab 65

Anders sieht die Situation bei älteren Menschen aus, also bei über 65-Jährigen und bei allen Personen, die Grunderkrankungen haben, die das Immunsystem schwächen, so die Vakzinologin: „Wir sehen hier ganz klar, dass diese Personengruppen keine oder schlechtere Gedächtnis-Immunität aufbauen, und relativ rasch ihre Antikörper wieder verlieren. Deshalb sind nach derzeitigen Erkenntnissen regelmäßige Auffrischungen für vulnerable Personen und Menschen über 65 Jahren notwendig.“ Das Zeitintervall liegt – aus heutiger Sicht – ungefähr bei einem Jahr. Allerdings: Wenn das Virus sich weiter verändert, kann auch die Impfstrategie wieder entsprechend modifiziert werden.

Für vulnerable Personen und Menschen über 65 Jahren sind – nach jetzigem Wissensstand – jährliche Auffrischungen notwendig."

Aber wie ratsam ist es, sich jetzt im Frühling eine Auffrischungsimpfung abzuholen? „Derzeit gehen wir in Richtung saisonale Impfung im Herbst“, sagt Wiedermann-Schmidt, die seit 2005 Mitglied des Nationalen Impfgremiums des Gesundheitsministerium ist und 2020 auch in die Ständige Impfkommission (STIKO) des deutschen Robert Koch Instituts berufen wurde. Alle älteren Personen und Immunschwache sowie Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Verläufe, also Menschen mit Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen mit geschwächtem Immunsystem etc., sollten sich spätestens dann eine Auffrischungsimpfung gegen Covid-19 holen. Diese Empfehlung wurde kürzlich in ähnlicher Weise auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegeben.

Neue Impfstoff-Kombinationen

Die derzeit verabreichten Impfstoffe basieren noch auf dem Ursprungsvirus – also der Variante, die damals im chinesischen Wuhan erstmals aufgetreten ist – plus einem auf die Omikonvariante BA4/5 adaptierten Impfstoff. Seit Anfang April gibt es zudem einen neuen von der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zugelassenen Impfstoff der spanischen Firma Hipra, der Bimervax heißt. „Der Impfstoff enthält nicht mehr das ganze Spikeprotein, sondern nur die rezeptorbindende Domäne, allerdings von zwei Varianten, nämlich der Alpha- und der Beta Variante“, erklärt Wiedermann-Schmidt. Und: „Dieser Impfstoff ist nicht als Grundimmunisierung, sondern als Booster vorgesehen, da dadurch laut Zulassungsstudien eine breitere Immunität erreicht werden kann.“

Laut einer Studie in Science ist es ratsam, den Impfstoff bei den Auffrischungen zu wechseln."

Was sich anhand der derzeit verfügbaren Daten zudem ableiten lässt: Dass es ratsam ist, den Impfstoff bei den Auffrischungen zu wechseln. Davon geht eine aktuelle Studie im Fachjournal Science aus. Das bedeutet: Wenn man nur mit mRNA-Impfungen auffrischt, kann es dazu kommen, dass eher anti-inflammatorische  Antikörpersubtypen gebildet werden, die das Virus weniger gut abtöten können.

Nasenspray-Impfstoff gegen Infektionen

Um nicht nur die Erkrankung, sondern auch die Infektion mit SARS-Cov2-Viren durch eine Impfung zu verhindern, benötigt es ein starke Immunität an den Schleimhäuten. Dies kann durch nasale Impfstoffe erreicht werden. Noch ist davon zwar keiner für die Allgemeinheit verfügbar. Die ersten Kandidaten sind aber bereits in der klinischen Testung. Intensiv wird hier auch an Kombinationen geforscht, bei denen sich intramuskuläre Grundimmunisierung und nasale Auffrischungsimpfung ergänzen. Durch einen nasalen Booster werden entsprechende Immunzellen lokal gefördert um Antikörper zu bilden. Eine Strategie, um beides zu erreichen: nicht nur den Schutz vor schweren Verläufen, sondern auch einen Schutz vor Infektionen und vor Infektionsweitergabe.

Kandidaten für nasale Impfstoffe sind bereits in der klinischen Testung."

Auch Wiedermann-Schmidt räumt der Kombination mit Impfstoffen, die über die Nase verabreicht werden, großes Potenzial ein: „Meine Hoffnung ist, dass man dann an diesem Konzept Anleihe nimmt, auch für andere respiratorische Erkrankungen.“ Und ab wann kann man mit so einem Nasenspray-Impfstoff rechnen? Wiedermann-Schmidt hofft ab 2025 auf die ersten nasalen Impfungen.