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NachwuchsforschungAuszeichnungen

MINT ist weiblich: Preise für junge Forscherinnen

Die ÖAW vergab bereits zum vierten Mal Preise an Maturantinnen für hervorragende Vorwissenschaftliche Arbeiten und Diplomarbeiten in den Fachgebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

30.09.2025
Eine blaue ÖAW-Mappe aufgestellt auf einem Stapel weiterer ÖAW-Mappen
© ÖAW/Ludwig Schedl

In den sogenannten MINT-Fächern ist der Frauenanteil immer noch wesentlich niedriger als jener der männlichen Studierenden. Die ÖAW versucht deshalb seit Jahren Mädchen und junge Frauen für die Naturwissenschaften zu begeistern. Mit Erfolg wie die zahlreiche Teilnahme am VWA-MINT-Preis belegt: Insgesamt wurden heuer 106 Beiträge eingereicht. „Die hohe Anzahl an hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten ist ein starkes Signal“, freut sich Christiane Wendehorst, Klassenpräsidentin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), anlässlich der Preisverleihung im Festsaal der ÖAW. Die Arbeiten wurden von Wissenschaftler:innen aus dem jeweiligen Fachgebiet begutachtet, dabei wurden insbesondere Originalität und Eigenständigkeit sowie die Durchdringung des Themas mit wissenschaftlichen Methoden als Bewertung herangezogen. Mehr als 20 Abhandlungen wurden von den Expert:innen als preiswürdig beurteilt, 11 von diesen mit dem Preis ausgezeichnet, sowie weitere 10 Arbeiten mit einer Urkunde gewürdigt. Bei der Übergabe wandte sich Wendehorst an die jungen Forscherinnen: „Seien sie stolz auf das, was sie erreicht haben. Und vor allem bleiben sie dabei, wir brauchen Sie und mehr Frauen Ihrer Sorte!“

Von Pflanzenvielfalt bis Krebstherapien

Stolz über die Anerkennung und Begeisterung über ihre Forschungsprojekte war allen jungen Preisträgerinnen anzusehen. So meint Esmeralda Saywald-Wedl, die das BORG Kindberg besuchte: „Ich fühle mich sehr geehrt. Ich komme aus einem kleinen Dorf und hätte nicht damit gerechnet, dass ich hier in Wien in diesem Festsaal stehe und diese Auszeichnung bekomme.“ Ihr Thema beschäftigt sich mit Maßnahmen zum Wiederaufbau der Biodiversität am Beispiel Ökosystem Wiese in der Hochschwabregion, konkret damit, wie häufig gemäht werden soll, um eine möglichst große Vielfalt zu gewährleisten. Die Idee für ihre Arbeit entwickelte die Saywald-Wedl übrigens, als sie beobachtete, wie unterschiedlich viele Pflanzen sich auf den Wiesen zweier Bauern in ihrem Heimatort ausbreiteten; der eine mähte häufig, der andere selten.

Einen persönlichen Zugang hat auch Viktoria Marie Versnik von der HTBLuVA Salzburg zum Thema ihrer Abhandlung – nämlich die Brustkrebserkrankung ihrer Urgroßmutter. In „Breast Cancer Care - Entwicklung einer Methode zur Brustkrebstherapie“ beschäftigt sie sich mit einer alternativen Behandlungsmethode. „Aus dem vietnamesischen Käseholzbaum kann man einen Stoff mit dem technischen Namen MF-15 gewinnen. Dieser zeigt eine wachstumshemmende Wirkung auf die Vermehrung von Prostatakrebszellen, ich wollte untersuchen, ob das auch bei bestimmten Brustkrebszellen funktionieren kann“. Unterstützt von der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg führte sie Untersuchungen durch, die Ergebnisse, die noch durch klinische Studien bestätigt werden müssen, zeigen einen positiven Effekt. Ihre Zukunft sieht Viktoria Marie Versnik in der Medizin, konkret in der Krebsforschung.

Nachwuchsforscherinnen als Role Models

Weitere Arbeiten zeigen die ganze Bandbreite der MINT-Fächer: Sie beschäftigten sich unter anderem mit einer Lösung für das Problem der Netzüberlastung durch den Parallelbetrieb von bis zu vier Transformatoren, dem Korrosionsprozess von reinem Titan und Titanlegierungen – Materialien, die häufig für Implantate verwendet werden sowie der Analyse von Dinosaurierfossilien mit Hilfe eines 3D-Scanverfahrens.

Klima-und Umweltschutz sowie Auswirkungen des Klimawandels sind ein wichtiger Schwerpunkt. Eine spannende Forschung dazu publizierte Alice Gottesmann vom Wiedner Gymnasium / Sir Karl Popper Schule in Wien. Ihr Thema ist die Übertragung tierischer Körperstrukturen in die Technik, besonders in jenen Bereichen, die Ressourcen sparend oder klimafreundlich sind. „Dabei bin ich auf die Haarstrukturen der Silberameise gestoßen.“ Die spezielle Form ihrer Chitin-Härchen sorgt dafür, dass ein bedeutender Teil des Sonnenlichts den Körper der Silberameise nicht erreichen und somit auch nicht aufheizen kann. „Diese Struktur könnte man in die Technik übertragen und dazu nützen auf Hausfassaden einen Kühlungseffekt zu erzeugen, der keinen Strom benötigt“.

Barbara Weitgruber, Sektionschefin im Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung, appellierte schließlich noch an die ausgezeichneten Nachwuchsforscherinnen: „Nehmen Sie Ihr Wissen und Ihr Selbstbewusstsein, das Sie mit der Arbeit gewonnen haben und beanspruchen Sie ihren Platz in der Gesellschaft. Sie sind Role Models!”

 

Auf einen Blick

VWA-MINT-Preise