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ZoonoseMolekularmedizin

Hantavirus: Risiken, Symptome und Schutzmaßnahmen

ÖAW-Virologe Andreas Bergthaler gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Übertragungswegen, Symptomen und Schutzmaßnahmen.

19.05.2026
Illustration von Hanta-Viren
Hanta-Viren gehören zu den zoonotischen Erregern.
© AdobeStock

Nach einem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff in Südargentinien – mit drei Todesopfern – sind Passagiere und Crew inzwischen unter besonderen Schutzvorkehrungen in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Aber was steckt hinter dem Ausbruch und wie hoch ist das Risiko einer Ansteckung im EU-Raum?

Andreas Bergthaler, Forschungsgruppenleiter am CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Professor für Molekulare Immunologie an der MedUni Wien, ordnet den Vorfall in einen größeren Zusammenhang ein: „Das europäische Zentrum für Krankheitsprävention und Kontrolle (ECDC) schätzt das Risiko dieses Hantavirus Ausbruches für die allgemeine Bevölkerung in Europa als sehr niedrig ein. Dennoch zeigt dieses aktuelle Beispiel, wie Krankheitserreger von Tieren auf den Mensch übertreten können. Das bezeichnet man als Zoonose.“

Bergthaler weist dabei auf eine beunruhigende Entwicklung hin: „Es gibt vielerlei Hinweise, dass aufgrund menschlicher Eingriffe wie Bevölkerungswachstum, Umweltzerstörung, globalisierter Handel und Reisen, und auch Klimawandel, diese Tier-Mensch Übertragungen zukünftig häufiger auftreten werden. Forschung im Bereich von One Health versucht diesen Herausforderungen ganzheitlich – unter Berücksichtigung von Tier, Mensch und Umwelt – zu begegnen.“

Die wichtigsten Fragen rund um das Hantavirus, seine Übertragungswege, Symptome und Schutzmaßnahmen beantwortet das folgende FAQ.

Was ist das Hantavirus?

Hantaviren wurden erstmals Anfang der 1950er Jahre dokumentiert, als sich im Koreakrieg Tausende amerikanische Soldaten nahe dem Grenzfluss Hantan mit den Viren infizierten. Erst 1977 wurde das Hantavirus schließlich identifiziert. Es handelt sich um RNA-Viren, die vor allem von Nagetieren wie Mäusen und Ratten, aber auch von Fledermäusen und Maulwürfen übertragen werden.

Es gibt verschiedene Hantaviren, die ein ähnliches Krankheitsbild verursachen. Dabei bevorzugt jeder Virustyp ein anderes Wirtstier. Deshalb treten bestimmte Hantavirus-Erkrankungen nur in den Regionen auf, in denen diese Wirtstiere heimisch sind. Laut AGES, der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, sind in Österreich das Puumalavirus, das durch die Rötelmaus übertragen wird, und das Dobrava-Belgrad-Virus, das durch die Brandmaus übertragen wird, die wichtigsten Varianten.

Wie erfolgt die Übertragung auf den Menschen?

Die Viren werden von infizierten Nagetieren über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und können darin mehrere Tage lang infektiös bleiben, auch in getrocknetem Zustand. Wie das deutsche Robert Koch Institut, kurz: RKI, bestätigt, kann eine Übertragung auf den Menschen durch die Inhalation virushaltiger Aerosole, etwa aufgewirbelter Staub, durch den Kontakt verletzter Haut mit kontaminierten Materialien oder durch Bisse erfolgen. Auch eine Übertragung über mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere kontaminierte Lebensmittel ist möglich.

Wie wird eine Infektion nachgewiesen?

In den meisten Fällen verläuft die Infektion unbemerkt. Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Auftreten erster Beschwerden beträgt in der Regel ein bis fünf Wochen, kann jedoch variieren. Eine Infektion kann durch einen PCR-Test nachgewiesen werden. Zusätzlich werden Antikörpertests durchgeführt, um eine Immunreaktion gegen das Virus festzustellen.

Wie wird das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa eingeschätzt?

Das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) stuft das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in Europa als „sehr gering“ ein. Dennoch können Folgefälle durch Evakuierungen, Abreisen oder internationalen Reiseverkehr nicht ausgeschlossen werden.

Warum hat das Gesundheitsministerium die Meldepflicht für Hantavirus erweitert?

Seit dem 9. Mai 2026 müssen nicht nur bestätigte Hantavirus-Erkrankungen und Todesfälle, sondern auch Verdachtsfälle von Mensch zu Mensch übertragbaren Hantavirus-Infektionen gemeldet werden. Diese vorsorgliche Maßnahme dient der Vorbereitung auf ein möglicherweise verstärktes Auftreten dieser übertragbaren Hantaviren, insbesondere vor dem Hintergrund des aktuellen Ausbruchs auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik.

Gibt es bestätigte Hantavirus-Fälle in Österreich?

Aktuell gibt es keine bestätigten Hantavirus-Fälle in Österreich (Stand: 15. Mai 2026). Alle bekannten Fälle betreffen Personen, die sich an Bord des betroffenen Kreuzfahrtschiffes aufgehalten haben. In Österreich wurde jedoch eine Niedrigrisiko-Kontaktperson identifiziert, die sich im selben Flugzeug wie ein bestätigter Fall befand. Diese Person zeigt keine Symptome und eine Ansteckung gilt als äußerst unwahrscheinlich.

Welche Symptome treten auf?

Die Erkrankung beginnt in der Regel mit plötzlich einsetzendem hohem Fieber, das drei bis vier Tage anhält. Begleitet wird das Fieber von unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen wie Kopf-, Bauch- und Muskelschmerzen. Der Zeitraum zwischen Ansteckung und Auftreten der ersten Beschwerden beträgt in der Regel ein bis fünf Wochen.

Begleitend kann es auch zu Entzündungen der Herzmuskulatur, der Schilddrüse oder des zentralen Nervensystems kommen. Die in Mitteleuropa vorkommenden Hantavirus-Spezies können eine mildere Verlaufsform verursachen, bei der vorwiegend die Nieren betroffen sind, die als Nephropathia epidemica bezeichnet wird.

Wie schwer können die Verläufe sein?

In Mitteleuropa verlaufen die Erkrankungen überwiegend leicht mit grippeähnlichen Beschwerden. Die Sterblichkeit liegt bei deutlich unter einem Prozent.

Schwere Verlaufsformen beginnen ähnlich wie eine unkomplizierte Hantavirus-Erkrankung. Nach etwa einer Woche geht die Erkrankung in eine zweite Phase über, die mit Blutdruckabfall bis hin zum Schock und Nierenversagen einhergehen kann. Die schwere Verlaufsform endet in fünf bis 15 Prozent der Fälle tödlich.

Laut einer Presseaussendung des Gesundheitsministeriums kann eine Infektion mit dem Andes-Virus zu einem Hantavirus-induzierten kardiopulmonalen Syndrom führen. Dabei handelt es sich um eine schnell fortschreitende Erkrankung, die Lunge und Herz befällt und tödlich enden kann. Die Letalitätsrate kann dabei zwischen 35 und 50 Prozent betragen.

Welche konkreten Schutzmaßnahmen werden empfohlen?

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist, den Kontakt zu Ausscheidungen von Nagetieren zu vermeiden. Beim Auskehren von Gartenhütten oder alten Verschlägen sollte unbedingt eine FFP2-Maske und Handschuhe getragen werden. Nach der Arbeit ist gründliches Händewaschen Pflicht.

 

Auf einen Blick

Andreas Bergthaler ist Forschungsgruppenleiter am CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Professor für Molekulare Immunologie an der MedUni Wien. Er studierte an der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Seine Forschungsarbeit im Bereich von Virologie und Immunologie führte ihn u.a. an die Universität Zürich, die Universität Genf und das Institute for Systems Biology in Seattle.