Im Rahmen der Exzellenzinitiative excellent=austria zur Stärkung der Spitzenforschung hat der Wissenschaftsfonds FWF neue Emerging-Fields-Förderungen vergeben. Sechs internationale Forschungskonsortien wurden nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren ausgewählt und werden in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt 35 Millionen Euro gefördert. Ziel der Emerging Fields ist es, besonders innovative und risikoreiche Forschungsvorhaben zu ermöglichen, die das Potenzial haben, neue wissenschaftliche Felder zu begründen.
Forschen an der Grundlage des Lebens
Eines dieser Konsortien widmet sich einem grundlegenden biologischen Rätsel: der Funktionsweise der Keimbahn – jener Zelllinie, die genetische Information über Generationen hinweg weitergibt. Am Projekt „Germline Illuminated by Cellular Structural Biology“ sind Forschende des IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) maßgeblich beteiligt. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen werden sie untersuchen, wie Keimzellen genetische Information schützen, organisieren und weitergeben.
Die Keimbahn ist die Grundlage allen Lebens: Jeder Mensch entsteht aus der Verschmelzung von Eizelle und Spermium, die beide aus dieser Zelllinie hervorgehen. Dennoch sind viele zentrale Prozesse der Keimbahn bislang nur unzureichend verstanden. Das interdisziplinäre Team kombiniert hochauflösende Bildgebungstechnologien mit Computersimulationen, um erstmals detaillierte Einblicke in die Struktur und Organisation dieser Zellen zu gewinnen.
Im Mittelpunkt stehen dabei grundlegende Fragen der Vererbung und Fortpflanzung: Wie verteidigen Keimzellen ihr Erbgut gegen sogenannte „genetische Parasiten“? Wie wird DNA in Spermien besonders kompakt verpackt? Und wie verschmelzen Spermium und Eizelle auf zellulärer Ebene, um neues Leben zu ermöglichen?
5,1 Millionen Euro Förderung
Um diese Prozesse zu untersuchen, arbeiten Forschende aus mehreren Institutionen unter Koordination von Andrea Pauli vom IMP – Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie zusammen. Sven Klumpe und Julius Brennecke sind vom IMBA — der Österreichischen Akademie der Wissenschaften beteiligt, sowie Andela Saric vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA) und David Haselbach vom IMP. Das Konsortium wird über fünf Jahre mit 5,1 Millionen Euro gefördert.
Insgesamt arbeiten in jedem Emerging-Fields-Projekt Teams von bis zu 30 Wissenschaftler:innen eng zusammen; nach drei Jahren ist eine Zwischenbegutachtung vorgesehen. Die Entscheidung über die Förderung traf der FWF auf Basis internationaler Gutachten und der Empfehlung einer multidisziplinären Jury nach einem mehrstufigen Auswahlverfahren mit Hearing. Insgesamt wurden in dieser Ausschreibungsrunde 37 Projektideen eingereicht.
Mit der Beteiligung am neuen Emerging Field stärkt das IMBA seine Rolle in der internationalen Grundlagenforschung zur Zell- und Entwicklungsbiologie – und trägt dazu bei, den Ursprung unseres Lebens besser zu verstehen.
