Alpen besonders betroffen: Klimaerwärmung verschiebt Europas Pflanzenwelt
18.03.2026
Die Studie macht deutlich, dass sich Europas Pflanzen unterschiedlich an den Klimawandel anpassen. Während manche Pflanzengemeinschaften den steigenden Temperaturen relativ gut folgen können, geraten andere zunehmend ins Hintertreffen. In den Bergregionen, insbesondere in den Alpen, ist ein rascher Rückgang kälteangepasster Arten zu beobachten. Immer mehr wärmeangepasste Pflanzen wachsen hingegen in Wäldern und auf Wiesen.
Stärkste Veränderung in alpinen Regionen
Die globale Erwärmung verändert die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften in ganz Europa. Wärmeliebende Arten breiten sich zunehmend aus, während kältetolerante Arten zurückgedrängt werden – ein Prozess, den Forschende als „Thermophilisierung“ bezeichnen. Doch viele Ökosysteme reagieren verzögert auf die steigenden Temperaturen. Die tatsächliche Änderung der Artenzusammensetzung hinkt den bereits veränderten Klimabedingungen hinterher. Diese Situation erhöht das Aussterberisiko von Arten.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Lebensräumen: Alpine Gipfelregionen weisen die stärkste Veränderung auf. Hier ist die Thermophilisierung bis zu fünfmal stärker ausgeprägt als in anderen untersuchten Ökosystemen. Hauptursache ist vor allem der Rückgang kälteliebender Arten.
Harald Pauli, Co-Autor der Studie vom Institut für interdisziplinäre Gebirgsforschung der ÖAW, interpretiert die weitaus stärkere Thermophilisierung in den alpinen Gipfellagen, im Vergleich zum Waldunterwuchs und Tieflands-Wiesen, hauptsächlich als Effekt der ausgeprägten Topografie: „Steilheit führt zu einer Kompression der thermischen Höhenstufen, wodurch Arten mit unterschiedlichen Temperaturpräferenzen in räumlicher Nähe wachsen. Kälteadaptierte Arten können bei Erwärmung durch Expansion bereits am Standort vorkommender aber weniger kälteadaptierter Arten verdrängt werden.“
Die Ergebnisse liefern wichtige Grundlagen, um zukünftige Veränderungen der Pflanzenwelt unter der weiter fortschreitenden Erderwärmung präziser abschätzen zu können.
6.000 Flächen in ganz Europa untersucht
Die Forschenden haben dazu mehr als 6.000 Vegetationsflächen in ganz Europa untersucht, die über Zeiträume von 12 bis 78 Jahren hinweg wiederholt erfasst wurden. Analysiert wurden Wälder, Wiesen und alpine Gipfelregionen. Die alpinen Standorte sind ein Beitrag des internationalen Langzeitmonitoring- und Forschungs-Programms GLORIA, das an der ÖAW und der BOKU koordiniert wird.
Das Umweltbundesamt konnte für dieses Projekt wertvolle Langzeitdaten der Forschungsstation Zöbelboden in den oberösterreichischen Kalkalpen zur Verfügung stellen. Der von Umweltbundesamt und Nationalpark Kalkalpen betriebene Forschungsstandort ist einer der Leuchttürme der Europäischen Forschungsinfrastruktur (eLTER RI), die im Rahmen des European Strategy Forum for Research Infrastructures (ESFRI) als Netzwerk hochinstrumentierter Standorte aufgebaut wird.
Geleitet wurde die Studie von Forschenden der Universität Gent in Zusammenarbeit mit dem belgischen Forschungsinstitut für Natur und Wald (INBO), von der ÖAW war das Institut für interdisziplinäre Gebirgsforschung beteiligt.
