Konrad Zacharias Lorenz (1903–1989), Zoologe und Mediziner
1973 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, gemeinsam mit Karl von Frisch und Nikolaas Tinbergen für „ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung individueller und sozialer Verhaltensmuster“
1951 Korrespondierendes Mitglied im Ausland der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1974 Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1949 Begründer der Station für Vergleichende Verhaltensforschung in Altenberg (Niederösterreich) unter dem Protektorat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1973–1982 Leiter der Abteilung 4, Tiersoziologie, des Instituts für Vergleichende
Verhaltensforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1982–1989 Leiter der Forschungsstelle für Ethologie, Konrad-Lorenz-Institut, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
1938 NSDAP-Mitgliedschaft 6170554 (NSDAP-Gaukartei, Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/26440878) Mitarbeiter des Rassenpolitischen Amts der NSDAP mit Redeerlaubnis (Oliver Rathkolb, Zeithistorisches Gutachten: Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus, S. 12)
Konrad Lorenz leistete mit seinen Forschungen wichtige Beiträge für die Ethologie. Seine Beobachtungen zum speziellen Lernprozess der Prägung führten einerseits zu Studien der Existenz genetisch programmierter Verhaltensmuster, ihrer Organisation, Reifung und Auslösung durch Schlüsselreize, andererseits zur Erkenntnis der Bedeutung spezifischer Erfahrungen in kritischen Phasen für die normale Entwicklung eines Individuums. Seine Beobachtungen über Prägung und Triebhandlungen erfolgten bekannterweise an Graugänsen und Dohlen. Mit seiner Habilitation 1937 für das Fach Zoologie mit besonderer Berücksichtigung der vergleichenden Anatomie und Tierpsychologie begründete er die vergleichende Verhaltensforschung in Österreich. Lorenz engagierte sich 1978 gegen die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf sowie für das nach ihm benannte „Konrad-Lorenz-Volksbegehren“ 1985 betreffend die Errichtung eines Nationalparks anstatt eines Wasserkraftwerks in Hainburg.
Lorenz begrüßte 1938 den „Anschluss“ Österreichs an das Nationalsozialistische Deutschland, vertrat in seinen Publikationen ab 1939 eugenische Maßnahmen und forderte die Ausmerzung „ethisch Minderwertiger“. Darüber hinaus bekräftigte er: […] Ich habe unter Wissenschaftlern und vor allem Studenten eine wirklich grundlegende Werbetätigkeit entfaltet, schon lange vor dem Umbruch war es mir gelungen, sozialistischen Studenten die biologische Unmöglichkeit des Marxismus zu beweisen und sie zum Nationalsozialismus zu bekehren […].“ (Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, UWFuK BMU, Personalakt 21/068 Lorenz Konrad).
1941 als Heerespsychiater und Neurologe in die Deutsche Wehrmacht eingezogen, war er in einem Lazarett in Posen eingesetzt und nahm 1942 an rassenkundlichen „Studien“ an über 870 „deutsch-polnischen Mischlingen“ teil. 1944 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er Ende 1948 entlassen wurde. Lorenz distanzierte sich auch nach 1945 nicht von seinen rassenideologischen und eugenischen Ansichten.
Auszeichnungen und Benennungen
1957 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale
1964 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst
1969 Orden Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste
1969 Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold
1983–2015 (aberkannt): Ehrendoktorat der Universität Salzburg
1984 Ehrenbürger der Stadt Wien
50-Schilling-Gedenkmünze aus dem Jahr 1998 „25 Jahre Nobelpreis Konrad Lorenz“
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Konrad-Lorenz-Institut für Evolutions- und Kognitionsforschung (Klosterneuburg, Niederösterreich)
Konrad Lorenz Forschungsstelle (Grünau im Almtal, Oberösterreich), von 1990–2012 Verein der Förderer der Konrad Lorenz Forschungsstelle
Konrad und Adolf Lorenz Museum in Altenberg (Niederösterreich)
Konrad-Lorenz-Straße in Tulln (Niederösterreich) versehen mit einer Zusatztafel, die auf seine Nähe zur NS-Ideologie hinweist
Der Konrad-Lorenz-Weg in Neufahrn bei Freising (Bayern), 2023 umbenannt in Edith-Ebers-Weg
Konrad Lorenz Gymnasium in Gänserndorf (Niederösterreich)
Konrad-Lorenz-Schule in Usingen (Hessen), 2017 umbenannt in Helmut-Schmidt-Schule
1981–2005 Konrad-Lorenz-Staatspreis für Natur- und Umweltschutz verliehen vom Umweltminister der Republik Österreich
1991–2001 Konrad-Lorenz-Medaille, Naturschutzpreis vom Wiener Volksbildungswerk
Akademiemitgliedschaften
Literatur
Oliver Rathkolb, Zeithistorisches Gutachten: Konrad Lorenz und der Nationalsozialismus, 2023
Klaus Taschwer, Benedikt Föger, „Konrad Lorenz. Biografie“. Wien: Czernin 2023.
Autorin: Daniela Angetter-Pfeiffer, ÖAW ACDH
