Karl von Frisch, bis 1919 Ritter von Frisch, (1886–1982), Zoologe


1973 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, gemeinsam mit Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen für „ihre Entdeckungen zur Organisation und Auslösung individueller und sozialer Verhaltensmuster“

1939 Korrespondierendes Mitglied Reichsbürger, umgewidmet in

1946 Wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, umgewidmet in

1949 Korrespondierendes Mitglied im Ausland der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

1954 Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

1921 Ignaz-L.-Lieben-Preis

1947–1974 Mitglied der Kommission für die Herausgabe eines Catalogus Faunae Austriae

1947–1974 Mitglied der Kommission für die Verwaltung der Biologischen Station Lunz

1947–1950 Mitglied der Österreichischen Forschungsgemeinschaft für den Südosten und Orient

1949–1951 Mitglied der Kommission für die Verwaltung des Instituts für vergleichende Verhaltensforschung

1975–1981 Mitglied der Kommission für die Herausgabe eines Catalogus Faunae Austriae und zur Erfassung der europäischen Tierwelt (EIS)


Nach seiner Promotion an der Universität Wien im Jahre 1910 erhielt Frisch eine Assistentenstelle an der Universität München, wo er sich 1912 für Zoologie und vergleichende Anatomie habilitierte. 1921 ging er als Ordinarius für Zoologie und Direktor des Zoologischen Instituts nach Rostock, 1923 folgte er einem Ruf nach Breslau, ab 1925 war er wieder in München tätig, wo er die Modernisierung des Zoologisches Instituts initiierte. Aufgrund eines Bombentreffers auf das Institut während des Zweiten Weltkriegs verlegte Frisch seine Arbeitsstätte mit einem Teil der Belegschaft nach Brunnwinkl ins Salzkammergut. 1946 übernahm er den Lehrstuhl für Zoologie an der Universität Graz. 1950 kehrte Frisch erneut in das Münchner Institut zurück. Nach seiner Emeritierung 1958 lehrte er bis 1960 als Honorarprofessor an der Universität Graz. Frisch befasste sich mit dem Gehör, einem Schreckstoff in der Haut sowie mit der Farbanpassung und dem Farbensinn der Fische. Ab 1912 folgten Forschungen zur Sinnesphysiologie der Bienen, insbesondere zur Tanzsprache der Honigbiene.

Dem NS-Regime widersetzte er sich zunächst, indem er sich 1940 erfolgreich für die Freilassung des im KZ Dachau inhaftierte jüdischen Biologen, Zoologen und Ethologen Roman Wojtusiak einsetzte, und Juden in seinem Institut beschäftigte. Da Frisch selbst seine Abstammung seitens seiner Großmutter nicht eindeutig klären konnte, galt er als „Vierteljude“, und sollte 1941 zwangspensioniert werden. Eine hochansteckende Bienenkrankheit, die Nosemose, zwang die nationalsozialistischen Machthaber jedoch, Frisch in sein Institut zurückzuholen, da die Bekämpfung der Seuche angesichts der schlechten Ernährungslage von höchster volkwirtschaftlicher Bedeutung war. Von der US-Wissenschaftshistorikerin Tania Munz wird Frisch als „absolut unpolitisch“ gesehen, für den österreichischen Wissenschaftsjournalisten und Soziologen Klaus Taschwer gilt er als ein Befürworter der NS-Eugenik. Frisch hob in einem Artikel 1941 die Bemühungen der NS-Regierung, die Rassen reinzuhalten positiv hervor und trat in seinem erstmals 1936 erschienenen Bestseller „Du und das Leben. Eine moderne Biologie für Jedermann“ für das 1934 in Kraft getretene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ und für das „Rassenpolitische Amt“ ein. Frisch beklagte, dass im Gegensatz zu indigenen Völkern und Tieren, wo ungesunde phänotypische Abweichungen „gnadenlos“ ausgemerzt werden, diese in hochentwickelten Kulturen aufgrund humanitärer Gesinnung und medizinischer Unterstützung fortbestehen. Dies führe zu einer Abschaffung der wohlwollenden Selektion durch Bevorzugung minderwertiger Menschen und in weiterer Folge zu einer Steigerung von Menschen mit vererbbaren psychischen Erkrankungen oder körperlichen Missbildungen. Als sicheres Mittel dies zu verhindern, gilt die Sterilisation. Solche Passagen wurden in späteren Auflagen seines Buches gestrichen. In seinen „Erinnerungen eines Biologen“ rechtfertigt Frisch 1957 seine Haltung in der NS-Zeit damit, dass bald klar war, dass jeder Widerstand zur Selbstzerstörung führt.

Benennungen und Auszeichnungen

1935 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale

1947 Korrespondierendes Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen

1952 Orden Pour le Mérite

1957 Ehrenring der Stadt Wien

1960 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst

1974 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband

1982 Großes Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich

Karl-von-Frisch-Gymnasium in Dußlingen

Karl-Ritter-von-Frisch Gymnasium in Moosburg

Karl-von-Frisch-Straße in Marburg

Karl-von-Frisch-Gedenktafel an seinem Geburtshaus in Wien, Josefstädter Straße 17

Nobelpreisträger Prof. Dr. Karl von Frisch – Denkmal im Seepark St. Gilgen

1992 Asteroid (13977) Frisch

Seit 1993 werden mit dem Karl-von-Frisch-Preis (früher Karl-von-Frisch-Abiturientenpreis) des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e. V. herausragende Leistungen von Abiturient:innen im Fach Biologie gewürdigt.

Die Karl-Ritter-von-Frisch-Medaille wird alle zwei Jahre von der Deutschen Zoologischen Gesellschaft verliehen und gilt als der bedeutendste Wissenschaftspreis für Zoologie in Deutschland.

Akademiemitgliedschaften

ÖAW

Leopoldina

BADW

Literatur

Frisch Karl von, Erinnerungen eines Biologen, Berlin, Heidelberg 1957

Günther K. H. Zupanc, Susanne Wanninger, “Resistance leads to self-destruction”: how an (a)political strategy helped Karl von Frisch succeed during the Nazi era, in: Journal of comparative physiology. A, neuroethology, sensory, neural and behavioral physiology 210 (2024), 2, 145–166.

Autorin: Daniela Angetter-Pfeiffer, ÖAW ACDH