Gerhard Johannes Paul Domagk (1895–1964), Mediziner


1939 Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für „die Entdeckung der antibakteriellen Wirkung des Prontosil“. Domagk konnte den Nobelpreis aufgrund eines Erlasses der nationalsozialistischen Machthaber erst 1947 annehmen.

1963 Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Mitglied der NS-Volkswohlfahrt

Mitglied der Deutschen Arbeitsfront

Mitglied des NS-Bunds Deutscher Technik

Mitglied der NS-Ärzteschaft (Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, NW 1022-D/8351)


Domagk zählt zu den bedeutendsten Pathologen des 20. Jahrhunderts. 1924 Dozent für Pathologische Anatomie an der Universität Greifswald, ging er ein Jahr später in derselben Funktion nach Münster, wo er 1958 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. 1927 wechselte er in eine Forschungsabteilung der Bayerwerke (I. G. Farbenindustrie) in Wuppertal-Elberfeld, dessen Leitung er 1929 übernahm. Zunächst befasste er sich mit Desinfektionsmitteln. 1932 entdeckte Domagk anhand von Tierversuchen die antibakterielle Wirkung von Sulfonamiden, was letztlich 1936 das Medikament Prontosil auf den Markt brachte und Domagk zum Pionier der modernen Antibiotikatherapie werden ließ. Darüber hinaus trug er zur Entwicklung von Medikamenten zur Behandlung von Tuberkulose und Krebs bei.

Zu Domagks Einstellung dem Nationalsozialismus gegenüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Domagk wurde aufgrund einer kurzen Internierung oft als NS-Opfer gesehen. Diese Inhaftierung resultierte aus seinem Versuch das NSDAP-Büro des Führers (KdF) zu überzeugen, ihm eine Sondergenehmigung für die Annahme des Nobelpreises zu gewähren. Kontakte ins Ausland, die Domagk mit dem Karolinska-Institut hatte, wurden jedoch als politische Gefahr gedeutet. Domagk wurde gezwungen, seine Korrespondenz mit dem Karolinska-Institut offenzulegen, und kurzfristig von der Gestapo verhaftet, die seine politische Zuverlässigkeit überprüfte. Neuere Forschungen bezeugen, dass Domagk mit dem NS-Regime sympathisierte und von ihm profitierte. Er nutzte sein weitgehend nationalsozialistisches berufliches Umfeld, um Privilegien wie Auslandsreisen zu erhalten und kooperierte bei der Erprobung neuer Medikamente mit NS-belasteten Kollegen wie dem Dermatologen Walther Schulze oder dem Kinderarzt Werner Catel. Das NS-System wiederum nutzte seine wissenschaftlichen Arbeiten für „kriegsmedizinische Forschungsanstrengungen“. Ab 1944 war Domagk Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Bevollmächtigten für das Sanitäts- und Gesundheitswesen Karl Brandt. In jüngster Zeit geriet Domagk in Misskredit durch eine 2020 in Auftrag gegebene Studie des Landeswohlfahrtsverbands Hessen über die Verabreichung des Medikaments TB I 698. Bei im Jahr 2024 präsentierten Ergebnissen wurde festgestellt, dass Catel gemeinsam mit dem Labormediziner Domagk mit einer Versuchsreihe zur Erprobung eines neu entwickelten Präparats zur Chemotherapie der Tuberkulose begann. Das verabreichte Medikament TB I 698, das später ausschließlich für Erwachsene als Conteben auf den Markt kam, wirkte bei mindestens vier Kindern letal.

Auszeichnungen und Benennungen

1942 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale

1952 Orden Pour le Mérite

1959 Vizepräsident des Ordens Pour le Mérite

1967–1982 Gerhard-Domagk-Klinik (Lungenheilstätte) in Ruppertshain

1982 Gerhard-Domagk-Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Münster

1993 DomagkAteliers GmbH in München: zählt zu den größten Künstleratelierhäusern in Europa

Gerhard-Domagkstraße in Bad Berka

Domagkstraße in Berlin

Gerhard-Domagkstraße in Bocholt

Gerhard-Domagkstraße in Bonn

Domagkweg in Braunschweig

Domagkstraße in Bünde

Gerhard-Domagkstraße in Dormagen

Gerhard-Domagkstraße in Düsseldorf

Gerhard-Domagkstraße in Frankfurt am Main

Domagkweg in Hannover

Domagkstraße in Homburg

Domagkstraße in Köln

Professor-Domagkweg in Königsfeld im Schwarzwald

Domagkstraße in Laatzen

Gerhard-Domagkstraße in Leverkusen

Domagkstraße in Lindau

Gerhard-Domagkstraße in Ludwigshafen am Rhein

1965 Domagkstraße in Münster

1966 Domagkstraße in München

2015 Domagkpark in München

Domagkstraße in Neumünster

Professor-Domagkstraße in Vlotho

Domagkweg in Wuppertal

Domagk (Gerhard-Domagk-Skulptur) im Wuppertaler Zooviertel

Domagk-Jahr 2014 anlässlich des 75. Jahrestags der Verleihung des Nobelpreises

1961 Stiftung „Krebsforschung Professor Dr. Gerhard Domagk“ in Münster zur finanziellen Auszeichnung von exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten zur Krebsbekämpfung

2008 Gerhard Domagk-Stipendium der Universitätsmedizin Greifswald zur Nachwuchsförderung

Akademiemitgliedschaften

ÖAW

Leopoldina

Literatur

Hendrik Uhlendahl, Dominik Gross, Victim or profiteer? Gerhard Domagk (1895–1964) and his relation to National Socialism, in: Pathology. Research and Practice 216 (2020), S. 1–9. (DOI: 10.1016/j.prp.2020.152944)

Autorin: Daniela Angetter-Pfeiffer, ÖAW ACDH