Die Sozialverträglichkeitsbestimmung von gentechnischen Produkten

Risiken bezüglich der Gesundheits- und Umweltverträglichkeit müssen in allen Industrieländern vor der Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen und dem Inverkehrbringen entsprechender Waren abgeschätzt werden, Methoden hierfür sind seit Jahren etabliert.

Nach dem österreichischen Gentechnikgesetz durften solche Waren darüber hinaus nicht zu einer "sozialen Unverträglichkeit" führen. Wege, um diese Bestimmung umzusetzen, waren zu untersuchen. Die österreichische Rechtsordnung ergab keine einschlägigen Hinweise, die vage Formulierung führte aber zu einem Spannungsverhältnis mit Grundrechten der Verfassung. Da auch keine Verfahrensvorschriften angegeben wurden, erschien die direkte Umsetzung der Bestimmung rechtlich problematisch. Die entsprechende EU-Richtlinie verbot zwar Prüfungen anderer Aspekte als des Gesundheits- und Umweltschutzes nicht, allerdings wären Verbote auf dieser Grundlage als Handelshemmnis unzulässig.

Um die Inhalte der Sozialverträglichkeitsbestimmung zu konkretisieren, wurden mit "Akzeptanz", "Akzeptabilität" und "Partizipation" unterschiedliche Konzepte der Sozialverträglichkeit untersucht, ebenso wie deren Beziehung zur Risikodiskussion und zu diskursiven Konfliktlösungsstrategien unter Hinweis auf andere Felder der Technikregelung. Hierfür wurde u.a. ein Symposium zum Thema "Sozialverträgliche Technikgestaltung" an der ÖAW abgehalten. Verläßliche Daten über die Akzeptanz gentechnischer Anwendungen in Österreich lieferte eine repräsentative Umfrage mit dem Wortlaut der Eurobarometer-Umfrage von 1993. Neben ersten Erfahrungen mit dem norwegischen Gesetz, das ebenfalls "transscientifische" Kriterien für die Akzeptabilität enthielt, wurden drei Beispiele partizipationsorientierter Konfliktlösungsmethoden bei landwirtschaftlichen Anwendungen der Gentechnik aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden diskutiert. Schließlich wurden Möglichkeiten und Grenzen für die Stimulierung gesellschaftlicher Diskurse einerseits und für die amtliche Bestimmung sozialer Unverträglichkeit andererseits erörtert.

Publikationen

Publikationen

  • Torgersen, H., & Seifert, F. (1998). Auf dem Weg zur sozialverträglichen Gentechnik? Einige kritische Gedanken zur österreichischen Gentechnikpolitik nach dem Volksbegehren, Nachtrag zur Studie "Biotechnologie – Öffentlichkeit – Sozialverträglichkeit, Mögliche Wege in der österreichischen Gentechnikpolitik", i.A.d. Bundeskanzleramts, ITA, Wien.
  • Grabner, P., & Torgersen, H. (1998). Österreichs Gentechnikpolitik – Technikkritische Vorreiterrolle oder Modernisierungsverweigerung?. Österreichische Zeitschrift Für Politikwissenschaft, 5-27.
  • Grabner, P., & Torgersen, H. (1998). Gentechnik in Österreich – Technikkritik versus Modernisierung?. In Spök, A. (Hg.), Technik Gestalten, Reihe Technik- und Wissenschaftsforschung, Profil, München.
  • Torgersen, H., & Grabner, P. (1998). Biotechnology in Austria – Technology Critique Versus Modernisation. Proceedings of the Japan International Conference on Science, Technology & Society, 16.-22.3., Tokyo, Hiroshima & Kyoto.
  • Seifert, F., & Torgersen, H. (1997). How to keep out what we don´t want – An assessment of “Sozialverträglichkeit" under the Austrian Genetic Engineering Act. Public Understanding Of Science, 301-327.
  • Torgersen, H., & Seifert, F. (1997). Die amtlich verbotene Unverträglichkeit – Zur Sozialverträglichkeits-Bestimmung im österreichischen Gentechnik-Gesetz. Ta-Datenbank-Nachrichten, 55-58.
  • Torgersen, H. (1997). Konsens-Konferenzen für Österreich?, Kurzgutachten für die Bundesministerin für Frauenangelegenheiten und Verbraucherschutz im BKA.
  • Torgersen, H., & Seifert, F. (1997). Aversion Preceding Rejection – A Survey on Public Opinion of Biotechnology in Austria. Public Understandning Of Science, 1-12.
  • Torgersen, H., & Seifert, F. (1997). Die Abwehr des Unverträglichen. In Torgersen, H. (Hg.), Biotechnologie in der Öffentlichkeit – von der Risikodiskussion zur Technikgestaltung, ITA, Wien (pp. 42-61).
  • Torgersen, H. (H. ). (1997). Biotechnologie in der Öffentlichkeit – von der Risikodiskussion zur Technikgestaltung. ITA, Wien, mit Beiträgen von W. v.d. Daele, Berlin, S. Joss, London, T.H. Nielsen, Oslo, F. Seifert und H.Torgersen, Wien.
  • Torgersen, H. (1997). Stellungnahme für die Verhandlungen der zuständigen Minister mit den Proponenten des Gentechnik-Volksbegehrens, Arbeitskreis Freisetzung, BKA.
  • Torgersen H.,, & Wagner, W. (1997). Ängstliche Avantgarde?. Sn Vom 28.4.1997, 3.
  • Seifert, F., & Torgersen, H. (1996). Einstellungen zur Bio- und Gentechnologie in Österreich – Ergebnisse einer repräsentativen Meinungsumfrage nach dem Eurobarometer 39.1. Sws-Rundschau, 47-72.
  • Torgersen, H. (1996). Zwischen Risikoabschätzung und sozialer Verträglichkeit. In Tichy, G. (Hg.), Technikfolgen-Abschätzung in Österreich, ITA, Wien (pp. 67-104).
  • Torgersen, H., & Seifert, F. (1995). Die Sozialverträglichkeitsbestimmung gentechnischer Produkte -zwischen Anpruch und Umsetzbarkeit, Studie im Auftrag des BMGK, ITA, Wien (p. 139 Seiten).
  • Nentwich, M. (1993). Spezifische nationale Spielräume bei der Umsetzung der EG-Freisetzungsrichtlinie (RL 90/220/EWG) anläßlich eines EWR- bzw EG-Beitritts Österreichs, in Reihe: UBA-Reports, Bd. 93-074, hg. v. Umweltbundesamt (UBA), Forschungsstelle für Technikbewertung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
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Konferenzbeiträge/Vorträge

Konferenzbeiträge/Vorträge

  • 12.02.1998
    Helge Torgersen: 
    Why Europe won´t play ball
    What is behind the European reluctance towards genetically modified food? American Association for the Advancement of Science´s Annual Meeting, Philadelphia
    Sonstiger Veranstaltungsbeitrag
  • 18.01.1997
    Helge Torgersen,  Franz Seifert: 
    How to keep out what we don´t want
    Conference on Technology and Democracy – Comparative Perspectives, TMV, Oslo
    Sonstiger Veranstaltungsbeitrag
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Laufzeit

12/1994 - 12/1995