Die Freiheit der Zugelassenen. Wissenschaftsfreiheit zwischen Moral und Moralisierung

In den USA werden Universitäten Fördergelder gesperrt, in Deutschland streiten Hochschulen darüber, wozu sie sich noch äußern dürfen. Die Wahl in Sachsen-Anhalt heizt Debatten darüber an, wie man autoritären Bedrohungen der Wissenschaftsfreiheit wirkungsvoll begegnen kann. Dass der Rechtspopulismus wissenschaftsinterne Konflikte nutzt, um den politischen Durchgriff auf die Wissenschaft zu rechtfertigen, verschärft den innerwissenschaftlichen Streit um das politische Mandat der Wissenschaft. Wer die Wissenschaftsfreiheit verteidigen will, setzt in aller Regel auf Normen und Gesetze.
Der Historiker Caspar Hirschi von der Universität St. Gallen hingegen sagt: „Wer die Wissenschaftsfreiheit wirkungsvoll verteidigen will, muss das liberale Ethos kennen, auf dem sie beruht.“ Hirschi zeigt das am Streit des berühmten Soziologen Max Weber mit der eigenen Zunft im Jahr 1908. Die von Weber postulierte „Werturteilsfreiheit“ war kein Rückzug aus der Politik, sondern der Preis dafür, dass damals auch Sozialdemokraten und Juden eine Chance auf einen Lehrstuhl bekamen. Die Auseinandersetzung mit Webers Situation zu Beginn des 20. Jahrhunderts nutzt Hirschi zu einer historisch informierten Verteidigung der Wissenschaftsfreiheit unter aktuellen Bedingungen, die dem alten Thema neue Facetten abgewinnt.
Hirschis Vortrag am 17. September 2026 im Festsaal der ÖAW unter dem Titel „Die Freiheit der Zugelassenen. Wissenschaftsfreiheit zwischen Moral und Moralisierung“ ist zugleich die Keynote zu einer internationalen Konferenz, die vom Human Technology Center der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen organisiert wird, Mitveranstalter ist Alexander Bogner, Soziologe am Institut für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW. Die Konferenz "The Moralization of Science” fragt danach, wie moralische Werte die Wissenschaft prägen, und wie die Wissenschaft wiederum die moralischen und politischen Debatten moderner Gesellschaften prägt.
Website der Konferenz, vorläufiges Programm
Informationen
Termin:
Öffentliche Keynote von Caspar Hirschi: 17. September 2026, 18:00 Uhr
Wissenschaftliche Konferenz: 17. bis 18. September 2026
Ort:
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Festsaal
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
1010 Wien
Kontakt für Fragen, Anregungen, Feedback:
Dr. Alexander Bogner
Mitveranstalter der Konferenz
T: +43 - 1 51581-6595
Institut für Technikfolgen-Abschätzung der ÖAW