

Zwei Jahre lang wurde am CERN in Genf umgebaut und gewartet, am 3. Juni war es endlich soweit: Der offizielle Start des oftmals als „Weltmaschine“ bezeichneten Large Hadron Collider (LHC) erfolgte, als die Operatoren im Kontrollraum des Teilchenbeschleunigers den Status auf „stable beams“ setzten. Seitdem werden Protonenstrahlen mit einer Energie von 13 Teraelektronenvolt (TeV) auf Kollisionskurs gebracht. Ein Rekordwert und Neuland. Denn vor dem Umbau konnten nur 8 TeV erreicht werden.
Mit der höheren Energie und auch einer höheren Kollisionsrate werden mehrere Ziele verfolgt. Eines der wichtigsten: Die genaue Messung der Eigenschaften des 2012 entdeckten Higgs-Bosons. Kleine Abweichungen im Vergleich zu den Vorhersagen des sogenannten Standardmodells der Teilchenphysik, der derzeit besten Beschreibung der Elementarteilchen und ihrer Wechselwirkungen, könnten zeigen, dass dieses Modell unvollständig ist. Ein eindeutiger Beweis für Phänomene, die über das Standardmodell hinausgehen, wäre die Entdeckung bisher unbekannter Teilchen, wie sie von vielen alternativen Theorien vorhergesagt werden.
Mit den ersten vorläufigen Resultaten wird bereits in den kommenden Monaten gerechnet: “Wir freuen uns natürlich sehr, dass der LHC wie geplant seinen Betrieb bei 13 TeV aufnimmt. Jetzt hoffen wir, dass wir im Juli erste aufregende Resultate auf der Konferenz der Europäischen Physikalischen Gesellschaft zu sehen bekommen”, sagt Prof. Jochen Schieck, Direktor des Instituts für Hochenergiephysik der ÖAW und Vorsitzender des lokalen Organisationskomitees der Konferenz, die vom 22. bis 29. Juli in Wien stattfindet und als eine der bedeutendsten Veranstaltungen der Teilchenphysik gilt.
Die Forscher am Institut für Hochenergiephysik der ÖAW sind jedenfalls bereit für die Analyse der neuen Daten aus Genf. Ein neues System zur Selektion der Kollisionen in Echtzeit wurde installiert und die Analysetechniken wurden mit Hilfe von Computer-Simulationen verfeinert. Ein Schwerpunkt der Forschungen wird weiterhin die Suche nach neuen Teilchen sein, die im Rahmen von „Supersymmetrie“, einer der vielversprechendsten Erweiterungen des Standardmodells, vorhergesagt werden. Eine neue Forschungsgruppe wird sich zudem dem Nachweis seltener Zerfälle des Higgs-Bosons in sogenannte Tau-Leptonen widmen. Denn hier stehen ein eindeutiger Nachweis und die genaue Messung der Zerfallswahrscheinlichkeit, die ein zentrales Element in der Bestimmung der genauen Natur dieses Teilchens darstellt, noch aus.
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