07.01.2020

Was bringt das Wissenschaftsjahr 2020

Weltraummissionen zu Sonne und Mars, das Jahr des Schalls, Nobelpreisträger in Wien, Utopien in Klagenfurt und Lange Nacht der Forschung in ganz Österreich – das neue Jahr hat für Wissenschaftsfans einiges zu bieten.

© ÖAW/Hörmandinger/APA-Fotoservice

Sonne, Mars und Exoplaneten

Bei gleich drei großen Weltraummission ist auch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) an Bord. Eingeläutet wird das Jahr 2020 mit Solar Orbiter. Die ESA-Sonde wird wiederholte Nahaufnahmen der Sonne anfertigen. Das Institut für Weltraumforschung der ÖAW zeichnet unter anderem für Antennenkalibrierung, Bordcomputer und Radiowelleninstrument verantwortlich. Bei der im Sommer startenden Chinese Mars Mission war die ÖAW-Weltraumforschung am Bau des Magnetometers beteiligt. Und gegen Jahresende geht es dann bei der CubeSat-Mission der NASA um die Erforschung extrasolarer Planeten. Hier kommen die Analyse des optischen Systems, der Datensimulator und die Software zur Datenverarbeitung von der Akademie.

Nobelpreiswürdige Nano-Mikroskopie

Ohne Mikroskopie wäre die heutige Wissenschaft nicht denkbar. Inzwischen hat die Technik auch die alte Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen hinter sich gelassen und ist auf die Nano-Ebene vorgedrungen. Diese modernen „Nanoskope“ sind mehr als einhundert Mal schärfer als herkömmliche Lichtmikroskope. Stefan Hell, Nobelpreisträger und Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie, ist einer der Masterminds hinter diesen Entwicklungen. Am 18. März 2020 um 18 Uhr ist er auf Einladung der ÖAW für eine Richard Zsigmondy-Lecture im Kuppelsaal der TU Wien zu Gast.

Dunkle Materie im Untergrund

Dunkle Materie kommt im Universum ungefähr fünfmal so häufig vor wie normale, sichtbare Materie. Doch wie lässt sie sich nachweisen? Weltweit haben sich gleich mehrere Experimente auf die Fährte der Dunklen Materie geheftet – eines davon ist das COSINUS-Experiment im Untergrundlabor im italienischen Bergmassiv Gran Sasso. Im Sommer 2020 beginnt der Aufbau des Experiments, Ende 2021 werden die ersten Messungen vorgenommen. Von Anfang an dabei ist das Institut für Hochenergiephysik der ÖAW. Es ist verantwortlich für den Bau des Reinraumes, die Entwicklung der Elektronik sowie der Software, sowohl zur Aufzeichnung als auch zur finalen Auswertung der Daten.

2020 – Das Jahr des Schalls

Das Rauschen der Blätter im Wald, ein Popkonzert, die Stimme einer vertrauten Person, der Lärm eines Flugzeugs beim Start – was all diese unterschiedlichen Ereignisse verbindet, ist: Schall. Er begleitet uns nahezu überall. Um die Bedeutung des Schalls in der Gegenwart ins Bewusstsein zu rufen, haben mehrere Akustik-Organisationen weltweit das Jahr 2020 zum Jahr des Schalls erklärt. Damit wollen sie auch die UNESCO-Resolution “The Importance of Sound in Today’s World: Promoting Best Practices” umsetzen, die 2017 beschlossen wurde. Das Institut für Schallforschung der ÖAW beteiligt sich an dem globalen Aktionsjahr mit dem „Tag gegen Lärm“, der am 29. April in Wien am Standort des Instituts als Open House stattfinden wird.

Eine ganze Nacht lang forschen

Am 8. Mai 2020 ist es wieder soweit: Die Lange Nacht der Forschung lädt Neugierige in ganz Österreich dazu ein, Wissenschaft aus nächster Nähe kennenzulernen. Auch die ÖAW ist mit ihren Instituten vertreten. Die Wiener Einrichtungen der Akademie – von Archäologie über Geschichte bis zu Pflanzenforschung und Physik – freuen sich am zentralen Standort in der Aula der Wissenschaften auf Besucher/innen. Die Institute der Akademie in Graz, Linz und Leoben sind an ihren jeweiligen Standorten für junge und erwachsene Wissenschaftsfans geöffnet.

Rising Stars der Stammzellforschung

Stammzellen sind die molekularen Chamäleons im Körper. Dadurch haben sie ein großes Potential für die medizinische Forschung. Knochenmarkserkrankungen beispielsweise werden schon seit längerem mit Stammzellen behandelt. Die neuesten Trends und Erkenntnisse auf dem Gebiet trägt von 25. bis 27. März 2020 das „Symposium on Stem Cell Research“ – kurz SYStem – in Wien zusammen. Organisiert vom IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der ÖAW und dem IMP versammelt die Veranstaltung junge Rising Stars des Faches am Campus des Vienna BioCenter. Die Keynotes halten Amy Wagers vom Harvard Stem Cell Institute und Lorenz Studer vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center.

Utopien in Klagenfurt

Die Universität Klagenfurt wird 50 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat die ÖAW gemeinsam mit der Universität die Vortragsreihe „Utopia!“ ins Leben gerufen, die Beiträge zu Kunst und Aufklärung versammelt. Den Auftakt bildet eine Vorlesung von Barbara Stollberg-Rilinger am 21. Jänner 2020. Die Rektorin des Wissenschaftskollegs zu Berlin spricht in Klagenfurt über das ambivalente Erbe der Aufklärung. Weitere Vortragende der Reihe sind unter anderem die Philosophin Isolde Charim und der Soziologe Hartmut Rosa. Ein Symposium wird sich im Herbst zudem dem Thema Volksabstimmungen widmen.