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KlimawandelGebirgsforschung

Vorarlbergs Gletscher schmelzen rasant – fast die Hälfte ist bereits verschwunden

Eine neue glaziologische Studie liefert eine detaillierte Kartierung des aktuellen Gletscherschwunds in Vorarlberg. Forschende der Österreichischen Akademie der Wissenschaften analysierten Gletscherumrisse seit Mitte der 2000er-Jahre – und zeigen ein alarmierendes Bild des Eisrückgangs in den Alpen.

20.03.2026
© AdobeStock

Die Studie „Mapping vanishing glaciers in Vorarlberg, Austria” – veröffentlicht in der internationalen Fachzeitschrift „Annals of Glaciology” – zeigt, dass seit Mitte der 2000er-Jahre etwa die Hälfte der Vorarlberger Gletscherfläche verschwunden ist. In den letzten Jahren ging der Gletscherschwund besonders schnell. Im Zeitraum von 2017 bis 2023 sind einige Gletscher zur Gänze geschmolzen und die Gletscherfläche schrumpfte um durchschnittlich fünf Prozent pro Jahr.

Diese Daten basieren auf hochauflösenden Orthophotos und digitalen Höhenmodellen, die vom Land Vorarlberg zur Verfügung gestellt wurden und systematisch die Entwicklung der Gletscherlandschaft in vier alpinen Regionen Vorarlbergs dokumentieren. Die Kartierungen sind Ergebnis eines Projekts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit dem Land Vorarlberg, das die aktualisierten Gletschergrenzen im Zuge der Landesverwaltung verwendet und zugänglich macht.

Abschied von den Gletschern

„Die Ergebnisse aus Vorarlberg passen in das Bild, das wir auch aus anderen Regionen haben: Die Gletscher schrumpfen nicht nur, sondern verschwinden in einigen Fällen ganz“, so die ÖAW-Studienautor:innen Svenja Conzelmann, Bernd Seiser, Andrea Fischer, Marcela V. Lauria, Martin Stocker-Waldhuber, Giulia Bertolotti und Lea Hartl in ihrer Publikation. In extremen Jahren erreichen die jährlichen Flächenverluste den hohen einstelligen Prozentbereich – Tendenz steigend.

„Dieser Prozess geht sehr, sehr schnell. Wir werden uns in den nächsten 10, 20 Jahren von zahlreichen Gletschern in ganz Österreich verabschieden müssen“, sagt Studien-Mitautorin Lea Hartl vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung der ÖAW. Die aktuellen Ergebnisse aus Vorarlberg ergänzen nationale und internationale Beobachtungen des Gletscherschwunds, der auch in anderen Alpenländern besonders stark ausgeprägt ist.

Gletscherzählung immer schwieriger

Auch die Zählung der vorhandenen Gletscher wird mit dem zunehmenden Zerfall schwieriger. „Wenn eine Verbindung zwischen einem Seitenarm und dem Hauptgletscher abreißt, entsteht ja kein neuer Gletscher“, sagt Hartl: „Außerdem sind kleine Eisreste oft von Schutt bedeckt und selbst in hochauflösenden Daten schwer zu erkennen.“ Ein digitales Geländemodell aus dem Jahr 2023 ermöglichte eine Analyse der Oberflächenveränderungen und gibt den Forschenden Hinweise auf Eis, das sich noch unter dem Schutt verbirgt.

Aber: Je nach Definition sind solche Gletscherfragmente keine Gletscher mehr, da die Fließbewegung und ein firnbedecktes Nährgebiet fehlen. Mitte der 2000er-Jahre wurden in Vorarlberg noch 30 Gletscher inventarisiert. Fünf davon sind bis 2023 komplett verschwunden und viele der verbleibenden Gletscherreste gelten als Toteis, das nicht mehr fließt. Auch in den nächsten Jahren sind deutliche Änderungen im Landschaftsbild zu erwarten. Es sei wichtig, in Folge zu untersuchen, wie sich die ehemals vergletscherte Hochgebirgslandschaft weiterentwickelt, und welche potenziellen Gefahren dort entstehen können, so das ÖAW-Team.

Pressebild

 

Auf einen Blick

Publikation
Conzelmann S, Seiser B, Lauria MV, et al. Mapping vanishing glaciers in Vorarlberg, Austria. Annals of Glaciology. 2026;67:e10.
DOI:10.1017/aog.2026.10044

Weiterführende Infos
Die Daten zu den Vorarlberger Gletschern sind visuell aufbereitet auf der Website der Abteilung Raumplanung und Baurecht des Landes Vorarlberg unter: http://vorarlberg.at/raumbeobachtung/klima

Rückfragehinweis
Sven Hartwig
Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
Österreichische Akademie der Wissenschaften
T +43 1 51581-1331
sven.hartwig(at)oeaw.ac.at

Wissenschaftlicher Kontakt
Lea Hartl
Institut für interdisziplinäre Gebirsgforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften
lea.hartl(at)oeaw.ac.at