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Von CRISPR/Cas9 bis Gottfried Wilhelm Leibniz

Auch 2016 erwartet Wissenschaftsinteressierte ein reichhaltiges Programm an der ÖAW. Eine Auswahl von Highlights zu Jahresbeginn.

04.01.2016
Festsaal der ÖAW. Bild: Reinhard Öhner/ÖAW

Wie steht es um die Freiheit der Wissenschaften? Was bedeutet eigentlich das Kürzel CRISPR/Cas9? Und was hat uns der große Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz heute noch zu sagen? Wer nach Antworten auf diese Fragen sucht, ist 2016 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gut aufgehoben. Denn Österreichs größte außeruniversitäre Einrichtung für Grundlagenforschung wendet sich auch in diesem Jahr wieder mit einem reichhaltigen und spannenden Veranstaltungsprogramm an alle Wissenschaftsinteressierten. Eine Auswahl von Highlights zum Start in das Wissenschaftsjahr 2016.

Europäische Wissenschaftsakademien in Wien
„Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei.“ So steht es in Österreichs Staatsgrundgesetz. Doch wie frei ist die Wissenschaft angesichts von Ansprüchen von Gesellschaft und Politik tatsächlich? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Jahrestagung der ALLEA (All European Academies), einem Verbund von 57 Akademien der Wissenschaften aus mehr als 40 europäischen Ländern, die vom 18. bis 19. April an der ÖAW stattfindet. Zu Gast sind u.a. ALLEA-Präsident Günther Stock, bis vor kurzem auch Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der britische Physiker Sir Peter Knight, sowie Julian Nida-Rümelin, ehemaliger Kulturstaatsminister Deutschlands.

Mit Forschung durch die Nacht
Am 22. April 2016 ist es wieder soweit: Österreichs größter Wissenschaftsevent, die „Lange Nacht der Forschung“, erwartet junge und junggebliebene Besucher/innen. Auch die ÖAW ist mit einem vielfältigen Programm dabei und bietet einem breiten Publikum Wissenschaft zum Anfassen und aus nächster Nähe. Unter dem Akademie-Motto „Forschen für morgen“ präsentieren die Forschungseinrichtungen der ÖAW – von der Archäologie bis zur Teilchenphysik – an zahlreichen Mitmachstationen und in kurzweiligen Vorträgen neueste, zukunftsgerichtete Erkenntnisse aus der spannenden Welt der Wissenschaft.

Die ganze Welt der Archäologie
Von Ephesos bis Palmyra: Die International Conference for the Archaeology of the Ancient Near East, kurz ICAANE, ist die global bedeutendste wissenschaftliche Veranstaltung, die sich mit der Archäologie des Nahen Ostens sowie der antiken Geschichte nahöstlicher Kulturen befasst. Erstmals findet der Großevent der Archäologie vom 25. bis 29. April in Wien statt – und zwar an der ÖAW. Erwartet werden rund 700 Wissenschaftler/innen aus aller Welt. Neben zahlreichen Fachvorträgen steht auch die gegenwärtige Zerstörung antiker Stätten und Kunstschätze aufgrund der Konflikte in Syrien und im Irak im Zentrum der Konferenz.

50 Jahre und kein bisschen leise
Ein rundes Jubiläum steht 2016 dem ÖAW-Institut für Hochenergiephysik ins Haus. 50 Jahre wird die Forschungseinrichtung heuer jung. Die Physiker/innen, die mit der größten Maschine der Welt nach den kleinsten Teilchen des Universums suchen und unter anderem an der Entdeckung des Higgs-Bosons am CERN beteiligt waren, feiern standesgemäß: Mit einem wissenschaftlichen Symposium und einer Ausstellung im Naturhistorischen Museum Wien. Ab 19. Oktober ist dort die Schau „Wie alles begann – Von Galaxien, Quarks und Kollisionen“ zu sehen, die Besucher/innen auf eine Reise zum Ursprung unseres Universums und die Jagd nach der Dunklen Materie mitnimmt. Und für alle Freunde der Philatelie: Auch eine Sonderbriefmarke zum Jubiläum wird es geben.

Der letzte Universalgelehrte
Wer hat den Computer erfunden? Genau: Gottfried Wilhelm Leibniz. Vielleicht nicht exakt jenen Computer, der heute auf unseren Schreibtischen steht, aber doch einen seiner Urahnen. 1673 präsentierte der große Philosoph eine Apparatur, die erstmals alle vier Grundrechenarten durchführen konnte, stolz der Royal Society. Apropos: Eine Akademie der Wissenschaften schwebte Leibniz auch für den Kontinent vor. Eine Idee, die ebenso nachhaltig wirken sollte wie seine Rechenmaschine. Denn vier solcher Einrichtungen basieren heute auf seinen Entwürfen: in Berlin, Leipzig, Moskau (ursprünglich St. Petersburg) – und Wien. Letztere wurde zwar erst 1847 realisiert, aber im Gedenkjahr zu Leibniz 300. Todestag findet an der nunmehrigen ÖAW ein Symposium statt, das Vertreter/innen aller vier Akademien zusammenbringt. „Leibniz heute lesen: Wissenschaft, Geschichte, Religion“ widmet sich vom 3. bis 4. November dem geistigen Erbe eines der letzten Universalgelehrten des Abendlandes.

CRISPR/Cas9 und mehr..
Leibniz hat übrigens auch etwas mit CRISRP/Cas9 zu tun. Denn die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier erhält 2016 den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Sie war gemeinsam mit Jennifer Doudna maßgeblich an der Entwicklung der Gen-Schere CRISPR/Cas9 beteiligt, mit der in die DNA eingegriffen werden kann, was Hoffnungen auf neue Therapien bei Krankheiten weckt. Eine Entwicklung, die von der Wissenschaftszeitschrift „Science“ zum Breakthrough of the Year 2015 gekürt wurde. Am 6. Mai steht Charpentier auf der Bühne des ÖAW-Festsaals und hält die Karl Landsteiner Lecture 2016 des CeMM. Sie ist aber nicht die einzige spannende Vortragende, die in den kommenden Monaten an der ÖAW zu Gast ist. Denn Vorträge von Neurowissenschaftler Wolf Singer, Asienhistoriker Frantz Grenet oder Zoologe Eric Warrant stehen 2016 ebenso auf dem Programm wie ein Symposium zu 150 Jahren Mendelsche Regeln und eine Konferenz zum 100. Todestag von Ernst Mach. Jede Menge Wissenschaftstermine also, die man schon jetzt rot im Kalender anstreichen sollte.

 

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