30.10.2020

Trauer um Angelika Amon

Die austro-amerikanische Zellbiologin und Krebsforscherin Angelika Amon ist 53-jährig in den USA verstorben. Die ÖAW trauert um ihr Mitglied.

© MIT/Carnegie

Noch Mitte September 2020 hielt Angelika Amon eine Online Lecture, zu der sie die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gemeinsam mit dem IST Austria eingeladen hatten. Umso unerwarteter ist nun die Nachricht über ihren allzu frühen Tod. Angelika Amon ist im Alter von nur 53 Jahren in den USA nach einer schweren Krankheit verstorben.   

Die gebürtige Österreicherin war Professorin für Biologie am Koch Institute for Integrative Cancer Research am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Sie war eine außergewöhnlich kreative und tatkräftige Wissenschaftlerin, deren Beiträge zur Erforschung der Entstehung von Tumoren international höchst anerkannt waren.  

2019 wurde sie mit dem höchstdotierten Wissenschaftspreis der Welt, dem „Breakthrough Prize in Life Sciences“, ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt sie den Vilcek Prize in Biomedical Science und wurde als Carnegie Corporation „Great Immigrant, Great American“ ausgezeichnet. Heuer im Mai wurde ihr der angesehene Human Frontier Science Program Nakasone Award verliehen.

Das Mitglied der ÖAW hinterlässt sowohl menschlich als auch fachlich eine enorme Lücke. Die Akademie trauert um eine außergewöhnliche Wissenschaftlerin und Kollegin.   

Von Wien ans MIT

Angelika Amon wurde am 10. Jänner 1967 in Wien geboren. Sie studierte an der Universität Wien Biologie und war eine der ersten Studierenden am 1988 eröffneten Institut für Molekulare Pathologie (IMP). Nach ihrem Doktorat beim Molekularbiologen und ÖAW-Mitglied Kim Nasmyth wechselte sie 1999 nach verschiedenen Zwischenstationen schließlich an das MIT, wo sie seit 2011 einen Lehrstuhl für Krebsforschung innehatte.    

Mit der Wissenschaft in Österreich blieb Amon weiterhin in enger Verbindung. Sie war Aufsichtsrätin beim Wissenschaftsfonds FWF, Mitglied des Scientific Advisory Boards des IMP sowie bis zuletzt im wissenschaftlichen Beirat des IST Austria. Bereits seit 2015 war sie auch Mitglied der ÖAW im Ausland. In allen ihren Funktionen setzte sich Amon stets für die Förderung hochqualifizierter Nachwuchsforscher/innen ein. Mit der ÖAW verbanden sie darüber hinaus zahlreiche weitere Initiativen und Aktivitäten. Erst wenige Wochen vor ihrem Tod hielt sie beispielsweise im Rahmen der ÖAW–IST Austria Lectures einen öffentlichen Vortrag im Web zum Thema „Why big ist bad: Decrease in DNA : Cytoplasm ratio is a cause of senescence“.

 "Angelika Amon war der ÖAW immer sehr verbunden. Man konnte stets auf ihren Rat zählen“, sagt Anton Zeilinger. „Ihre Begeisterung für neue Fragen in der Wissenschaft war ansteckend. Sie hat sich immer wieder für die großzügige Förderung junger Wissenschaftler/innen eingesetzt“, so der ÖAW-Präsident weiter. 

Bahnbrechende Forschung zu fehlerhafter Zellteilung 

Das wissenschaftliche Leben hat Angelika Amon der Erforschung von Aneuploidie, der fehlerhaften Aufteilung der Chromosomen bei der Zellteilung und deren Konsequenzen, gewidmet. Ihr Studienobjekt war die Hefe. Die grundlegenden molekularen Mechanismen, die sie an diesen einfachen Organismen erkannte, haben aber weitreichende Bedeutung. Denn Genomdefekte, die sich in fehlenden oder überzähligen Chromosomen äußern, gehören zu den Hauptursachen für die Entstehung von Krebs. Wie es dazu kommt, welche Stressreaktionen eine fehlerhafte Aufteilung auslösen, wie sich infolge weitere Mutationen häufen und schließlich zur Erkrankung führen, war das Hauptthema ihrer Forschungsarbeiten.  

Therapeutische Ansätze, für die sie selbst bahnbrechende Grundlagenarbeit geleistet hat, kommen für Angelika Amon zu spät. Sie ist ihrer Krebserkrankung erlegen. Die Akademie trifft der Tod dieser außergewöhnlichen Wissenschaftlerin schmerzlich.


Newsletter
Forschungs-News, Science Events & Co: Jetzt zum ÖAW-Newsletter anmelden!