Das Österreichische Nationalkomitee für das UNESCO-Programm „Man and the Biosphere (MAB)“ hat kürzlich beschlossen, die beiden Tiroler Biosphärenparks „Gossenköllesee“ und „Gurgler Kamm“ von der Liste des weltweiten UNESCO-Biosphärenparknetzwerks nehmen zu lassen. Diese Maßnahme wurde leider notwendig, da beide Gebiete die komplexen Anforderungen der UNESCO an einen modernen Biosphärenpark der 2. Generation nicht mehr erfüllen. Dazu gehören beispielsweise eine Dreifach-Zonierung in Kern-, Puffer- und Entwicklungszone, das Vorhandensein eines aktiven Managements sowie der Fokus auf nachhaltige Entwicklung, Schutz der natürlichen Vielfalt, Forschung und Partizipation der lokalen Bevölkerung.
Seit der Einrichtung der ersten Biosphärenparks im Jahr 1976 ist das Netzwerk auf derzeit 621 Biosphärenparks (davon 7 in Österreich) in 117 Ländern angewachsen. Bereits im Jahr 1977 wurden auch in Österreich mit den Gebieten Gossenköllesee und Gurgler Kamm in Tirol, Untere Lobau in Wien und Neusiedler See im Burgenland die ersten heimischen Biosphärenparks eingerichtet. All diese Gebiete der so genannten 1. Generation waren jedoch vornehmlich auf den Schutz und die Erforschung ausgewählter Ökosysteme fokussiert.
Im Zuge der Weiterentwicklung des MAB-Programms wurde in den 1990er Jahren erkannt, dass der Schutz der biologischen Vielfalt nicht mehr isoliert von den Bedürfnissen der Menschen betrachtet werden darf und neue Wege zu gehen sind, um für kommende Generationen eine lebenswerte Umwelt zu bewahren. 1995 wurde daher in der sogenannten „Sevilla-Strategie“ beschlossen, Siedlungsgebiete nicht aus einem Biosphärenpark auszuschließen, sondern der lokalen Bevölkerung unter dem Slogan „Schützen und nachhaltig Nützen“ eine wichtige Rolle zukommen zu lassen. Menschen sollen im Biosphärenpark so leben und wirtschaften, dass sie ihre natürliche Umgebung langfristig erhalten. Seither müssen alle Biosphärenparks u.a. eine Dreifach-Zonierung aufweisen.
Das Lenkungsgremium des MAB-Programm, der MAB International Coordinating Council (MAB-ICC), hat im Jahr 2012 beschlossen, den Fokus auf ein hochqualitatives weltweites Biosphärenparknetzwerk zu legen, das ab Ende 2014 ausschließlich aus modernen Biosphärenparks der 2. Generation bestehen soll. Solche alten Zuschnitts müssen entweder neu zoniert oder falls dies, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich ist, von der Liste des Weltbiosphärenparknetzwerkes gestrichen werden. Aufgrund einer im Jahr 2013 vom MAB-ICC beschlossenen dreistufigen „Exit Strategie“ für Biosphärenpark der 1. Generation musste das Österreichische MAB-Nationalkomitee nun reagieren.
Das Österreichische MAB-Nationalkomitee hat die Problematik der zwei unterschiedlichen Qualitätsstufen im Weltbiosphärenparknetzwerk schon vor Jahren erkannt und den heimischen Biosphärenparks der 1. Generation in seinen, im Jahr 2006 beschlossenen, „Qualitätskriterien für Biosphärenparks in Österreich“ eine fünfjährige Übergangsfrist zur Neuausrichtung eingeräumt. Gleichzeitig hat das Nationalkomitee auch Initiativen zur Neuzonierung der heimischen Biosphärenparks der 1. Generation unterstützt, so auch beim Biosphärenpark Gurgler Kamm. Für den Biosphärenpark Gossenköllesee hat das Nationalkomitee die Einrichtung eines alternativen Schutzstatus angeregt. Darüber hinaus hat sich Österreich federführend, aber leider vergeblich, dafür eingesetzt, dass für die Forschung wertvolle Gebiete unter einem neuen Schutz-Label im MAB-Programm verbleiben können.
Mit den Biosphärenparks „Großes Walsertal“, „Salzburger Lungau und Kärntner Nockberge“ und „Wienerwald“ besitzt Österreich jedoch derzeit drei international vielbeachtete „Modellregionen für eine nachhaltige Entwicklung“.
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Dr. Günter Köck
Internationale Forschungsprogramme
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