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Rezept für die Geisteswissenschaft der Zukunft

Neue Arbeitsgrundlagen und Empfehlungen sollen Europas führende Rolle in den Digital Humanities festigen.

09.06.2015

Welche Voraussetzungen benötigt digitale geisteswissenschaftliche Forschung? Wie ist es um die Infrastruktur bestellt? Und welcher Maßnahmen bedarf es, um die digitale Transformation der Geisteswissenschaften erfolgreich durchzuführen? Antworten auf diese Fragen liefert der in einer einzigartigen europaweiten Kooperation erstellte Bericht „Going Digital: Creating Change in the Humanities”. Erarbeitet von Expert/inn/en aus sechs europäischen Akademien, darunter für die ÖAW das Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH), beinhaltet der Bericht eine Bestandsaufnahme sowie klare Empfehlungen an die wissenschaftliche Gemeinschaft und politische Entscheidungsträger. Als essentielle Faktoren für die Festigung der führenden Rolle Europas in den Digital Humanities werden dabei drei Themen ausgemacht: Langzeitarchivierung, Open-Access und Weiterbildung.

Langzeitarchivierung, Open-Access und Weiterbildung

Als einer Grundlage der Digital Humanities widmet der Bericht der Langzeitarchivierung, also der nachhaltigen Sicherung von Daten und kulturellen Artefakten, größte Aufmerksamkeit. Die Empfehlung an Wissenschaft und Politik lautet diesbezüglich unter anderem, die Finanzierung von Maßnahmen der Langzeitarchivierung unabhängiger von einzelnen Projekten zu organisieren, europaweite Strategien zu forcieren und Best-Practice-Modelle auszutauschen und anzuwenden.

Parallel zur Langzeitarchivierung gilt es auch, eine größtmögliche Verfügbarkeit von Forschungsresultaten, Forschungsdaten und Infrastrukturen zu realisieren. Bestehende und zu entwickelnde Open-Data-Strategien müssen dabei nicht nur ausgebaut, sondern auch gezielt gefördert werden.

Neben Infrastrukturen und Technologien darf darüber hinaus die Unterstützung des Personals durch Weiterbildung und Anerkennung nicht zu kurz kommen. Entsprechende Karrieremodelle sind dabei, so die Empfehlung des Berichts, ebenso zu berücksichtigen wie Spezialausbildungen und die Anerkennung digitaler Expertise in- und außerhalb der Forschungsgemeinschaft.

Abseits dieser Kernthemen gibt der Bericht „Going Digital” zahlreiche weitere Einschätzungen und Empfehlungen zu den Digital Humanities ab, die Bereiche wie den Lebenszyklus von Forschungsdaten, die Förderung der Entwicklung und den Einsatz digitaler Instrumente und die Rolle von Standards berühren.

Digitalisierungsoffensive

Die Mitarbeit des ACDH an der Entstehung des Berichts steht in engem Zusammenhang mit weitreichenden Aktivitäten der ÖAW im Bereich der Digital Humanities, insbesondere zu digitalen Forschungsinfrastrukturen (Link Langzeitprojekte kulturelles Erbe). Auf nationaler Ebene setzt sich das ACDH darüber hinaus für die Umsetzung der Empfehlungen des Berichts ein, indem es unter anderem für die Sicherstellung der langfristigen Verfügbarkeit digitaler Forschungsresultate und -daten eintritt. Dies geschieht in Abstimmung mit der Open-Access-Strategie an der ÖAW, die sich für einen möglichst freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Daten im Internet stark macht.

 

Bericht „Going Digital: Creating Change in the Humanities”

Kontakt:

Dr. Karlheinz Mörth 
Austrian Centre for Digital Humanities - ACDH-ÖAW
karlheinz.moerth(at)oeaw.ac.at
T +43 (1) 51581 / 2329