Der Chemiker und frühere Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Peter Schuster, feiert am 7. März 2016 seinen 75. Geburtstag. Die Akademie gratuliert dem vielfach Ausgezeichneten herzlich und dankt ihm für sein langjähriges Engagement in den und für die Wissenschaften.
Bilderbuchkarriere
Der im März 1941 in Wien geborene Schuster legte nach dem Schulabschluss eine wissenschaftliche Bilderbuchkarriere hin. Das Studium der Chemie und Physik an der Universität Wien beendete er in Rekordzeit, um schließlich „sub auspiciis praesidentis“ zu promovieren. Bereits im Alter von knapp 30 Jahren folgte die Habilitierung für das Fach Theoretische Chemie, wenig später der Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Wien.
Bereits als Student begeisterte sich Schuster für Möglichkeiten zum Brückenschlag zwischen wissenschaftlichen Disziplinen. So befasste er sich in seiner Doktorarbeit mit einer Synthese von organischen Verbindungen und quantenmechanischen Modellen. Die Fähigkeit über Grenzen hinweg zu denken, zeichnete Schuster auch bei seiner Tätigkeit am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen aus, wo er unter dem Direktor und frisch gekürten Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen forschte.
Multidisziplinär angelegt waren Schusters Forschungen auch nach seiner Rückkehr aus Göttingen in Wien. Neben quantenmechanischen Simulationen befasste er sich unter anderem mit Wasserstoffbrücken und zwischenmolekularen Kräften, der Modellierung der molekularen Evolution sowie mit RNA-Simulationen und -Modellen. Festgehalten hat er seine Forschungen in neun Büchern und etwa 300 Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften.
Verantwortungsvolle Positionen
Neben seinen reichhaltigen und vielfältigen Forschungsarbeiten war Schuster, der mit zahlreichen nationalen wie internationalen Preisen und Auszeichnungen geehrt wurde, auch in mehreren verantwortungsvollen Positionen in der Wissenschaft tätig und erwarb sich in diesen einen hervorragenden Ruf. Bereits im Jahr seiner Berufung als Professor am Institut für Theoretische Chemie der Universität Wien übernahm er dessen Leitung, die er zunächst bis 1992 innehatte. In diesem Jahr wurde er Gründungsdirektor des Instituts für Molekularbiologie in Jena, um 1996 wieder als Institutsdirektor an die Universität Wien zurückzukehren.
Auch an der ÖAW war Schuster, der 1984 zum korrespondierenden und 1992 zum wirklichen Mitglied gewählt wurde, in wichtigen Funktionen aktiv. Nach seiner Vizepräsidentschaft, die er von 2000 bis 2003 innehatte, wurde Schuster 2006 zum Präsidenten der ÖAW gewählt, ein Amt, das er bis 2009 bekleidete. Seit 2011 ist Schuster als stellvertretender Vorsitzender im Akademierat der ÖAW tätig. Seit 2013 ist er zudem Mitglied im Universitätsrat der Technischen Universität Wien und, seit 2014, Mitglied der renommierten European Molecular Biology Organization.
