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Lieben-Preis 2014 an Jana Roithová

Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften 2014 an Carolin Antos-Kuby und Daniel Kuby

12.11.2014

V.l.n.r. Josef Michl (Laudator), Jana Roithová, Carolin Antos, Daniel Kuby, ÖAW-Vizepräsident Michael Alram.

Heute wurden an der ÖAW zwei der wichtigsten Preise der Akademie für wissenschaftliche Arbeiten verliehen. Für ihre hervorragenden Forschungsleistungen im Bereich der physikalisch-organischen Ionen-Chemie wurde die Prager Forscherin Jana Roithová mit dem Ignaz L. Lieben-Preis 2014 ausgezeichnet. Carolin Antos-Kuby und Daniel Kuby erhielten den Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften 2014 für ihr Forschungsprojekt „Forcing in Modern Set Theory: A History of Conceptual Change“.

Jana Roithová hat Organische Chemie und Physikalische Chemie an der Karls-Universität sowie am Institute of Chemical Technology in Prag studiert. Von 2003 bis 2005 war sie Post-doc-Stipendiatin in der Forschungsgruppe von Prof. Helmut Schwarz an der TU Berlin. Seit 2014 ist sie Full Professor und Leiterin des Departments of Organic Chemistry der Karls-Universität. Roithová ist Gewinnerin mehrerer renommierter Wissenschaftspreise, u.a. hat sie 2011 einen ERC Starting Grant erhalten. Mit ihren Arbeiten hat sie wesentlich zum besseren Verständnis einer Reihe von chemischen Systemen, insbesondere der organometallischen Katalyse, beigetragen.

Carolin Antos-Kuby hat Mathematik, Physik und Philosophie an den Universitäten Wien, Frankfurt und Erlangen studiert. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kurt Gödel Research Center und Doktorandin an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien.

Daniel Kuby hat Philosophie (mit Schwerpunkt Wissenschaftsphilosophie und Wissenschaftsgeschichte) an den Universitäten Wien und Venedig studiert und ist Doktorand im Doktoratskolleg DKPlus „The Sciences in Historical, Philosophical and Cultural Contexts“ an der Universität Wien.

Braucht es für die konzeptionelle Änderung eines ganzen Fachgebietes eine radikal neue Idee? Oder kann solch eine Veränderung auch durch die tägliche Praxis, die kontinuierliche Anwendung einer fachinternen Methodik herbeigeführt werden? Anhand dieser Fragestellung soll die Entwicklung der sogenannten Forcing-Methode in der Mengenlehre historisch nachvollzogen werden. Durch die Untersuchung soll ein Gesamtbild entstehen, das eine Antwort auf die Frage erlaubt, ob – und, wenn ja, wie – die Forcing-Methode und ihre Anwendung die moderne Mengenlehre grundlegend verändert hat.

Der Ignaz L. Lieben-Preis, 1863 gestiftet und nach dem Gründer des Bankhauses Lieben benannt, musste 1938 wegen Verfolgung der Stifterfamilie eingestellt werden. Renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie die Physikerinnen Marietta Blau und Lise Meitner sowie die Nobelpreisträger Viktor Hess und Otto Loewi waren Träger dieses renommierten Preises. Die großzügige finanzielle Unterstützung von Isabel und Dr. Alfred Bader, selbst ein von den Nationalsozialisten aus Österreich Vertriebener, hat es ermöglicht, diesen Preis zu reaktivieren und im Jahr 2004 neu auszuschreiben.

Heute ist der Ignaz L. Lieben-Preis mit 36.000 US-Dollar der höchst dotierte Preis der ÖAW und wird an junge Forscher und Forscherinnen aus der Molekularbiologie, der Physik oder der Chemie vergeben, die ihre wissenschaftliche Originalität und Unabhängigkeit bereits bewiesen haben.

Der mit 18.000 US-Dollar dotierte Bader-Preis für die Geschichte der Naturwissenschaften wurde 2009 erstmalig ausgelobt und richtet sich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Dissertationen oder Forschungsprojekte zur Geschichte der Naturwissenschaften vorbereiten.

Alfred Bader, 1924 in Wien geboren, musste nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Heimatstadt verlassen und konnte im Dezember 1938 mit dem ersten Kindertransport nach Großbritannien flüchten. Nach seinem Chemiestudium an der Queen's University in Kanada und an der Harvard University gründete Alfred Bader 1951 Aldrich Chemical Co. 1975 fusionierte Aldrich Chemical Co. mit dem führenden biochemischen Zulieferunternehmen Sigma in St. Louis und Alfred Bader war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1991 Vorsitzender von Sigma-Aldrich. Schon in seiner Studienzeit zeigte er großes Interesse an Kunst und Kunstgeschichte und gilt heute als einer der renommiertesten Sammler holländischer Kunst aus dem 17. Jahrhundert. Alfred Bader hat – in den letzten Jahren gemeinsam mit Isabel – neben den drei Preisen für die ÖAW weitere Preise und Stipendien für Studierende in Kanada, den USA, Großbritannien und der Tschechischen Republik gestiftet.

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