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Leben mit Extremhochwässern

Veranstaltung am 4. November 2013 in der ÖAW

30.10.2013

Extreme Niederschläge und damit verbunden extreme Hochwässer werden künftig häufiger auftreten. Der im September 2013 erschienene Expertenbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) prognostiziert sowohl die Zunahme an Intensität als auch die Häufigkeit derartiger Extremereignisse. Mit welcher Wahrscheinlichkeit Hochwässer wie jenes im Sommer 2013 in weiten Teilen Mitteleuropas zunehmen werden und welche neuen, altbewährten und alternativen Strategien des Hochwasserschutzes zur Verfügung stehen, war unter anderem Thema der Vortragsveranstaltung „Land unter - Leben mit Extremhochwässern“ am 4. November 2013 in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Werden Hochwässer größer?
Das Junihochwasser 2013 übertraf an vielen Orten sogar das „Jahrhunderthochwasser“ von 2002. Günter Blöschl, TU Wien, beleuchtete die Mechanismen der Hochwasserentstehung und Faktoren, wie die Bodenfeuchte, Landnutzungsänderungen und wasserbauliche Maßnahmen in ihrem Einfluss auf das Hochwassergeschehen. Weiters wurden neueste Ergebnisse zu Veränderungen des Hochwasserregimes präsentiert sowie Möglichkeiten mit dem Hochwasserrisiko umzugehen.

Hochwassermanagement am Beispiel der Wiener Donau
Anhand der Rekonstruktionen des ausgedehnten Netzes von Donauarmen im Wiener Raum seit 1570 zeigte Verena Winiwarter, Alpen-Adria Universität, Klagenfurt, wie sich die Wiener vor der Dynamik des Stroms im Laufe der Jahrhunderte schützten. Vorerst durch Respektabstand und passive Schutzmaßnahmen, später durch Ingenieurleistungen, die 1875 die Donauregulierung ermöglichten. Der lange Untersuchungszeitraum erlaubt, so die Wissenschaftlerin, Veränderungsprozessen in der Wahrnehmung des Stroms und seiner gesellschaftlichen Bedeutung zu folgen und daraus für eine dynamische Zukunft Schlüsse zu ziehen.

Auch positive Effekte
Aus der Sicht der Fließgewässerökologie haben jährlich wiederkehrende oder extreme Hochwasserereignisse auch positive Auswirkungen, so Matthias Jungwirth Universität für Bodenkultur. Etwa in Flusslandschaften mit begleitenden Auen sorgen die Kräfte von Hochwässern für die längerfristige Erhaltung des Lebensraumes und ein „dynamisches Gleichgewicht“. Positive Effekte, wie hohe Biodiversität, reiche Fischbestände, Neubildung von Grund- und Trinkwasser oder verbesserter Hochwasserrückhalt kommen dabei als so genannte „Ökosystemdienstleistungen“ dem Menschen zu Gute.

Bildung als Katastrophenschutz
Der Klimawandel wird in vielen Regionen der Welt zu mehr Naturkatastrophen führen. Weil es nicht mehr ausreiche, nur die Ursachen dafür zu bekämpfen, gehe es längst auch um Anpassung an die kommenden Veränderungen, so Erich Strießnig, International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA). Ein besonders wirkungsvoller Schutz gegen Naturkatastrophen sei ein hohes Bildungsniveau der Bevölkerung. Bildung ermöglicht den Zugang zu vorsorgerelevanter Information, ändert menschliches Verhalten in Bezug auf Risikosituationen und wirkt sich positiv auf das Gesundheitsverhalten aus.

Risikomanagement
Während der letzten Dekaden sind trotz vielfältiger Hochwasserschutzmaßnahmen und verbesserter Vorhersagesysteme weltweit die Schäden durch Hochwasser rapide angestiegen. Bruno Merz vom Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam zeigte am Beispiel von Privathaushalten, wie die verschiedenen Risikokomponenten zum Schadensanstieg beitragen und welche Empfehlungen sich für das Risikomanagement ableiten lassen.

Rückfragen:
Dr. Viktor Bruckman
Kommission für Interdisziplinäre Ökologische Studien (KIÖS)
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
T +43-1-51581-3200
viktor.bruckman(at)oeaw.ac.at