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KURT KOMAREK VERSTORBEN

Die Akademie trauert um ihr wirkliches Mitglied, das kurz vor seinem 90. Geburtstag verstorben ist. Der Chemiker Kurt Komarek hat in seinem Fach als auch in der Wissenschaftspolitik des Landes Maßstäbe gesetzt.

23.05.2016
Bild: Robert Herbst/ÖAW
Bild: Robert Herbst/ÖAW

Er war ein leidenschaftlicher Wissenschaftler und ein ebenso leidenschaftlicher Streiter für den Wissenschaftsstandort Österreich. Nun ist der Chemiker Kurt Komarek am 18. Mai 2016 im Alter von 89 Jahren verstorben. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) betrauert den Verlust ihres in Fachwelt und Wissenschaftspolitik höchst angesehenen wirklichen Mitglieds.

Komarek, am 23. Juni 1926 in Wien geboren, studierte – unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg – an der Universität Wien Chemie, an der er schließlich auch mit einer Arbeit über das Dreistoffsystem Aluminum-Eisen-Silicium promovierte. Nach mehreren Jahren in der Privatwirtschaft und einer Forschungsassistenz an der Technischen Hochschule Wien setzte er seine wissenschaftliche Karriere ab 1955 an der University of New York fort. Dort wurde er im Alter von nur 35 Jahren zum Full Professor ernannt. 1966 konnte ihn die Universität Wien als Vorstand des Instituts für Anorganische Chemie nach Österreich zurückholen, eine Position, die er bis zu seiner Emeritierung 1994 ausfüllte.

Als Chemiker interessierte er sich in seinen Forschungen einerseits für Legierungssysteme in der anorganischen Festkörperchemie und für die chemischen Aspekte der Metallurgie. Zum anderen forschte er zu den physikalischen Eigenschaften flüssiger Legierungen. Dabei konnte er – unter Weiterentwicklung experimenteller Methoden – sowohl wissenschaftlich als auch technologisch wichtige Erkenntnisse gewinnen, etwa zu Phasengleichgewichten oder temperaturunabhängigen Ordnungszuständen auf atomarer Skala. Wissenschaftliche Erfolge, die in seinen mehr als 150 Publikationen dokumentiert sind und die bis heute immer wieder zitiert werden.

Komareks Verdienste gehen jedoch weit über seine wissenschaftlichen Leistungen hinaus, für die er 1975 als korrespondierendes und 1978 als wirkliches Mitglied der ÖAW aufgenommen wurde. Als Rektor der Universität Wien von 1977 bis 1979 und als Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz setzte er sich mit Ausdauer und Geschick für eine Neugestaltung der Hochschulpolitik ein, unter anderem als Vorkämpfer für die Autonomie der Universitäten. Sein wissenschaftspolitisches Engagement führte er auch in seiner Funktion als Präsident des Wissenschaftsfonds FWF fort, den er von 1982 bis 1991 leitete. Dort setzte er entscheidende Akzente für eine Weiterentwicklung des FWF nach internationalen Standards. Am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) bekleidete er schließlich zwischen 2001 und 2002 das Amt des stellvertretenden Direktors und war das längst dienende Mitglied des IIASA-Council.

Für seine Verdienste in der und für die Wissenschaft wurde Komarek mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen geehrt, darunter das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, der Erwin-Schrödinger-Preis der ÖAW, das Große Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien, die Kurnakow-Medaille der Russischen Akademie der Wissenschaften oder der Kardinal-Innitzer-Preis.

Anlässlich seines bevorstehenden 90. Geburtstags sollte Komarek von IIASA und ÖAW am 6. Juni mit einer Festveranstaltung mit einem Vortrag des Botanikers Christian Körner und einer Laudatio des Chemikers und ÖAW-Mitglieds Peter Schuster geehrt werden. Die Veranstaltung wird nun in seinem Andenken stattfinden.