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Karl Lintner 1917 – 2015

Ein Leben für die physikalische Forschung

03.03.2015

Herr Professor Karl Lintner, am 28. April 1917 in Wien geboren und am 11. Februar 2015 in Linz gestorben, war einer der anerkanntesten Wissenschaftler an der Universität Wien und geschätzter Lehrer einiger Generationen von Physikern und Physikerinnen in Österreich.

Sein Studium absolvierte er 1936-1940 an der Universität Wien am II. Physikalischen Institut bei Georg Stetter. Es war die Zeit, in der die Entdeckung der Kernspaltung Furore machte, und so arbeitete er als Dissertant in der Gruppe von Willibald Jentschke und Friedrich Prankl an der Untersuchung von Spaltprodukten bei der Uranspaltung. Etwas später interessierte er sich auch für die Freisetzung von Spaltneutronen, die eine notwendige Bedingung waren, um eine Kettenreaktion in Gang zu bringen. Auf Grund von Reichweitemessungen konnte er verschiedene Spaltprodukte identifizieren, was auch zu seiner Dissertation führte, die er im Februar 1939 einreichte. Seine Erfahrungen bei der Untersuchung der Kernspaltung führten auch zu einer begrenzten Mitarbeit im „Deutschen Uranverein“, wo unter anderem auch über eine mögliche Uranmaschine (heute Kernreaktor) spekuliert wurde.

Nach dem Krieg pflegte Karl Lintner Kontakte zu Lise Meitner und Werner Heisenberg. Er konzentrierte sein Interesse hauptsächlich auf die Erforschung des Einflusses von Strahlung auf Materie, zunächst gemeinsam mit Karl Przibram auf die Untersuchung von Farbdefekten und dann gemeinsam mit Erich Schmid auf den Einfluss von Strahlung auf Kristalle, hauptsächlich auf Metalle. In diesem Zusammenhang entstand das gemeinsam mit Erich Schmid verfasste Fachbuch „Werkstoffe des Reaktorbaues“. Die Erforschung der Strahlenschädigung von Metallen wurde zu seinem Spezialgebiet, welches sich im Laufe der Zeit als ein eigenes anerkanntes  Forschungsgebiet etablierte. Seine wesentlichsten wissenschaftlichen Leistungen sind zweifelsfrei der Nachweis schwerer Spaltprodukte und schneller Neutronen bei der Uranspaltung sowie die ersten relevanten Untersuchungen zum Einfluss von Strahlung auf Materie. Sein Schwerpunkt der Forschung war stets die Experimentalphysik, in deren Rahmen er Fragen an die Natur stellte und deren Antworten ihn stets brennend interessierten.

Karl Lintner war ein exzellenter Forscher, zeigte aber auch besondere administrative Fähigkeiten. In den Jahren 1968-1983 leitete er - in Nachfolge von Erich Schmid - das II. Physikalische Institut der Universität Wien und erweiterte das Tätigkeitsfeld in Richtung Ultraschallforschung, Halbleiterphysik, Tieftemperaturphysik und Computersimulation. 1971-1972 war er Dekan der Philosophischen Fakultät und 1979-1982 Dekan der Formal- und Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Er war seit 1972 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und 1973-1975 deren Generalsekretär. In diese Zeit fällt auch sein besonderes Engagement für eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Paul Scherrer Institut in der Schweiz. Er war auch seit 1992 Ehrenmitglied der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft.

Sein Sinn für Gerechtigkeit, seine Besonnenheit und Freundlichkeit wurden bereits aus Anlass verschiedener Ehrungen hervorgestrichen. All diese Eigenschaften machten ihn zu einem allseits geschätzten und respektierten Kollegen, dessen Leistungen die physikalische Forschung in Österreich und das Zusammenleben der Physikergemeinde nachhaltig geprägt hat. 

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften wird Karl Lintner stets dankbar gedenken.