Knapp ein Viertel der Weltbevölkerung bekennt sich zum Islam in seinen vielfältigen religiösen Ausformungen. Aber nicht Vielfalt und Spiritualität prägen derzeit das mediale Bild vom Islam. Vielmehr ist der zunehmende Einfluss islamistischer Terroristen präsent - und ein ernster Grund zur Sorge. Keineswegs aber darf die radikale Minderheit mit dem großen Ganzen gleichgesetzt werden. Islamische Gesellschaften besser zu verstehen und Vorurteile abbauen zu helfen, ist nicht zuletzt ein Auftrag für die Forschung.
Andre Gingrich, Mitglied der ÖAW und Direktor des ÖAW-Instituts für Sozialanthropologie, baut mit seinem Team seit Jahrzehnten umfassende Expertise zu islamisch geprägten Gesellschaften auf: beispielsweise in Jemen, Mali, Syrien, Kurdengebiete oder Indonesien. Immer öfter wird dieses Fachwissen auch von der Politik in Anspruch genommen.
Ohne langfristige Grundlagenforschung wäre dieser Dienst für die Gesellschaft nicht möglich. Ein aktuelles Projekt, das eine lange Forschungstradition der ÖAW in Südarabien fortsetzt, ist VISCOM-Südarabien. In Kooperation mit dem ÖAW-Institut für Mittelalterforschung, der Uni Wien und dem ÖAW-Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens werden die Interaktionen zwischen religiösen und politischen „Vorstellungen von Gemeinschaft” im mittelalterlichen Südarabien, Europa und Tibet verglichen.
Weiterlesen:
- Andre Gingrich im Gespräch über seine Forschung und seine Botschaft angesichts gewaltsamer Strömungen des Islam
- Visions of Community: Islamisch geprägte Gemeinschaftsvorstellungen im mittelalterlichen Südarabien