Zurück

HOHER FÖRDERPREIS FÜR NETZWERK-MEDIZIN-FORSCHER

Jörg Menche vom CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW erhält 1,6 Millionen Euro Förderung vom WWTF. Damit kann er die Entwicklung einer neuen Disziplin, der Netzwerk-Medizin, weiter vorantreiben.

04.02.2016
Bild: CeMM
Bild: CeMM

Zum sechsten Mal vergibt der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds WWTF seinen Förderpreis „Vienna Research Groups for Young Investigators“, der jungen Wissenschaftler/inne/n beim Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe in Wien helfen soll. In diesem Jahr geht eine der begehrten Förderungen an den Netzwerkspezialisten und Physiker Jörg Menche, der am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) die Entwicklung einer neuartigen Disziplin, der Netzwerk-Medizin, vorantreiben wird.

Neuer Ansatz für präzisere Diagnosen und Therapien

Die sogenannten „Computational Biosciences“ untersuchen mit computergestützten Verfahren molekulare Netzwerke, die an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind. Ein Forschungsfeld, in dem sich in den letzten Jahren völlig neue Möglichkeiten eröffnet haben: Durch die rasante Entwicklung von Technologien wie der Genom-, Transkriptom- und Epigenomsequenzierung, der Proteomik sowie chemischen Analysemethoden können in kürzester Zeit riesige, hochauflösende Datensätze aus verschiedensten Zelltypen gewonnen werden. Damit lassen sich die molekularen Details menschlicher Erkrankungen mit großer Präzision beschreiben – doch gleichzeitig stellt die überwältigende Menge an Daten auch eine große Herausforderung dar: Es fehlt schlicht an den nötigen bioinformatischen Werkzeugen, um ihr volles Potential zu nutzen.

Dieses Problem wird Jörg Menche mit einem neuartigen Ansatz in Angriff nehmen: Der sogenannten „Netzwerk-Medizin“. Mit den Konzepten und Werkzeugen aus der Netzwerktheorie, einer Disziplin an der Schnittstelle zwischen Mathematik, Physik und Informatik, wird der Physiker am CeMM der ÖAW die biomedizinischen Daten seltener Erkrankungen analysieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Beziehungen zwischen relevanten Genen, Proteinen oder Stoffwechselprozessen, anhand derer sich gesunde und kranke Zellen unterscheiden lassen. Eine genaue Analyse dieser Beziehungen verspricht das Verständnis von monogenetischen, durch einzelne Genveränderungen hervorgerufenen und komplexen Erkrankungen zu vertiefen und dadurch neue Ansatzpunkte für präzisere Diagnosen und Therapiemöglichkeiten zu finden.

Von der Physik zur Netzwerk-Medizin

Die wissenschaftliche Laufbahn von Jörg Menche, Jahrgang 1979, begann nicht in der Medizin sondern mit einem Physikstudium an der Universität Leipzig. Hier entdeckte er aber bereits sein Interesse an statistischer Physik und computergestützten Methoden, das ihn für ein Jahr an die Universität in Recife führte. Auf sein Diplom an der Humboldt-Universität in Berlin folgte die Promotion am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam, wo er sich auf die damals noch junge Netzwerk-Theorie spezialisierte. Seine Arbeit in diesem Feld setzte er anschließend als PostDoc an der Northeastern University in Boston sowie am Center for Cancer Systems Biology des Dana-Farber Cancer Institute fort. Hier arbeitete er an einer Reihe von Projekten, in denen die Werkzeuge der Netzwerk-Theorie auf molekulare Mechanismen in menschlichen Erkrankungen angewandt wurden – das Grundkonzept der Netzwerk-Medizin.

Für den nächsten Karriereschritt als unabhängiger Forschungsgruppenleiter bieten ihm die Förderung des WWTF und das CeMM der ÖAW mit seiner modernen Infrastruktur und seiner Nähe zu medizinischen Einrichtungen wie AKH und Medizinischer Universität Wien, nun optimale Voraussetzungen. Die Spezialisierung des CeMM auf seltene Erkrankungen sowie auf Infektionen und Entzündungsprozesse, Krebs und Stoffwechselerkrankungen ist zudem ein ideales Arbeitsumfeld für die Weiterentwicklung der Netzwerk-Medizin – einer neuen Disziplin, die den Forschungsstandort Wien im Bereich der Molekularmedizin weiter stärken wird.