Höchste Preise der ÖAW an Nick Barton, Hans Goebl, Ernst Hanisch und Elisabeth List
10.12.2013Am 13. Dezember 2013 zeichnet die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre hervorragenden Leistungen aus. Der Erwin Schrödinger-Preis 2013 geht an Nick Barton, der Wilhelm Hartel-Preis 2013 an Hans Goebl, Ernst Hanisch und Elisabeth List. Verliehen werden zwei weitere Preise an Nachwuchsforscher(innen) sowie die Medaille Bene merito.
Erwin Schrödinger-Preis 2013 an Nick Barton
In Anerkennung seiner Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der evolutionären Populationsgenetik erhält Nick Barton den mit 15.000 Euro dotierten Erwin Schrödinger-Preis 2013 der ÖAW.
Nick Barton, der 2008 als erster Professor an das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) kam, gilt als weltweit führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der evolutionären Populationsgenetik. Er ist Mitglied der Royal Society sowie der Royal Society of Edinburgh und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter die nur alle 50 Jahre verliehene Darwin-Wallace Medaille der Linnean Society of London.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Evolution von Populationen, die räumlich strukturiert und der natürlichen Selektion auf der Ebene der Gene ausgesetzt sind. Sein Forschungsinteresse konzentriert sich dabei auf Hybridzonen. Das sind Regionen, in denen sich die Verbreitungsgebiete von zwei verwandten Populationen, die sich nach geographischer Isolation auseinanderentwickelt haben, überlappen, sodass diese wieder miteinander in Kontakt kommen und sich kreuzen. Nick Barton hat mit seinen Forschungen wesentlich zu unserem Wissen darüber beigetragen, wie sich Arten anpassen und wie sie sich in neue Arten aufteilen. In den letzten Jahren rückte die Analyse der Wechselwirkungen zwischen vielen Genen auf Basis von genomischen Daten ins Zentrum seiner Forschungstätigkeit.
Wilhelm Hartel-Preis 2013 an Hans Goebl, Ernst Hanisch und Elisabeth List
Der ebenfalls mit 15.000 Euro dotierte Wilhelm Hartel-Preis der ÖAW wird in diesem Jahr zu gleichen Teilen an einen Sprachwissenschaftler, einen Historiker und eine Philosophin vergeben.
Hans Goebl, bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2012 Ordinarius für Romanische Philologie (Sprachwissenschaft) an der Universität Salzburg, gilt als weltweit führender Vertreter der Dialektometrie, einer Methode der quantitativen Verarbeitung und Visualisierung von Dialektdaten, die er seit den 1970er Jahren maßgeblich weiterentwickelt hat. Aus den Daten von Sprachatlanten werden mithilfe von Verfahren der numerischen Klassifikation dialektale Profile erstellt. Dabei konnten zahlreiche Raummuster deutlich gemacht werden, die in der manuellen Kartographie der traditionellen Sprachgeographie unerkannt geblieben waren.
Mit Ernst Hanisch wird einer der renommiertesten Zeithistoriker der Zweiten Republik mit dem Wilhelm Hartel-Preis ausgezeichnet. Insbesondere der Themenkomplex des politischen Katholizismus und des sogenannten „Austrofaschismus“ sind wichtiger Teil seiner Forschungsinteressen. Im Jahr 1994 veröffentlichte Hanisch mit der Monographie „Der lange Schatten des Staates“ eine moderne Gesamtdarstellung zur österreichischen Gesellschaftsgeschichte zwischen 1890 und 1990, die auch heute noch als Standardwerk gilt.
Elisabeth List, seit 1996 ao. Professorin für Philosophie an der Universität Graz, wird nicht nur als eine der führenden Kenner(innen) des Werks von Alfred Schütz (1899-1959), dem Begründer der phänomenologischen Soziologie, gesehen. Sie gilt auch als eine der führenden Wissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Geschlechterdemokratie und Geschlechterforschung in Österreich. Wesentliche Beiträge zur internationalen Debatte zur feministischen Theorie waren die Bücher „Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik“ (1989) und „Die Präsenz des Anderen. Theorie und Geschlechterpolitik“ (1993). In den letzten Jahren befasste sich Elisabeth List verstärkt mit Theorien des Lebendigen und Fragen der Wahrnehmung des menschlichen Körpers im kulturellen Kontext.
Preise für Nachwuchsforscher(innen)
Zwei weitere Preise der ÖAW für Nachwuchswissenschaftler(innen) werden in diesem Jahr erstmals vergeben. Der Roland Atefie-Preis geht an Patrick Mc Allister und Johannes Sporer für ihre hervorragenden Dissertationen im Bereich der Buddhismuskunde bzw. der katholischen Theologie. Angela Stöger erhält den Elisabeth Lutz-Preis für ihre Forschungen zur vokalen Kommunikation bei Elefanten.
Medaille „Bene merito“ an Stifter von Preisen für Nachwuchsforscher(innen)
Mit der Verleihung der Medaille „Bene merito“ an Dr. Khosrow Atefie und Elisabeth Lutz zeichnet die Akademie zwei Personen aus, die mit der Finanzierung jeweils eines Preises den wissenschaftlichen Nachwuchs in Österreich fördern.
Der Roland Atefie-Preis wird für hervorragende Dissertationen aus den Fachbereichen Philosophie, Theologie oder Indologie vergeben, während sich der Elisabeth Lutz-Preis an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den Naturwissenschaften richtet.
Preisverleihung am 13. Dezember 2013
Die Preisverleihung findet am 13. Dezember 2013 um 19:00 Uhr im Festsaal der ÖAW, 1010 Wien, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, statt.
Kontakt:
Dr. Barbara Haberl
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Abteilung für Stipendien & Preise
T +43 1 51581-1311
barbara.haberl(at)oeaw.ac.at