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„High Arctic“-Blog

ÖAW-Gebirgsforscher Günther Köck über Sensorenangeln und erfrischende Bootspartien

07.08.2014

Tag 11:

Arktisforschung ist ein Wetter-Roulette - und heute lässt uns die Glücksfee wieder im Stich. Als ich in der Früh aus dem Fenster der Forschungsstation blicke, packt mich das kalte Grausen: Es schneit. Aber wir können uns wegen der wetterbedingten Verzögerung bei der Anreise keinen Ruhetag mehr leisten und müssen raus. Heute geht es zum North Lake - immerhin mit dem Allrad-Pickup!

Das Fischen in diesem See stellt die Geduld auf die Probe. Angekommen am North Lake stellen wir zunächst überrascht fest, dass der See fast zu Gänze eisfrei ist. Da er auf einem exponierten Plateau liegt, hat der Wind wohl das Aufbrechen der Eisdecke beschleunigt. Wir setzen rasch die Netze und fahren dann in unserem kleinen Schlauchboot kreuz und quer über den North Lake, um Wasserproben zu nehmen. Was nach einer unterhaltsamen Bootspartie klingt, ist das aber - bei diesem Schneetreiben - wahrlich nicht!

Sensoren am Haken

Schlussendlich ist aber auch dieser Fischzug erfolgreich und wir fahren zurück zur Station. Während ich die Fische aufarbeite, fahren Paul und Karista mit den vierradgetriebenen "Quads" zum Meretta Lake, in dem sich versenkte Messsensoren befinden. Da der Wind die Eisdecke verschoben hat, hoffen wir, diese nun bergen zu können.

Das allerdings will gelernt sein: Eine Sensorkette besteht aus einem Ankergewicht und einem Seil, an dem alle 50 Zentimeter ein Datenlogger angebracht ist, der alle zwei Stunden die Temperatur aufzeichnet. Am oberen Ende des Seils ist eine Boje montiert, die das Seil nach oben zieht. Damit die Sensorkette nicht in der etwa 1,7 Meter dicken Eisdecke einfriert und dabei zerstört wird, bleibt die Boje etwa 2,5 Meter  unter der Seeoberfläche. Finden kann man die versenkten Sensorketten dann nur mehr über ihre GPS-Koordinaten. Das Bergen mithilfe von Bootshaken ist bei Windstille zwar machbar, bei stärkeren Wellen allerdings ein Geduldspiel.

Doch Paul und Karista hatten Erfolg! Lachend zeigen mir die beiden das wirre Muster des bei der Suche am See aufgezeichneten GPS-Tracks. Im Labor werden nun die Daten ausgelesen, neue Batterien eingesetzt und die soeben geborgene Sensorkette wieder für ein Jahr im North Lake versenkt. Am Abend werden wir uns überlegen, wie wir das Wiederfinden und Bergen der Bojen vereinfachen können. Denn dass sich das Wetter-Roulette nächstes Jahr besser gestaltet, können auch wir nur hoffen.

 

Der „High Arctic“-Blog von Günter Köck:

ÖAW-Gebirgsforscher

Günther Köck forschte in der kanadischen Arktis. Er untersuchte mit

einem internationalen Team die Auswirkungen der globalen Erwärmung. Für

die ÖAW berichtete er über den Alltag in Resolute Bay.

Kontakt:

Dr. Günter Köck
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
1010 Wien
T +43 1 51581-1271
guenter.koeck(at)oeaw.ac.at