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„High Arctic“-Blog

ÖAW-Gebirgsforscher Günther Köck zwischen bangem Warten und wilden Geschichten

01.08.2014

ÖAW-Gebirgsforscher Günther Köck ist in der kanadischen Arktis. Dort untersucht er mit einem internationalen Team die Auswirkungen der globalen Erwärmung. Hier berichtet er regelmäßig unregelmäßig über den Alltag in Resolute Bay.

Tag 5

Warten auf den Wetterwechsel: Seit Dienstag hoffen wir im nordkanadischen Iqaluit darauf, die Forschungsstation in der Resolute Bay anfliegen zu können – und seit Dienstag vergeblich. Auch heute bekommen wir ein „We are so sorry“ zu hören. Das Wetter in Resolute Bay sei immer noch schlecht, für morgen 15 Uhr wird immerhin ein Sonderflug geplant. Wenn es dann wieder nichts wird, probieren wir es eben übermorgen.

Überraschenderweise bleibt die Stimmung unter den mit uns in Iqaluit gestrandeten Passagieren fröhlich. Zum einen haben die Meisten Derartiges schon mitgemacht, zum anderen hat immer irgendwer eine wilde Geschichte auf Lager. „Ich wartete letztes Jahr dreieinhalb Wochen auf meinen Flug nach Arctic Bay“, erzählt einer, „In der Zeit hättest du es auch mit dem Hundeschlitten geschafft!“, witzelt ein anderer. Kurzum, wir lassen uns nicht die Laune verderben, checken wieder im Hotel  ein und machen eben eine Wanderung im landschaftlich reizvollen Sylvia Grinnel-Park in der Nähe der Stadt.
Am Abend werden wir dann aber wohl eine Teambesprechung abhalten müssen. Denn eigentlich wollten mein Ko-Projektleiter Derek und ich am 1. August nach Melville Island fliegen, um dort zwei Seen zu befischen. Aufgrund des immer enger werdenden Zeitfensters wird langsam aber sicher ein Alternativplan erforderlich.

Der Ort mit vielen Fischen

Wo sind wir hier eigentlich hängengeblieben? Iqaluit ist die Hauptstadt des seit 1999 unter Inuit-Verwaltung stehenden kanadischen Territoriums Nunavut.  Der Name bedeutet in der Inuit-Sprache Inuktitut „Ort mit vielen Fischen“. Kein Wunder, liegt der Ort doch an der Mündung des fischreichen Sylvia Grinnel River! Während des sogenannten „Char Run“ ziehen hier im Frühsommer die Seesaiblinge von den im Inland gelegenen Seen zur Nahrungsaufnahme ins Meer und kehren im Spätsommer wieder in die Seen zurück. Genau dann werden die Fische dann in großen Stückzahlen gefangen. Nicht zuletzt deswegen hat hier auch die Thule-Kultur der Inuit eine große Vergangenheit.

Der erste Europäer in dieser Gegend war der Brite Martin Frobisher. Auf der Suche nach der Nordwestpassage segelte er 1576 in die anschließend über Jahrhunderte nach ihm benannte Bucht. Frobisher glaubte, in der Gegend Gold gefunden zu haben und brachte große Mengen Erz nach England. Dort stellte sich aber peinlicherweise heraus, dass er einem Irrtum unterlag - das Golderz erwies sich nämlich als „Katzengold“. Im 18. und 19. Jahrhundert war Frobisher Bay ein Zentrum des Pelzhandels und des Walfangs, 1942 wurde ein Stützpunkt der US-Luftwaffe eingerichtet.

Mittlerweile hat sich die Iqaluit zu einer wahren „Boom-Town“ mit knapp 7700 Einwohnern entwickelt. Die Stadt ist heute das wirtschaftliche Zentrum in der kanadischen Westarktis und für Touristen Ausgangspunkt für Touren etwa in den spektakulären Auyuittuq Nationalpark oder den Sirmilik Nationalpark. Es gibt jedenfalls bestimmt schlimmere Orte, in denen man festhängen kann!

 

Der „High Arctic“-Blog von Günter Köck:

ÖAW-Gebirgsforscher

Günther Köck forschte in der kanadischen Arktis. Er untersuchte mit

einem internationalen Team die Auswirkungen der globalen Erwärmung. Für

die ÖAW berichtete er über den Alltag in Resolute Bay.

Kontakt:

Dr. Günter Köck
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
1010 Wien
T +43 1 51581-1271
guenter.koeck(at)oeaw.ac.at