Das Äußere Burgtor beim Wiener Heldenplatz. Bild: ÖAW
Er ist einer der prominentesten Orte Österreichs: der Heldenplatz in Wien. An kaum einen anderen Platz konzentrieren sich kollektive Erinnerungen der Österreicherinnen und Österreicher so sehr wie hier. Ein Ballungsraum der Emotionen. Mithin ein schwieriger, ein diffiziler Platz. Jetzt wird das Äußere Burgtor und mit ihm das Heldendenkmal einer Neugestaltung unterzogen.
Seit Mai erarbeitet ein Internationaler wissenschaftlicher Beirat unter der Leitung der ÖAW-Historikerin Heidemarie Uhl im Auftrag des Verteidigungsministeriums Empfehlungen zur Umgestaltung des Denkmals. Die Gedenkstätte, 1934 für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet, wurde nach 1945 zudem den gefallenen österreichischen Soldaten der deutschen Wehrmacht und ab 1965 auch dem österreichischen Widerstand gegen das NS-Regime gewidmet. Eine in sich widersprüchliche Erinnerungskultur.
"100jähriges Geschichtsbuch"
Für Debatten rund um das Heldendenkmal sorgten ab 2012 sowohl die Totenbücher der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, in denen der Name eines Kriegsverbrechers nachgewiesen wurde, wie auch die Skulptur des „Toten Kriegers“. Unter ihr wurden ein Nazi-Huldigungsschreiben des Bildhauers Wilhelm Frass und ein pazifistischer Aufruf des Bildhauers Alfred Riedl gefunden.
„Das Heldendenkmal soll ein öffentlicher Ort werden, der die Bruchlinien der österreichischen Geschichte vermitteln soll“, so Projektleiterin Heidemarie Uhl bei der Präsentation der Empfehlungen Anfang September in Wien. Das Denkmal wird gleichsam als „100jähriges Geschichtsbuch“ lesbar gemacht. Daher bleibe auch der „Tote Krieger“ bestehen. „Wir wollen den Ort mitsamt seinen unterschiedlichen Zeitschichten von 1935 bis 1965 erhalten“, führt Uhl aus. So wird das Heldendenkmal mit seinen drei Teilen Krypta, Weiheraum und Ehrenhalle zu einem täglich öffentlich zugänglichen Lern- und Vermittlungsraum.
Außerdem empfehlen die Mitglieder des Beirats ein Denkmal der Republik zu errichten. Damit soll an Angehörige des Bundesheers und der Exekutive, die im Dienst zu Tode gekommen sind, und an jene Zivilisten, die im Einsatz für die Republik ihre Leben verloren haben, erinnert werden. Es biete sich die Gelegenheit, die „Gesamtverantwortung für ein gemeinsames Gedenken“ zu übernehmen, erklärt Historiker Dieter Binder von der Universität Graz.