

Es ist eine Frage, die die Fantasie seit Jahrtausenden zu beflügeln vermag: Gibt es Leben „da draußen“? In der Weltraumforschung nähert man sich dieser Frage unter anderem, indem man jene astrophysikalischen Voraussetzungen, die die theoretische Bewohnbarkeit von Planeten bestimmen, analysiert. Ein Forschungsbereich, in dem in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte erzielt werden konnten. Die Konferenz "The Astrophysics of Planetary Habitability" an der Universität Wien, mitveranstaltet vom Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), macht genau diese Fortschritte und Erkenntnisse zum Thema. Helmut Lammer, Forscher am Grazer IWF, erläutert im Gespräch, wie sich die Suche nach bewohnbaren Planeten derzeit gestaltet – und welche heißen Spuren für außerirdisches Leben es gibt.
Herr Lammer, warum sucht man nach erdähnlichen Planeten und was verspricht man sich vom Fund solcher Himmelskörper?
Neben der wissenschaftlichen Motivation, zu verstehen wie Planeten und erdähnliche Planeten entstehen und sich entwickeln, spielen auch philosophische Fragen eine Rolle. Eine Hauptfrage dabei ist gewiss, ob es auch Leben auf anderen Himmelskörpern gibt.
Wie weit und wie genau ist denn unser Blick ins All?
In Bezug auf Exoplaneten, also Himmelskörper außerhalb unseres Sonnensystems, befindet sich der bisher am weitesten entfernte Planet in einer Distanz von ca. 21.000 Lichtjahren von der Erde. Der nächste erdähnliche Planet, der übrigens etwa eineinhalb Mal so groß wie die Erde ist, liegt in einer Entfernung von 21 Lichtjahren.
Die Konferenz "The Astrophysics of Planetary Habitability" konzentriert sich auf astrophysikalische Faktoren, die bestimmen, ob ein Planet potentiell bewohnbar, also habitabel ist. Geht es da um mehr als nur um den Abstand zum nächsten heißen Stern?
Der Abstand eines Planeten zu seinem Stern ist nur einer der Faktoren, die entscheiden, ob sich Planeten zu theoretisch bewohnbaren Himmelskörpern entwickeln oder nicht. Andere wichtige Faktoren betreffen die Evolution des Sterns, um den die Planeten kreisen: Sterne mit hoher Aktivität können beispielsweise eine Planetenatmosphäre in den Weltraum entfliehen lassen. Junge Sterne mit einer zu geringen Aktivität wiederum produzieren Planeten, die ihre wasserstoffreichen Uratmosphären behalten und somit nicht habitabel sind. Eine wichtige Rolle spielt neben diversen planetaren Parametern außerdem der Transport von Wasser zu den Planeten.
Bedeutet der Fund eines als habitabel charakterisierten Planeten, dass darauf mit Leben zu rechnen ist?
Nein. Wie auch ein "Haus" oder eine "Wohnung" habitabel sein können, muss es nicht bedeuten, dass darin jemand lebt. Habitabilität bedeutet nur, dass auf einem Himmelskörper Umweltbedingungen anzutreffen sind, die mit den Bedingungen vergleichbar sind, welche auf der Erde vor ca. 3.5 bis 3.8 Milliarden Jahren herrschten – und sich somit Leben entwickeln kann. Ob das auf anderen Planeten überhaupt der Fall ist, kann zurzeit noch nicht beantwortet werden. Außer auf der Erde hat man noch keine Lebensformen entdeckt!
Welche sind die derzeit heißesten planetaren Kandidaten für Leben im All – und wie lange würde eine Reise dorthin dauern?
Der Planet Kepler-186f, ein Planet im Sternbild Schwan, der von dem Weltraumteleskop Kepler entdeckt wurde, ist ein sehr interessanter Kandidat: Der Planet weist eine ähnliche Größe wie die Erde auf und ist mit großer Wahrscheinlichkeit der erste erdähnliche Exoplanet, der in der habitablen Zone seines Sterns liegt. Das wiederum bedeutet, dass auf diesem Planeten „hypothetisch" flüssiges Wasser existieren könnte. Alles Weitere wäre natürlich Spekulation. Aber man könnte sich durchaus vorstellen, dass sich auf diesem Planeten Leben zumindest in einfacher Form entwickeln konnte. Leider liegt das Planetensystem knapp 490 Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit der derzeitigen Technologie ist es also unmöglich, eine Reise dorthin anzutreten.
Wie stehen die Chancen, dass es Leben oder sogar intelligentes Leben „da draußen“ gibt?
Bisher ist uns nur das Leben bekannt, das sich auf der Erde entwickelte. Da man aber davon ausgehen kann, dass es im Universum Milliarden von Planeten gibt, die sich in habitablen Zonen befinden, würde mich schon wundern, wenn Leben nur auf der Erde existiert - und es nicht auch "intelligenteres Leben", wie wir es auf der Erde kennen, gibt.
Helmut Lammer ist Astrophysiker und Research Area Manager - Planetary Physics am IWF in Graz.
Die Konferenz “The Astrophysics of Planetary Habitability” findet vom 8. bis 12. Februar 2016 an der Universität Wien statt.
ÖAW-Institut für Weltraumforschung