Auslandsösterreicher des Jahres, Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst, Mitglied unter anderem der US-amerikanischen National Academy of Sciences und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie Inhaber zahlreicher weiterer Auszeichnungen und Ehrungen: Mit dem Tod von Gottfried Schatz am 1. Oktober 2015 verliert die österreichische Wissenschaft einen ihrer wichtigsten Repräsentanten im Ausland. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) betrauert den Verlust ihres korrespondierenden Mitglieds.
„Gottfried Schatz war einer der prominentesten im Ausland forschenden Österreicher“, sagt ÖAW-Präsident Anton Zeilinger. „Er stand Österreich und unserer Akademie immer mit Rat und Tat zur Verfügung. Und wir haben diesen Rat sehr geschätzt“, so Zeilinger weiter.
Wacher und kritischer Geist
Der 1936 im burgenländischen Strem geborene Gottfried Schatz zählte zu den bedeutendsten Biochemikern unserer Zeit. Nach seinem Studium der Chemie und Biochemie in Graz war er unter anderem an der Universität Wien, wo er unter der Leitung von ÖAW-Mitglied Hans Tuppy forschte, an der Harvard University, der Stanford University, dem Public Health Research Institute New York und zuletzt am Biozentrum der Universität Basel tätig. Im Zentrum seiner Forschungen stand die Untersuchung der Mitochondrien, der „Kraftwerke“ höherer Zellen. Dabei gelangen dem österreichisch-schweizerischen Wissenschaftler bahnbrechende Erfolge. So gilt er etwa als Mitentdecker der mitochondrialen DNA und entschlüsselte wichtige mitochondriale Transportprozesse.
Internationale Anerkennung erwarb sich Gottfried Schatz auch außerhalb des Labors. So fungierte er als Generalsekretär der European Molecular Biology Organization (EMBO) und von 2000 bis 2004 als Präsident des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierates. Dabei war Gottfried Schatz als ebenso kreativer wie kritischer Geist bekannt. So ließ er beispielsweise bei einem Symposium im Mai 2010 anlässlich der Feierlichen Sitzung der ÖAW mit mahnenden Bemerkungen über Wissenschaftsbetrieb und Wissenschaftspolitik aufhorchen: „Wissen ist wertvoll, doch wir dürfen es nicht überbewerten. Wir setzen heute zu einseitig auf Wissen und ersticken dabei die Wissenschaft. Unsere Bildungssysteme betonen zu sehr das Wissen und zu wenig das unabhängige und kritische Denken.“
Die Akademie wird die Stimme von Gottfried Schatz im Chor der Wissenschaft schmerzlich vermissen.