
Geographische Gesellschaften fungierten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert als zentrale Schnittstellen im Zusammenspiel von Wissenschaft, Staatlichkeit und Zivilgesellschaft. Während etablierte Institutionen wie die Royal Geographical Society in London oder die Société de géographie in Paris intensiv untersucht wurden, blieb die Rolle von Gesellschaften jenseits dieser Zentren weitgehend unbeachtet.
Der Wissenschaftshistoriker Johannes Mattes vom Institut Kulturwissenschaften der ÖAW rückt bei einem Jour fixe Kulturwissenschaften vier dieser Organisationen – in Brüssel, Edinburgh, Kristiania (Oslo) und Wien – in vergleichender Perspektive in den Mittelpunkt. In seinem Vortrag zum Thema "Poles and People" analysiert er beispielsweise, wie sich diese Gesellschaften innerhalb transimperialer Wissensnetzwerke positionierten beziehungsweise in welchem Spannungsverhältnis sie zu nationalen und imperialen Interessen standen? Der Vortrag analysiert die Strategien, durch die geographische Gesellschaften Wissen akkumulierten, austauschten und Legitimität erzeugten – und dabei sowohl transimperiale Kooperationen als auch nationale Abgrenzung vorantrieben. Ein besonderer Fokus liegt auf der Erforschung von „Innerafrika“ und den Polargebieten sowie deren diskursive Konstruktion als „Epistemic Frontiers“.
Informationen
Termin:
20. Februar 2025, 17:00 Uhr
Ort:
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Burse
Sonnenfelsgasse 19
1010 Wien
Kontakt für Fragen, Anregungen, Feedback:
Mag. Caroline Hofer
T: +43 1 51581-3310
Institut für Kulturwissenschaften der ÖAW