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Genom-Sequenzierung und medizinischer Fortschritt

Personal-Genome-Initiator George Church sprach bei einem Festvortrag des CeMM an der Akademie über Chancen und Risiken der Genom-Sequenzierung.

24.09.2015
Schema einer DNS-Reparatur Bild: Wikimedia/Public Domain/BiomedicalBeat/NIGMS

George Church gilt als einer der Vorreiter der synthetischen Biologie. Im Rahmen des Projektes „Genom Austria“, das sich der Erforschung des menschlichen Erbguts widmet, sprach der Genetiker und Initiator von PersonalGenomes.org auf Einladung des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) über den gesellschaftlichen Einfluss neuer Technologien.

Chancen und Risiken

Bei seiner Rede im Festsaal der Akademie stand die generelle Frage nach der Nützlichkeit der Erforschung menschlicher Genome im Mittelpunkt. Angesprochen wurde aber auch, wie Wissen über Krankheitsursachen und Therapien gewonnen werden kann, welche Chancen und Risiken das Eingreifen in menschliche Gene birgt und was dafür spricht, genetische Information zu teilen. Eines machte Church bei seinem gut besuchten Vortrag deutlich: die Sequenzierung menschlicher Genome hat die Medizin in den letzten Jahrzehnten verändert. So werden genetisch bearbeitete Mikroorganismen bereits erfolgreich für die Produktion von Medikamenten eingesetzt. Church betonte aber auch, dass sich dieses Modell nicht uneingeschränkt auf andere Bereiche übertragen lasse. Er stellte etwa den Nutzen genetisch veränderter Lebensmittel in Frage und sprach sich auch gegen genetische Eingriffe in Keimzellen aus – wohl wissend, dass es positive Beispiele für den Erfolg von Gentherapien in der Behandlung seltener Erkrankungen gibt.  
 
Der Vortrag des „Genpioniers“ war nicht nur der Anstoß für eine Podiumsdiskussion mit Christiane Druml, Vizerektorin der Medizinischen Universität Wien und Vorsitzende der Österreichischen Bioethik-Kommission, Markus Müller, dem designierten Rektor der Medizinischen Universität Wien sowie Sharon Terry, Präsidentin und CEO der GeneticAlliance.org, sondern auch der Auftakt der GET Global Conference.

Genom Austria

Diese fand anlässlich des 10jährigen Bestehens der persönlichen Genomprojekte PersonalGenomes.org vom 17. bis 19. September am CeMM statt. Ein mehr als geeigneter Ort für das wissenschaftliche Treffen internationaler Genetiker, denn das CeMM hat gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien das jüngste und erste persönliche Genomprojekt auf dem europäischen Festland ins Leben gerufen: „Genom Austria“ ist ein wissenschaftliches und kulturelles Bildungsprojekt zur Genomsequenzierung unter der Schirmherrschaft von Margit Fischer. Vorrangiges Ziel ist es, einen offenen und öffentlichen Dialog über die Bedeutung des menschlichen Genoms für Wissenschaft und Gesellschaft und über den ethischen Umgang mit persönlichen genetischen Informationen anzustoßen.