

Den Dialog zwischen den Disziplinen zu stärken, ist eine der zentralen Zielsetzungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Voraussetzung dafür ist ein steter Zufluss von neuen Ideen, Fachkenntnissen und Persönlichkeiten. Mit der Zuwahl von 26 Mitgliedern im April konnte die Akademie auch in diesem Jahr erneut ihre fachliche Vielfalt ausbauen. Das zeigte eindrucksvoll die Vorstellung der neuen Mitglieder bei ihrer feierlichen Aufnahme in die Akademie am 19. Mai 2016.
Mehr Vielfalt, mehr Internationalität
„Unsere Mitglieder vertreten eine große fachliche Bandbreite“, betonte auch ÖAW-Präsident Anton Zeilinger, als er die neuen Mitglieder im Festsaal der ÖAW willkommen hieß. Damit fügen sie sich, wie Zeilinger anmerkte, bestens in eine Akademie ein, deren inhaltliche Expertise das gesamte wissenschaftliche Spektrum, von den Sozialwissenschaften über die Geisteswissenschaften bis hin zu den Naturwissenschaften, den Life Sciences und der Medizin, abdeckt. Diese Vielfalt sei eine Besonderheit der ÖAW und keineswegs überall auf der Welt selbstverständlich. Äußerst erfreulich sei auch, so der ÖAW-Präsident, dass die neu gewählten Mitglieder aus insgesamt acht Ländern stammen und damit die internationale Ausrichtung von Österreichs größter außeruniversitärer Forschungsstätte – mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder sind im Ausland tätig – weiter ausbauen.
Ein sichtbares Zeichen setzte die Akademie mit ihren neuen Mitgliedern auch hinsichtlich der Geschlechtergerechtigkeit in den Wissenschaften: „35 Prozent der neuen Mitglieder sind Frauen“, führte Zeilinger aus. Damit setze man den vor einigen Jahren eingeschlagenen Weg einer deutlichen Erhöhung des Frauenanteils in der ÖAW entschlossen fort.
Innovative Ideen, langfristige Forschungen
Welche fachliche wie persönliche Bereicherung die neuen Mitgliedern für die ÖAW darstellen, machten bei der feierlichen Aufnahme zwei der gewählten Wissenschaftler/innen deutlich. So konnte Monika Ritsch-Marte, Professorin für Medizinische Physik an der Medizinischen Universität Innsbruck und nunmehr wirkliches Mitglied der ÖAW, anhand sogenannter Lichtmodulatoren aufzeigen, wie unabdingbar interdisziplinäre Grundlagenforschung auch in ihrem Fachbereich ist: Dank der Weiterentwicklung von speziellen Spiegelfallen gelang es beispielsweise, immer größere Objekte auf molekularer Ebene zu fangen und zu bewegen – und damit unter anderem genaueste Vermessungen am Körper durchzuführen. Zeilingers Ausführungen zum Dialog der Disziplinen aufgreifend, betonte auch Ritsch-Marte: „In Forschungen, wie wir sie betreiben, kommt es auf innovative Ideen an. Man sollte sich selbst daher Freiraum und Flexibilität bewahren und immer den Konnex zu anderen Fachrichtungen suchen.“
Freiraum, Flexibilität und Interdisziplinarität waren auch die entscheidenden Stichworte für den zum Mitglied im Inland gewählten Thomas Corsten. Der Professor für Alte Geschichte und Griechische Epigraphik an der Universität Wien betonte, dass der Wert von Grundlagenforschung nicht nur an neuen technischen Entwicklungen und an der Quantität des Forschungsertrags gemessen werden dürfe. Akademien stünden auch für Qualität und seien ein Ort für die Umsetzung von ergebnisoffenen Langzeitprojekten. Es gehe schließlich um „die Erarbeitung von Grundlagen, auf deren Basis neue Forschungen gelingen“, wie Corsten ausführte.
Ein Anspruch, dem sich die Akademie seit fast 170 Jahren erfolgreich widmet und der auch in ihrem gesetzlichen Auftrag eindeutig zu Ausdruck kommt, nämlich „die Wissenschaft in jeder Hinsicht zu fördern.“ Die neuen Mitglieder, das wurde an diesem Abend deutlich, werden mit ihren Ideen, ihren Forschungen und ihrer Bereitschaft zum disziplinenübergreifenden Dialog tatkräftig zur Erfüllung dieser Aufgabe beitragen.