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Computermedizin der Zukunft

Der US-amerikanische Ingenieur Thomas J.R. Hughes sprach an der ÖAW über das Potenzial computergestützter Technologien in der Medizin.

21.10.2015

Ob Herzschrittmacher, Implantate oder Magnetresonanz-Tomografie – die moderne Technik hat die Medizin in den vergangenen Jahrzehnten revolutioniert. Doch diese Revolution ist noch nicht zu Ende, ist Thomas J.R. Hughes von der University of Texas überzeugt. Im Rahmen eines öffentlichen Vortrags in der Gesamtsitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erläuterte das korrespondierende Mitglied der ÖAW, welches Potenzial computergestützte Methoden in der Medizin noch bergen.

Die Ingenieurwissenschaften werden in Zukunft eine zunehmend größere Rolle im Gesundheitswesen spielen, zeigte sich Hughes bei seinem Vortrag „Patient Specific Computer Modeling and the Predictive Paradigm in Cardiovascular Medicine“ überzeugt.  Denn computergestützte Methoden ermöglichen neue Untersuchungsformen und eindeutigere Diagnosen sowie nicht zuletzt die treffsichere Auswahl der optimalen Behandlung.

Modellierte Körper

Am Beispiel von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der häufigsten Todesursache in der westlichen Welt, zeigt Hughes, dass auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Computermodelle, neue bildgebende Verfahren und nichtinvasive Methoden nicht nur die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern, sondern auch die Kostenspirale in den Gesundheitssystemen bremsen könnten.

Speziell die Entwicklung und Anwendung von Computermodellen verheißen dabei neuartige Möglichkeiten für Krankenuntersuchungen und Behandlungen, aber auch neues Wissen über die Krankheiten selbst. „Bereits jetzt finden viele Forschungen zur Modellierung von Langzeitprozessen wie beispielsweise in der Entstehung von Krankheiten statt“, sagte Hughes.  Für den Wissenschaftler steht außer Frage, dass Computermodelle ein essentieller Bestandteil der Medizin sein werden: „In Zukunft wird jeder Einzelne in jedem physischen Detail modelliert werden können“.

Gläserner Patient?

Diese Verbesserungen in der Vorsorge und im Gesundheitssystem könnten aber auch eine Schattenseite haben. Denn die Anwendung von Computermodellen und insbesondere das Sammeln und Analysieren von persönlichen Gesundheitsdaten erhöht das Risiko des Einzelnen zum „gläsernen Patienten“ zu werden. Dieser könnte nicht nur für Konzerne mit großem Datenhunger wie Google, Facebook und Co. interessant sein, sondern auch für kriminelle Hacker.

Kontroversielle Fragen wie diese wurden im Anschluss an Hughes Vortrag in einem Kommentar von Gerhard Holzapfl, Vorstand des Instituts für Biomechanik an der Technischen Universität Graz und korrespondierendes ÖAW-Mitglied sowie in einer offenen Diskussion mit den Mitglieder und Gästen der ÖAW debattiert. Auch hier zeigte sich: Die Möglichkeiten der computergestützten Medizin scheinen enorm, doch die damit einhergehenden Risiken dürfen nicht vernachlässigt werden.