14.09.2020

BREAKTHROUGH-PREIS FÜR DIFFERENTIAL­GLEICHUNGEN

Mathematiker und ÖAW-Mitglied Martin Hairer wurde mit dem Breakthrough-Preis ausgezeichnet, der als „Oscar der Wissenschaft“ gilt.

© Universität Warwick

Der österreichische Mathematiker Martin Hairer vom Imperial College London ist einer der neuen Träger des Breakthrough-Preis 2021. Er wurde für seine Theorien zur Lösung von Gleichungen, die Zufallsprozesse beschreiben, ausgezeichnet. Die mit drei Millionen US-Dollar verbundene Ehrung gilt als höchstdotierte Wissenschaftsauszeichnung der Welt. Für seine herausragende Forschung hat Hairer bereits 2014 die oft mit dem Nobelpreis verglichene Fields-Medaille erhalten. Seit 2015 ist er Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) im Ausland.

Hairer wurde 1975 in Genf geboren. Er studierte an der Universität Genf Mathematik und Physik, worin er 2001 promovierte. 2002 wechselte er von der Schweiz als Postdoc an die University of Warwick in Großbritannien. Dort hatte er ab 2010 eine Professur inne und ab 2013 eine Stiftungsprofessur der Queen als „Regius Professor“. Seit 2017 ist er Professor am Imperial College London.

Preis für stochastische partielle Differenzialgleichungen

Den Breakthrough-Preis erhält Hairer für seine herausragenden Beiträge zur Theorie der stochastischen Analyse, insbesondere zur Theorie der Regularitätsstrukturen in stochastischen partiellen Differentialgleichungen. Er könne damit „Gleichungen lösen, die Zufallsprozesse beschreiben, von schwankenden Aktienkursen bis zur Bewegung von Zucker in einer Tasse Tee“, teilte die Breakthrough Prize-Stiftung mit Sitz in San Franciso mit. Wie das genau funktioniert, beschrieb Hairer vor zwei Jahren bei der ÖAW-ISTA Lecture im Festsaal der Akademie.

In aller Kürze: Während partielle Differenzialgleichungen Medien beschreiben, die von Raum und Zeit abhängen, also etwa die Berechnung der Strömungsgeschwindigkeit von Wasser an jedem Ort eines Gefäßes, bekommt bei stochastischen partiellen Differenzialgleichungen noch das Element Zufall eine Rolle, etwa wenn sich die Wasserströmungen in dem Gefäß durch eine externe zufällige Kraft verändern. „Durch die Zufälle kann die Lösung solcher Gleichungen sehr rau werden. Dann kann es passieren, dass nicht mehr klar ist, was die Gleichung bedeutet“, beschrieb Hairer einmal seine Arbeit. Weil er mit seiner Theorie der Regularitätsstrukturen solch schlecht definierten Gleichungen Sinn geben, sie berechenbar machen und auf soliden mathematischen Grund stellen kann, wurde er auch schon als „Gleichungen-Bändiger“ bezeichnet.

Oscar der Wissenschaft

Der Breakthrough-Preis gilt vielen als „Oscar der Wissenschaft“, da er von kalifornischen Tech-Größen wie Sergey Brin, Anne Wojcicki und Mark Zuckerberg gestiftet wurde. Das Preisgeld ist mit insgesamt drei Millionen US-Dollar (2,6 Millionen Euro) ungefähr dreimal so hoch wie bei den in Stockholm verliehenen Nobelpreisen.

Neben Hairer haben in den vergangenen Jahren vier weitere ÖAW-Mitglieder den Breakthrough-Preis erhalten: Die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier wurde 2015, der Biochemiker Kim Nasmyth 2017, die Molekularbiologin Angelika Amon und der Physiker Peter van Nieuwenhuizen wurden 2019 mit dem Preis ausgezeichnet.


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