Es gilt fast schon als Faustregel: Niedrige Geburtenraten verursachen Bevölkerungsrückgang und gefährden in Folge Staatshaushalt, Sozialsystem und Lebensstandards. Wie eine im Fachmagazin „Science“ publizierte Studie unter der Mitwirkung von Alexia Fürnkranz-Prskawetz, Mitglied der ÖAW und Forscherin am ÖAW-Institut für Demographie, zeigt, geht diese simple Rechnung jedoch nur zum Teil auf. Der Analyse zufolge könnten Menschen in vielen Ländern von einem sanften Bevölkerungsrückgang durchaus profitieren.
Die Ergebnisse der Studie, für die volkswirtschaftliche und demografische Daten aus 40 Ländern analysiert wurden, bestätigt zwar, dass eine Geburtenrate, die über der statistischen Reproduktionsrate von 2,1 Kindern pro Frau liegt, sich positiv auf die Entwicklung der Staatshaushalte auswirkt. Doch überraschenderweise greift diese Korrelation nicht hinsichtlich der Beibehaltung der Lebensstandards. Vielmehr profitiert etwa die Kaufkraft, ein entscheidender Parameter des Lebensstandards, von einer Geburtenrate knapp unterhalb der Reproduktionsrate – also einem leichten Rückgang der Bevölkerung.
Transferkonten
In diese Analyse flossen sogenannte „Nationale Transferkonten“ ein. Diese erfassen das durchschnittliche Einkommen jeder Altersgruppe, einschließlich öffentlicher und privater Transferleistungen, Spar- und Konsumdaten. Mithilfe dieser Transferkonten gelingt es, volkswirtschaftliche Daten und Modelle um den Faktor Alter zu ergänzen.
Ausschlaggebend für das überraschende Ergebnis ist, dass dank des neuen Datensatzes die Altersstruktur von öffentlichen und privaten Transfers berücksichtigt werden konnte – beispielsweise Unterstützungsleistungen von Eltern an ihre Kinder.
Entwarnung ist dennoch nicht gegeben: Für Staatshaushalte und die Finanzierung der Sozialsysteme ist ein Rückgang der Geburtenrate und damit eine Verringerung künftiger Steuerzahler nicht wünschenswert. Und gerade in Österreich scheint die Faustregel weiterhin zur Gänze zu gelten: Mit gerade einmal 1,4 Kindern pro Frau kann von einer Geburtenrate knapp unterhalb der Reproduktionsrate keine Rede sein.