23.03.2021

Beste Forschungsbedingungen für die besten Köpfe: ÖAW und Wissenschaftsministerium schließen neue Leistungsvereinbarung ab

Akademie erhält 428,5 Millionen Euro bis 2023 – Neue Forschungsinitiativen zu Stoffwechselkrankheiten, Quantentechnologien, Antisemitismus

V.l.n.r.: Anton Zeilinger (Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), Heinz Faßmann (Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung), Michael Alram (Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften). © ÖAW/Daniel Hinterramskogler

Die neue Leistungsvereinbarung für die Jahre 2021 bis 2023 wurde am 23. März 2021 gemeinsam von Wissenschaftsminister Heinz Faßmann und ÖAW-Präsident Anton Zeilinger unterzeichnet. In Summe stehen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) damit insgesamt rund 428,5 Millionen Euro für die Jahre 2021 bis 2023 zur Verfügung. Dies ist gegenüber der vorangegangenen dreijährigen Periode eine Erhöhung um 61 Millionen Euro. Darin ist auch die Fortsetzung von innovativen Projekten im Bereich der Quanten- und der Stammzellforschung gesichert, die bislang gesondert durch das Ministerium finanziert worden waren.

„Mit diesen zusätzlichen Mitteln wollen wir neue Forschungsfelder an der ÖAW etablieren und gezielt in die Spitzenforschung investieren“, resümiert Bundesminister Heinz Faßmann. „Das ist gerade in Zeiten von Corona und den damit verbundenen Anstrengungen zur Pandemiebekämpfung von zentraler Bedeutung. Das CeMM - Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW etwa konnte bereits im April 2020 die ersten österreichischen Sars-CoV-2-Sequenzen online stellen. Darüber hinaus setzen wir auch einen Schwerpunkt in der Nachwuchsförderung. Hier investieren wir in den kommenden drei Jahren 32 Millionen Euro in Stipendien.“

„Um zur Innovationselite aufzurücken, benötigen wir einerseits Spitzenforschung, aber auch den Mut, neue Themen und neue Methoden systematisch anzuwenden. Die Akademie zeigt hier Jahr für Jahr eindrucksvoll, welche Wirkungen anwendungsoffene Grundlagenforschung haben kann, wenn man der Kreativität und der Neugierde der Forschenden entsprechende Freiräume verschafft“, so Faßmann weiter. Für den Bundesminister spielt die ÖAW eine Schlüsselrolle, wenn es um den Anschluss an die internationale Spitzenforschung geht: „Die Akademie ist ein Garant für den effizienten und outputorientierten Einsatz der zur Verfügung gestellten Mittel. Überdies ist die Akademie auch bei der Einwerbung von ERC Grants auf europäischer Ebene sehr erfolgreich. Die Bewilligungsquoten zeigen dabei klar, dass die ÖAW in dieser Hinsicht europaweit zu den besten Forschungseinrichtungen gehört“, so Faßmann abschließend.

„Herausragende Grundlagenforschung braucht Mut zum Risiko und vor allem Freiräume, damit gänzlich Neues entstehen kann“, betont auch ÖAW-Präsident Anton Zeilinger. „Die ÖAW ist ein solcher Freiraum, in dem die besten Köpfe mit Neugierde und Kreativität an Forschungen für morgen und übermorgen arbeiten. Diese reine Grundlagenforschung hat zum Beispiel wesentliches Know-how hervorgebracht, das jetzt von ÖAW-Instituten in der COVID-Krise beigetragen wird. Die Leistungsvereinbarung für die Jahre 2021 bis 2023 wird es erlauben, neue wichtige Impulse zu setzen. Dazu gehören etwa ein Institut zur Erforschung von Stoffwechselkrankheiten, Arbeiten zu Quantentechnologien sowie die Erforschung von Antisemitismus in der Gegenwart“, so Zeilinger weiter.

Die ÖAW wird in den nächsten drei Jahren durch die neue Leistungsvereinbarung auch ihre Aktivitäten zur Förderung junger Wissenschaftler/innen steigern können. Schwerpunkte in der Grundlagenforschung werden in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Sprachenvielfalt sowie in der Erforschung von SARS-CoV-2 gesetzt. Zu den Themen Antisemitismus und zu Stoffwechselerkrankungen ist die Gründung neuer Forschungseinrichtungen vorgesehen.

Neue Forschungseinrichtungen zu Stoffwechselerkrankungen und zu Antisemitismus

So soll neben der Weiterführung der bestehenden 25 Institute der Akademie am Forschungsstandort Graz das Cori Institut für Metabolismusforschung entstehen. Es ist benannt nach der österreichisch-US-amerikanischen Biochemikerin und Nobelpreisträgerin Gerty Theresa Cori (1896-1957) und wird im Verbund mit den drei Grazer Universitäten betrieben werden. Die dabei geplante enge Verschränkung experimenteller mit numerischer Biologie und mathematischer Modellierung bei der Erforschung des menschlichen Stoffwechsels und dessen Erkrankungen ist ein Alleinstellungsmerkmal in Österreich und im deutschsprachigen Raum. Zudem soll das Cori Institut jungen Spitzentalenten am Standort Graz eine herausragende Möglichkeit zur wissenschaftlichen Profilierung bieten.

Die „Erarbeitung einer ganzheitlichen Strategie zur Verhütung und Bekämpfung aller Formen von Antisemitismus“ ist im aktuellen Regierungsprogramm 2020-2024 festgeschrieben. Dazu gehört auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit. Die ÖAW wird daher noch 2021 ein Zentrum für Antisemitismusforschung gründen und stufenweise erweitern. Im Mittelpunkt soll die interdisziplinäre Grundlagenforschung zu den Ursachen, Erscheinungsformen und Auswirkungen von Antisemitismus, Antijudaismus und Antizionismus in Österreich und im Europa der Gegenwart stehen. 

Um Österreichs internationale Spitzenposition im Bereich der quantenphysikalischen Grundlagenforschung weiter auszubauen, soll die Zusammenarbeit mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften als einer auch schon bisher wichtigen Partnerinstitution gestärkt werden. So soll ein „Quantum Physics Hub“ längere Forschungsaufenthalte von in Österreich tätigen Quantenphysiker/innen in China und umgekehrt ermöglichen. Auch die Einrichtung gemeinsamer Arbeitsgruppen zu wegweisenden Forschungsfeldern ist im Rahmen des Hubs denkbar, wie zum Beispiel zu satellitenbasierten Quantennetzwerken. 

Wissensvermittlung und Forschung zu SARS-CoV-2, Digitalisierung und Klima

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie in Österreich hat sich die Akademie in ihren Forschungseinrichtungen intensiv mit dem Coronavirus und dessen Folgen für Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft auseinandergesetzt. Aktuell laufen über 43 Forschungsprojekte zu SARS-CoV-2, etwa zu den Mutationen des Virus, zu Herdenimmunität in der Bevölkerung oder zur Frage, was sich aus Seuchen der Vergangenheit für die Gegenwart lernen lässt. Die Akademie will damit zur akuten und mittelfristigen Bewältigung dieser globalen Herausforderung beitragen und auch Wissen dazu schaffen, wie mit den langfristigen Auswirkungen der Krise umgegangen werden kann.

Nicht zuletzt die Coronakrise hat der fortschreitenden Digitalisierung sämtlicher Gesellschafts- und Lebensbereiche einen starken Schub verliehen. Die Chancen und Risiken dieses rasanten Wandels wird die ÖAW mit einer neuen und vielfältigen öffentlichen Veranstaltungsreihe beleuchten. Das „Colloquium Digitale“ startet 2021 und wird Webinare, Workshops, Vorlesungen und Podiumsdiskussionen umfassen. Eine weitere neue Veranstaltungsreihe ist dem Thema „Nachhaltigkeit“ gewidmet und befasst sich zum Beispiel mit der Frage, was passiert, sollten die Klimaziele nicht erreicht werden. Auch in der Beratung der Politik wird sich die Akademie dazu einbringen. So soll die nächste Veranstaltung der Reihe „Wissenschaft und Politik im Dialog“, bei der sich Forscher/innen und Parlamentarier/innen halbjährlich in Round Tables austauschen, im Zeichen des Klimawandels stehen. Ein „Tag der Mehrsprachigkeit“ wird schließlich die sprachliche Vielfalt Europas und deren Erhalt in das öffentliche Bewusstsein rücken.

„Brain Power“ nach Österreich holen und Eröffnung des Campus Akademie

Um die besten Köpfe nach Österreich zu holen und „Brain Power“ im Land zu halten, will die ÖAW zusätzlich zu ihren etablierten Programmen für Doktorand/innen und Postdocs eine weitere Förderinitiative starten. Mit eigens eingerichteten „Seal of Excellence Fellowships“ sollen als hervorragend bewertete Anträge für Starting Grants des European Research Council (ERC) oder aus den Marie Skłodowska Curie-Maßnahmen der EU, die aus budgetären Gründen nicht von der Union gefördert werden können, von der Akademie unterstützt werden. Für die ganz jungen Talente wird die Studienstiftung der Akademie weitergeführt und ausgebaut. Zusätzlich wird die ÖAW als Beitrag zur Stärkung des weiblichen Nachwuchses in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern einen einschlägigen Preis für die drei besten vorwissenschaftlichen Arbeiten von Maturantinnen ins Leben rufen.

Für hochqualitative Grundlagenforschung auf international kompetitivem Niveau ist ein modernes Arbeitsumfeld mit einer zeitgemäßen Infrastruktur unabdingbar. Mit dem auf Hochtouren laufenden Sanierungs- und Modernisierungsprojekt „Campus Akademie“ wird die ÖAW noch während der aktuellen Leistungsvereinbarungsperiode einen Ort für Wissenschaft, aber auch für den Austausch mit der Öffentlichkeit im Zentrum Wiens schaffen.

Ein Meilenstein erfolgt bereits im Sommer 2021 mit der Wiederbesiedelung des dann sanierten denkmalgeschützten Hauptgebäudes der ÖAW am Dr. Ignaz Seipel-Platz im ersten Wiener Bezirk. Die Eröffnung des Campus Akademie mit seinem Herzstück, den Gebäudeteilen zwischen Postgasse und Bäckerstrasse und der revitalisierten ehemaligen Jesuitenbibliothek, wird im Sommer 2022 mit der Wiener Bevölkerung gefeiert. Bis 2025 schließlich sollen weitere Wiener ÖAW-Standorte in der von Otto Wagner entworfenen Postsparkasse zusammengeführt werden. Dadurch entsteht in den kommenden Jahren mitten im Herzen der Bundeshauptstadt eine Wissenschaftsmeile, die Forschen über Fach- und Institutionengrenzen hinweg beflügeln und die Wiener Innenstadt mit Veranstaltungen weiter beleben wird.

 

Rückfragehinweis 

Sven Hartwig
Leiter Öffentlichkeit & Kommunikation
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
T +43 1 51581-1331
sven.hartwig(at)oeaw.ac.at

BM für Bildung, Wissenschaft und Forschung
Mathias Klein, BA
Pressesprecher
+43 1 53120-5025
mathias.klein(at)bmbwf.gv.at

 


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