29.12.2020

Best of Böse der Planeten

Hier will man nicht landen: ÖAW-Weltraumforscher Luca Fossati stellt fünf Planeten vor, auf denen es ziemlich ungemütlich ist - aufgrund von extremen Temperaturen, Röntgenstrahlen, die sofort die DNA angreifen würden, oder Sonnen, die an der Oberfläche saugen. Wie diese wilden Welten aussehen, zeigen wissenschaftliche Illustrationen, die man kostenlos downloaden und zum Beispiel als Zoom-Hintergrund verwenden kann.

© ÖAW

Gerade in Zeiten von Corona plagt viele das Fernweh. Lonely Planet hat jüngst gemeinsam mit der NASA sogar einen Reiseführer für "Das Universum" herausgegeben. Dabei gibt es in den unendlichen Weiten des Weltalls viele Orte, auf denen man auf keinen Fall landen möchte. Ein Besuch, sollte er denn überhaupt jemals möglich sein, wäre nämlich der pure Horror: unendlich heiß oder kalt, schrecklich trocken, oder mit tödlicher Röntgenstrahlung verseucht. Luca Fossati, Experte für Exoplaneten am Institut für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), stellt fünf extreme Planeten vor, auf denen es garantiert kein Leben gibt.

Auch wenn man nicht zu ihnen reisen will: Das Best of Böse der Planeten kann man sich hier bequem in die eigenen vier Wände holen. Die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierenden Illustration eignen sich als Desktop-Hintergrund, für Instagram und Facebook oder zum Ausdrucken. Und für die nächste virtuelle Besprechung ist ein Hingucker garantiert - mit eigenen Hintergründen der wilden Welten für Zoom.


Der Grillmeister

Der Planet PSR J1719-1438 b wird von einem Neutronenstern mit Röntgenstrahlen gegrillt. Wir kennen die genaue Größe des Planeten nicht. Wir wissen aber, dass er schwerer als Jupiter ist, und wir kennen seine Umlaufbahn. In ungefähr zwei Stunden umkreist er seinen Stern. Durch die extreme Strahlung können dort keine Moleküle überleben. Um ein Beispiel zu nennen: Unsere  DNA würde sofort zerstört werden. Zudem herrscht dort ewige Nacht.

PSR J1719-1438 b wird von einem Neutronenstern mit Röntgenstrahlen gegrillt. Durch die extreme Strahlung können dort keine Moleküle überleben.


Die Extremsauna

KELT-9b wurde 2017 entdeckt und sorgt seitdem für Staunen. Er ist der heißeste Planet, den wir kennen. Durch einen nahegelegenen Stern herrschen auf KELT-9b Temperaturen bis zu 5.000 Grad Celsius, das ist um einiges heißer als die Oberfläche von vielen Sternen. Die Rotation des Planeten ist so getaktet, dass eine Seite immer zum heißen Stern gewandt ist. Dadurch gibt es extreme Temperaturunterschiede. Die heiße Seite bekommt 44.000 Mal mehr Energie ab als die Erde von der Sonne. Die kühlere Seite ist bis zu 800 Grad kälter, was freilich noch immer unerträglich heiß ist. Die Extremsauna KELT-9b ist 7.000 Lichtjahre von uns entfernt.


Kosmischer Einzelgänger

PSO J 318.5-22 ist ein absoluter Einzelgänger. Er hat keinen Stern. Sein Alter wird auf 12 Millionen Jahre geschätzt, die er in absoluter Einsamkeit verbracht hat. Er treibt allein durchs All und ist furchtbar kalt. Er ist noch relativ jung, das heißt, es kommt noch eine gewisse Hitze aus seinem Kern, die Temperatur beträgt trotzdem Minus 200 Grad. Aber man darf sich kein Eis auf seiner Oberfläche vorstellen, er besteht aus einer Gashülle. Entdeckt wurde er aufgrund seiner schwachen und einzigartigen Wärmesignatur. PSO J 318.5-22 ist eines der masseärmsten  vagabundierenden Objekte, die wir im All bisher kennen. Der Planet ist rund 80 Lichtjahre von der Erde entfernt und besitzt die sechsfache Masse des Jupiter.


Gefährlicher Leuchtturm

AU Mic b ist ein Planet, der einen jungen Stern umkreist. Dieser ist wegen seines Alters noch sehr aktiv und sendet wie ein Leuchtturm Röntgenstrahlen aus. Man kann sich das so vorstellen: Wäre man auf diesem Planeten, dann passiert rund zehn Minuten nichts. Und dann: Wumm! Eine Minute lang setzt eine extrem starke Röntgenstrahlung ein. Das sind kleine Explosionen an der Oberfläche des Sterns. Man weiß noch nicht genau, warum das passiert. Aber diese Sterne haben ein komplexes Magnetfeld, das man sich wie Linien vorstellen kann, die sich überkreuzen. Wo sie sich treffen, gibt es viel Energie, die raus muss, und das passiert plötzlich und zufällig. Planeten, die in der Nähe von jungen Sternen sind, wie etwa AU Mic b, spüren diese Eruptionen. Dieser Planet ist vier Mal so schwer wie die Erde. Und liegt 31,9 Lichtjahre von uns entfernt.


Das Kannibalismus-Opfer

Der extrasolare Planet WASP-12b wird gerade von seiner Sonne aufgefressen. WASP-12b ist rund 600 Lichtjahre von der Erde entfernt, und  gleicht einem Ei. Er umrundet seine Sonne in so geringer Entfernung, dass er in die Länge gezogen wird. Ständig verliert er dabei seine Atmosphäre, die Sonne saugt seine Hülle an. Das Ergebnis dieses galaktischen Festessens: Der Planet wird mit der Zeit völlig verschwinden, am Ende bleibt nur sein Kern übrig. Aber es ist noch unbekannt, wie dieser aussieht. Wie lange dieser Prozess noch dauern wird? Von ein paar Millionen Jahren - was in kosmischer Zeit ein kurzer Moment ist - bis zu einer Milliarde Jahren. WASP-12 ist übrigens ein tiefschwarzer Gas-Riese, er gilt als einer der dunkelsten bisher bekannten Planeten.



Newsletter
Forschungs-News, Science Events & Co: Jetzt zum ÖAW-Newsletter anmelden!