Andre Gingrich hat im arabischen Raum, in Tibet und der Mongolei geforscht, sich mit der Aufarbeitung der Geschichte der österreichischen Sozialanthropologie befasst und ist über sein Fachgebiet hinaus als ein anerkannter Experte für Prozesse der Globalisierung bekannt. Kurz: Gingrich ist einer der renommiertesten Sozialanthropologen des Landes. Für seine herausragenden Leistungen erhielt er im Jahr 2000 den Wittgenstein-Preis. Übrigens als der erste und einzige Sozialanthropologen seit Bestehen des Preises.
Nun wurde Gingrich, der neben seiner Position als Direktor des Instituts für Sozialanthropologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) auch Professor für Sozialanthropologie an der Universität Wien ist, auch von seiner Heimatstadt geehrt. Am 30. November 2015 wird Andre Gingrich mit dem Preis der Stadt Wien in der Kategorie Geistes-, Kultur-, Sozial- und Rechtswissenschaften ausgezeichnet.
Erkenntnisfortschritt durch Teamarbeit
„Der Preis stellt eine sehr schöne Anerkennung meiner Geburts- und Heimatstadt dar“, zeigt sich Gingrich über die Auszeichnung erfreut. Eine Auszeichnung, die nicht nur ihm selbst gelte, sondern auch seinem Fachgebiet, das damit stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rücke: „Es freut mich sehr – nicht nur als Würdigung meiner persönlichen Forschungstätigkeiten sondern vor allem auch als Ausdruck der Wertschätzung für mein Fach, die Sozialanthropologie“.
Gingrich, der wirkliches Mitglied der ÖAW als auch Auswärtiges Mitglied der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften ist, begreift den Preis zudem als Auszeichnung für eine rundum gelungene Teamarbeit. „Ohne die Zusammenarbeit mit vielen Kolleginnen und Kollegen an unserem Fachinstitut der Sozialwissenschaftlichen Fakultät an der Universität Wien ebenso wie am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW und am Weltmuseum wäre es mir nie möglich gewesen, zum Erkenntnisfortschritt in unserem Fach und interdisziplinär beizutragen: Das gilt für die Nahostforschung ebenso wie für die kritische Aufarbeitung der Fachgeschichte oder den Ausbau qualitativ-komparativer Methoden“, so Gingrich.
Wie erfolgreich diese fachübergreifende Teamarbeit funktioniert, beweist Gingrich auch aktuell wieder. So leitet er gemeinsam mit Walter Pohl, dem Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der ÖAW, den FWF-Spezialforschungsbereich „Visions of Community“. Die internationale Großstudie, bei der als dritter Partner das ÖAW-Institut für die Kultur- und Geistesgeschichte Asiens an Bord ist, untersucht, wie religiös motivierte Vorstellungen von Gemeinschaft die Politik im Mittelalter geprägt haben, nicht nur im christlichen Europa sondern ebenso im islamischen Südarabien wie auch im buddhistischen Tibet. Das Projekt wurde verlängert und startete in diesem Jahr in seine zweite Runde.
Herausragende Wissenschaftsleistungen
Der Preis der Stadt Wien ist eine seit 1947 jährlich verliehene Auszeichnung der österreichischen Hauptstadt. „Damit würdigt die Stadt wissenschaftlich herausragende Leistungen“ sagt Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert. Zu den vorherigen Preisträgern in den Geisteswissenschaften zählen bekannte Forscher/innen, wie Marie Jahoda oder Konrad Paul Liessmann. Auch zahlreiche Mitglieder der ÖAW wurden bereits mit dem Preis geehrt, wie Herta Nagl, Helga Nowotny, Erich Streissler oder Leopold Rosenmayr um nur einige zu nennen. Die Preisverleihung findet traditionell im Wiener Rathaus statt.
