Leben als Ergebnis der kosmischen Evolution – Bei der Suche nach außerirdischem Leben ergründen Wissenschaftler die Frage, welche Voraussetzungen Lebewesen überhaupt entstehen lassen. Eine zentrale Herausforderung ist dabei die Betrachtung selbst: Geht man bei dieser Suche von Bedingungen aus, die der gegenwärtigen oder früheren Erde ähneln, riskiert man, mögliche Ergebnisse und Erkenntnisse der Suche von vornherein einzuschränken. Ein Ausweg aus diesem Dilemma könnte der Saturn-Mond Titan bieten, wie der US-Astrophysiker Jonathan Lunine am 21. Mai 2014 in seiner Littrow Lecture "Saturn's moon Titan: A strict test for life's cosmic ubiquity“ auf Einladung der ÖAW in Wien erläuterte.
Saturn-Mond Titan
Titan ist der größte Mond des Ringplaneten Saturn. Einzigartig unter den Monden ist seine dichte Atmosphäre, die wesentlich massiver ist als jene der Erde. Sie besteht größtenteils aus Stickstoff und ist jener in der Frühzeit der Erde sehr ähnlich, als hier das Leben entstand. Trotz niedrigster Temperaturen um die 94 Grad Kelvin (-179,15 Grad Celsius) kommt es dennoch sehr häufig und intensiv zu chemischen Reaktionen, bei denen komplexe organische Moleküle erzeugt werden. Es sind diese äußerst exotischen Umweltbedingungen, die den Mond Titan für die Suche nach Spuren von Leben prädestinieren. Außerdem verfügt er über eine für Raumfahrzeuge leicht zugängliche Oberfläche.
Allgegenwart
„Auf dem Titan nach Leben zu suchen, bedeutet die Suche nach Leben im allgemeinen Sinn: nach sich selbst organisierenden chemischen Systemen, die sich im Lauf der Zeit weiterentwickeln. Der Nachweis solcher Systeme würde uns überzeugen, dass es einen zweiten unabhängigen Ursprung von Leben im Sonnensystem gibt. Und er wäre eine positive Antwort auf die Frage nach der kosmischen Allgegenwart des Lebens“, sagte Jonathan Lunine.
ÖAW-Institut forscht mit
Die Forschungen zu Saturn und Titan, von denen man sich nicht zuletzt diese Antwort erhofft, basieren zu einem guten Teil auf Daten der Cassini/Huygens-Mission von NASA und ESA, an der das ÖAW-Institut für Weltraumforschung in vielfacher Weise beteiligt ist: Auf dem amerikanischen Orbiter Cassini und der europäischen Landesonde Huygens, die im Jänner 2005 zum Titan abgestiegen ist und seither faszinierende Bilder und Erkenntnisse aus einer 1,5 Mrd. Kilometer entfernten Welt liefert, sind Geräte, Entwicklungen sowie Know-how aus Graz an Bord.