„Kontinuität und Wandel - ländliche Siedlungsstrukturen an der oberen Drau von der Eisenzeit bis zur Spätantike“


Projektverantwotliche: G. GrabherrC. Gugl, S. Pircher

MitarbeiterInnen: M. Hernandez Cordero, V. Jansa, B. Kainrath, M. Mandl

Die Struktur und Entwicklung des ländlichen Raums abseits der städtischen Zentren wurde in der Archäologie lange Zeit zugunsten der Erforschung von Zentralorten vernachlässigt. Gerade in Regionen, die durch extreme naturräumliche Rahmenbedingungen geprägt sind, entstanden besondere Siedlungsformen, die diesen regionalen Gegebenheiten angepasst waren. Im Projekt „Kontinuität und Wandel“ wird diesen ländlichen Kleinsiedlungen und ihrer Einbettung in den spezifischen topographischen Kontext mit modernen siedlungs- und landschaftsarchäologischen Methoden nachgegangen.

Der Forschungsraum konzentriert sich auf das obere Drautal, der wichtigsten West-Ost-Achse im Südostalpengebiet, wo mehrere kleinere Siedlungskammern vergleichend diachron von der Eisenzeit bis in die Spätantike in Kooperation mit dem Institut für Archäologien der Universität Innsbruck untersucht werden:

  • Der Burgbichl bei Irschen (Oberdrautal, Kärnten): eine befestigte, spätantike Höhensiedlung mit frühchristlicher Kirche (Projektverantwortliche: G. Grabherr, C. Gugl)

  • Der Klostenfrauenbichl in Lienz (Osttirol): Kultkontinuität in einem ländlichen Heiligtum von der Spätlatènezeit bis in die römische Epoche (Projektverantwortliche: G. Grabherr, C. Gugl)

  • Mühldorf (Mölltal, Kärnten): eine römische Talsiedlung und deren Landschafts- und Ressourcennutzung (Projektverantwortliche: S. Pircher)

Der Schwerpunkt liegt zunächst auf einer Höhensiedlung bei Irschen im Oberdrautal, wo seit 2016 Ausgrabungen auf dem sogenannten Burgbichl durchgeführt werden. Dabei konnten Reste einer frühchristlichen Kirche sowie Teile der Befestigungsmauer dieser spätantiken Höhensiedlung freigelegt werden. Ein entscheidender Standortfaktor für die Besiedelung des Kleinraums Irschen-Oberdrauburg war von jeher die Lage am Kreuzungspunkt zwischen der Drautal-Route und der Nord-Süd-Verbindung mit Anschluss Richtung Italien.

Mit den Ausgrabungen am Klostenfrauenbichl in Lienz kann erstmals im Ostalpenraum ein von der Spätlaténezeit bis in die römische Kaiserzeit kontinuierlich genutzter Kultplatz untersucht werden, von dem nicht nur zahlreiche Kult- und Weiheobjekte (Waffen und andere Eisenfunde, Fibeln, Münzen, figürliche Blei- und Bronzevotive etc.), sondern auch aussagekräftige Baustrukturen vorliegen. Mit diesem Platz verbunden ist insbesondere auch die Frage nach dem Stammenheiligtum der keltischen Laianci, die in der ausgehenden Eisenzeit im Lienzer Talkessel zu lokalisieren sind.

Der römische Fundplatz bei Mühldorf, von dem ein großes Badegebäude mit hochwertiger Ausstattung bereits bekannt war, steht stellvertretend für die Besiedlung der alpinen Tallandschaften während der römischen Kaiserzeit. Am Ausgang des Mölltales gelegen, ist dieser Platz prädestiniert für Fragestellungen zum ökonomischen Hintergrund (Bergbau?) sowie zur Landschafts- und Ressourcennutzung in den ersten Jahrhunderten n. Chr.

 

Abb. 1: Der bewaldete Burgbichl bei Irschen von Norden aus gesehen (© Grabherr / Univ. Innsbruck)