Dion in Macedonia. The Configuration and Evolution of Greek and Roman Landscapes
Sakrallandschaften gleichen Palimpsesten, die Aufschluss über soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Sphären geben. Die architektonische Gestaltung von Kulträumen spiegelt die Glaubensvorstellungen derjenigen wider, die diese Stätten verwalteten und besuchten. Heiligtümer entwickelten sich in Abhängigkeit von einem komplexen Geflecht miteinander verbundener Faktoren, welche die dort stattfindenden Handlungen beeinflussten. Es handelte sich um dynamische, keineswegs statische Orte, an denen Aushandlungsprozesse die physische und symbolische Interaktion mit den baulichen Anlagen und anderen vor Ort befindlichen Elementen bedingten.
Als Fallstudie für diesen Vortrag dient Dion in Makedonien. Ursprünglich – von der spätarchaischen bis zur hellenistischen Zeit – das sakrale Hauptzentrum des makedonischen Reiches, wurde es nach der römischen Eroberung im 2. Jahrhundert v. Chr. später unter Augustus als Colonia Iulia Augusta (Felix) Diensis neu gegründet. Archäologische Ausgrabungen der Siedlung haben einen bedeutenden religiösen Bezirk südlich des Asty zutage gefördert, der mindestens fünf Heiligtümer umfasst, die verschiedenen Gottheiten geweiht waren und über unterschiedliche Epochen hinweg genutzt wurden. Die Konfiguration jedes Temenos, die innere und äußere räumliche Aufteilung sowie die Beziehung zu anderen Elementen des Territoriums – wie dem Fluss Baphyras und dem Olymp – bestimmten eine Vielzahl von Strategien zu ihrer räumlichen Gestaltung. Dieser Vortrag widmet sich daher der Frage, wie sich diese Heiligtümer entwickelten und wie sich sowohl eine Gesamtperspektive auf die religiöse Landschaft von Dion gewinnen als auch die spezifischen Besonderheiten der einzelnen Heiligtümer aufzeigen lassen.
Dieser Gastvortrag wird im Rahmen des Projekts HIEROTOPOI organisiert, das vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) unter der Nummer 10.55776/PAT2141125 gefördert wird.
