Beyond Genetics: Exploring Non-Biological Kinship in Prehistoric Times

»Beyond Genetics: Exploring Non-Biological Kinship in Prehistoric Times«
In den letzten zehn Jahren hat das Interesse am Verständnis der Familien- und Verwandtschaftsstrukturen prähistorischer Gruppen in Europa zugenommen. Dies hat zu einer beträchtlichen Anzahl archäogenetischer Publikationen geführt, die darauf abzielen, die genetische Verwandtschaft zwischen Individuen zu rekonstruieren, die im selben Grab, Friedhof oder an derselben Fundstelle bestattet wurden. Wiederkehrende Muster genetisch verwandter Großfamilien haben die Vorstellung einer vorwiegend patrilinearen und patrilokalen Vergangenheit verstärkt.
Während der Schwerpunkt auf der Rekonstruktion der Genealogien lag, wurden die nicht verwandten Mitglieder der Gemeinschaft weitgehend vernachlässigt. Das Vorhandensein von Kindern, die mit den Erwachsenen, mit denen sie das Grab teilten, nicht genetisch verwandt waren, und der Nachweis einer hohen Mobilität von Jungen und Mädchen während der Kindheit durch Isotopenanalysen deuten auch auf ein breiteres Familienkonzept hin, in dem die Fürsorge für Kinder nicht von Geburt an selbstverständlich, sondern sozial konstruiert wird. Konzepte wie Pflegefamilien, Adoption und die Integration von Stiefkindern werden in der jüngeren europäischen Geschichte immer deutlicher und müssen bei der Rekonstruktion vergangener sozialer Strukturen berücksichtigt und integriert werden.
Alternative Formen nicht-genetischer oder sozialer Verwandtschaft, die sich in Individuen manifestieren, die keine genetische Verbindung mit anderen Familienmitgliedern am Bestattungsort haben, stehen im Mittelpunkt dieses Workshops. Er wird Gelegenheit bieten, verschiedene Methoden zum Nachweis nicht-biologischer Verwandtschaftsbeziehungen in der prähistorischen Archäologie und deren Interpretation innerhalb fließender Verwandtschaftssysteme zu diskutieren. Der Austausch unterschiedlicher Sichtweisen zwischen Archäolog:innen, Genetiker:innen und Kulturanthropolog:innen ist unerlässlich, um ein so komplexes und vielschichtiges Phänomen wie die prähistorische Verwandtschaft zu erfassen und gleichzeitig Klischees und die Übertragung moderner westlicher Vorstellungen von Verwandtschaft und Familie auf prähistorische Situationen zu vermeiden. Ziel des Workshops ist es, Forscher:innen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, um eine neue Sozialarchäologie der Verwandtschaft zu entwickeln, die sich derzeit noch im Anfangsstadium befindet.
Dieser Workshop wird von der Fritz Thyssen Foundation und der Europäischen Kommission im Rahmen der Marie Skłodowska-Curie Global und Postdoctoral Fellowships gefördert.
Informationen
Termin
4.-5. Oktober 2024
Ort
Otto-Wagner Postsparkasse, Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien, Seminarraum 1, 3. Stock und via Zoom
Anmeldung
Registrierung zur persönlichen Teilnahme: Ana Herrero Corral
Veranstalter
ÖAW-ÖAI
Kontakt
Ana Herrero Corral
