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Kleidi-Samikon

Neue Entdeckungen im Poseidonheiligtum von Samikon

10.03.2026
Aufsicht auf den aktuellen Stand der Tempelfreilegung nach Beendigung der Ausgrabungen 2025 (© ÖAW-ÖAI)

Im Rahmen des fünfjährigen Forschungsprogramms in Kleidi Samikon (2022–2026) hat das griechisch-österreichische Forschungsprojekt, das in Zusammenarbeit zwischen dem Ephorat der Altertümer von Ilia und dem Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW unter der Leitung von Birgitta Eder und Erofili-Iris Kolia durchgeführt wird, auch 2025 wichtige neue Ergebnisse erzielt. Die Grabungskampagne fand von August bis Ende September 2025 im Heiligtum des Poseidon von Samikon statt und widmete sich der weiteren Erforschung des großen Tempels, der seit 2022 ausgegraben wird.

Der Tempel mit einer Länge von 28 m und  einer Breite von 9,50 m weist zwei große, voneinander getrennte Hallen auf. Sie besaßen axial angeordnete Mittelstützen, die jeweils über eine Vorhalle mit 2 Säulen in antis zugänglich waren. Das Gebäude wurde wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr. errichtet und in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. zerstört.

Die Arbeiten von 2025 konzentrierten sich auf die vollständige Freilegung des nordwestlichen Saals, wo im Jahr zuvor eine große Bronzeinschrift und ein nahezu vollständiges Perirrhanterion aus Marmor zum Vorschein gekommen waren. Die dicke Packung des eingestürzten Daches aus lakonischen Ziegeln wurde entfernt, und es fanden sich zahlreiche Spuren der Einwirkung von jenem Feuer, das den Bau zerstört hatte.

In der östlichen Hälfte des Saals war eine kleine Steinkiste in den Boden gesetzt, deren eine Hälfte mit einem Stein bedeckt war. Dabei handelt es sich möglicherweise um eine Art Opferstock zur Aufbewahrung von Geld, der aber leer war. Auf dem Boden des Saals lagen zahlreiche Funde, u.a. ein durch Feuer und Wasser stark in Mitleidenschaft gezogener Stapel an Bronzeblechen. Mit der Inschrift aus dem vorangegangenen Jahr ist dies ein Hinweis auf die Archivfunktion dieses Raumes im Tempel.

Auf dem Boden fanden sich außerdem ein Spiegel, ein paar Münzen und ein Siegel aus Steatit. Das Siegel zeigt eine junge Frau im Bade, die sich das Haar wäscht. Es handelt sich dabei um ein bekanntes Motiv in der Vasenmalerei des 4. Jahrhunderts v. Chr. Der Bezug zu den Nymphen der Anigriaden, die in der Grotte bei Kaiafa in unmittelbarer Nachbarschaft zum Poseidonheiligtum verehrt wurden, liegt in diesem Fall durchaus nahe.

Besonders wichtig für die Rekonstruktion des lakonischen Daches war der Fund von drei Fragmenten eines Scheibenakroters. Damit lässt sich jetzt sagen, dass das Dach von einer schwarz und rot bemalten, durch verschiedene Reliefbänder gestalteten Scheibe aus Terrakotta von mindestens 1 m Durchmesser bekrönt war.

Auch der Verlauf der massiven Mauer im Norden des Geländes wurde weiter erforscht. Dabei handelt es sich vermutlich um den Schutz des heiligen Bezirks gegen die Lagunen und gleichzeitig um den nördlichen Abschluss der Umfriedung des Poseidonheiligtums. Hier fanden sich Hinweise auf die Konstruktion des Bauwerks und Spuren einer älteren Bebauung unter der Mauer.

Die archäologischen Arbeiten werden von der Gerda Henkel Stiftung und dem Österreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert. In den kommenden Jahren wird das wissenschaftliche Team die Forschungen fortsetzen, um weitere Informationen über die Ausdehnung und Form des Heiligtums zu gewinnen.