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PNAS

Biomolekulare Analysen zeigen die Bedeutung von Traubengetränken, Milchverarbeitung und Keramik in der Kura-Araxes-Kultur

Eine neue internationale Studie erbrachte überraschende Einblicke in die kulinarischen Gewohnheiten der Kura-Araxes-Gemeinschaft, einer weit verbreiteten Kultur der Bronzezeit, die vor etwa 5.000 Jahren im Südkaukasus blühte. Durch die Kombination von biomolekularen, technologischen und Gebrauchsspurenanalysen an 52 Keramikgefäßen aus der Fundstätte Qaraçinar in Aserbaidschan rekonstruierten die Forscher:innen eine komplexe Esskultur, deren Schwerpunkt auf Milchprodukten, Zubereitungen auf Obst- und Traubenbasis, Ölen, Pflanzenwachsen und Nadelbaumharzen lag, die vermutlich als Aromastoffe und Konservierungsmittel verwendet wurden.

28.04.2026
Ausgewählte Keramikformen, die die verschiedenen in Qaraçinar identifizierten Keramikgruppen repräsentieren: 1–2 Krüge aus monochromer Keramik (braun), die als Kochtöpfe verwendet wurden; 3 Krug aus schwarz polierter Keramik mit Spuren von Feuer; 4 Deckel aus monochromer Keramik (braun) mit Spuren von Feuer; 5 Backblech mit Spuren von Feuer; 6 Becher aus monochromer Keramik (braun); 7 Krug mit schmalem Hals aus schwarz polierter Keramik; 8 Krug aus rot-schwarz polierter Keramik. © Mission “Boyuk Kesik” & ANR KUR(A)GAN

Die in den »Proceedings of the National Academy of Sciences« (PNAS) veröffentlichten Ergebnisse sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der Universität Bari, der Universität Bonn, der Aserbaidschanischen Nationalakademie der Wissenschaften, dem Österreichischen Archäologischen Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, dem CNRS und weiteren europäischen Institutionen. Die Studie liefert den ersten eindeutigen Beweis für eine funktionale Differenzierung innerhalb der Kura-Araxes-Keramik: Monochrome Waren wurden in erster Linie zum Kochen verwendet, während die charakteristischen rot-schwarz polierten Gefäße mit dem Verzehr von ungeheizten Milchprodukten und Getränken auf Obst- oder Traubenbasis in Verbindung gebracht wurden.

Chemische Analysen der in der Keramikstruktur eingeschlossenen organischen Rückstände ergaben, dass diese Gemeinschaften im Rahmen ihrer Alltagspraktiken Getränke aus Trauben konsumierten, darunter wahrscheinlich auch mit Harz versetzten Wein. Das Vorhandensein von Fruchtrückständen sowohl in Koch- als auch in Vorratsgefäßen deutet auf vielfältige kulinarische Verwendungszwecke hin, die vom Süßen und Würzen bis hin zu möglichen Funktionen bei der Gärung und Käseherstellung reichten. Der Nachweis von Hirse, einer aus Zentralasien stammenden Kulturpflanze, weist auf bislang undokumentierte Fernverbindungen und frühe Handelsnetzwerke in der Region hin.

Im weiteren Sinne beleuchtet die Studie eine gemischte Subsistenzwirtschaft und unterstreicht die kulturelle Bedeutung von Essen und Trinken für die Ausgestaltung sozialer Praktiken. Die Verknüpfung von Keramiktechnologie, Gefäßmorphologie und der Analyse organischer Rückstände liefert ein detailliertes Bild davon, wie kulinarische Traditionen zur Identität und zum Zusammenhalt der Kura-Araxes-Gemeinschaften in Südwestasien zu Beginn des dritten Jahrtausends v. Chr. beitrugen.

Publikation

Maxime Rageot, Maria Bianca D’Anna, Muzaffar Huseynov, Bakhtiyar Jalilov, Alexia Decaix, Rémi Berthon, Qi Zeng, Jeremy Perez, Farhad Guliyev, Léa Drieu, Arnaud Mazuy, Martine Regert & Giulio Palumbi: Biomolecular analyses reveal grape-based beverages, dairy processing, and pottery function in Kura-Araxes culinary practices, PNAS 2026, Vol. 123, No. 18

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