Ansätze und Auswirkungen auf Konsument:innen sowie Abwägungen zwischen Schutz der Privatsphäre und Kinderschutz.

Ob Radikalisierung, Pornografie oder Darstellungen von Gewalt: In den letzten Monaten wurde intensiv diskutiert, den Zugang zu Teilen des digitalen Raums wie Webseiten, Sozialen Medien, Apps und Spielen mit einer Altersbeschränkung für Kinder und Jugendliche zu beschränken. Doch welche Optionen stehen zur Auswahl, um das Alter von Nutzer:innen festzustellen oder abzuschätzen, und welche Abwägungen, insbesondere in Bezug auf Datenschutz, stellen sich dabei? In dieser Studie in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien wird diese Frage aus Sicht der Konsument:innen untersucht.

In den letzten Jahren sind sogenannte Soziale Medien, Internet- und Smartphone-Nutzung zunehmend kontrovers diskutiert worden. Besonders kritisch wird die Nutzung digitaler Dienste und Geräte durch Kinder und Jugendliche betrachtet. Smartphones sind mittlerweile weit verbreitet. Auch minderjährige Konsument:innen sind damit jederzeit und überall online zunehmend auch problematischen Inhalten und Angeboten ausgesetzt, was sie und ihr Umfeld vor zunehmende Herausforderungen stellt. Das kürzlich eingeführte Handyverbot an Schulen durch das Bildungsministerium veranschaulicht die Aktualität dieser Problematik.

Dabei sind die Herausforderungen vielfältig: Die Zunahme an bewaffneten und kriegerischen Konflikten in Kombination mit den allgegenwärtigen Kameras der Smartphones führt dazu, dass sich gewaltvolle Inhalte aus diesen Kontexten schneller weiterverbreiten, oft befeuert durch die algorithmisch kuratierten Online-Plattformen. Empfehlungsalgorithmen stehen im Verdacht, für die Radikalisierung von Jugendlichen mitverantwortlich zu sein. Der Zugang zu Pornographie in frühen Jahren führt ebenso wie das Versenden von intimen Aufnahmen –  mit oder sogar ohne Einverständnis der Abgebildeten – zu neuen Problemstellungen. Darüber hinaus können schädliche Interaktionsmuster („dark patterns“) suchtartiges Konsumverhalten nach sich ziehen.

Die genannten Probleme stellen sich nicht nur für Minderjährige, treffen diese aber insofern besonders stark, als „das Kind wegen seiner mangelnden körperlichen und geistigen Reife besonderen Schutz und besonderer Fürsorge“ bedarf (siehe Präambel der UN-Kinderrechtskonvention). Besonders auf Kinder und Jugendliche zugeschnittene Schutzmechanismen im digitalen Raum einzuführen, ist daher ein naheliegender Ansatz. Solche Regelungen stehen und fallen allerdings mit der Feststellung, ob ein:e Internetnutzer:in über einer Altersgrenze ist oder nicht.

In dieser Studie wird untersucht, unter welchen Bedingungen Altersfeststellung im Internet eine tragfähige Option zur Stärkung des Kinderschutzes darstellen kann bzw. wie diese ausgestaltet werden sollte. In Zusammenarbeit mit der konsumentenpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer Wien wird herausgearbeitet, wie eine Altersfeststellung insbesondere von Minderjährigen im digitalen Raum unter Berücksichtigung aktueller technischer Entwicklungen und relevanter Regulierungsansätze umsetzbar wäre und wie sich diese auf Konsument:innen auswirken würde. Insbesondere sollen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Ansätze zur Altersfeststellung im Internet werden aktuell diskutiert, verfolgt und entwickelt?
  • Welche Auswirkungen haben diese auf Konsument:innen individuell und kollektiv als Gesellschaft?
  • Welche Bestrebungen gibt es diesbezüglich auf regulativer Ebene?
  • Welche Abwägungen, etwa zwischen Schutz der Privatsphäre und Kinderschutz, sind in diesem Kontext zu treffen?

Publikationen

  • Online Age Asessment (ITA Dossier No.88en, Feb 2026). / Fischer, Fabian.
    2 S. 2026. (ITA-Dossiers en).

    -> Increasing psychological distress among minors is being linked to online services.
    -> Age restrictions are being discussed as a simple solution.
    -> Many methods of determining age are risky; privacy preserving methods are under development and clearly preferable.
    -> Age restrictions alone will not solve significant problems – minors could switch to unregulated services.
    -> All children's rights must be taken into account. An assessment of impacts on consumers is also needed.

  • Kinderschutz im Internet – Arbeiterkammer präsentiert ITA-Studie. / Riedlinger, Denise.
    in: ITA-NewsFeed, Nr. www.oeaw.ac.at/ita/news, 10.02.2026.
  • Altersfeststellung im digitalen Raum (ITA Dossier Nr. 88, Feb. 2026). / Fischer, Fabian.
    2 S. 2026. (ITA-Dossiers de).

    -> Zunehmender Leidensdruck bei Minderjährigen wird mit digitalen Angeboten in Zusammenhang gebracht.
    -> Altersbeschränkungen werden als einfache Lösung diskutiert.
    -> Viele Verfahren, das Alter festzustellen, sind risikobehaftet; datensparsame Methoden sind in Entwicklung und klar vorzuziehen.
    -> Altersbeschränkungen alleine werden wesentliche Probleme nicht lösen – Minderjährige könnten auf unregulierte Angebote ausweichen.
    -> Alle Kinderrechte müssen berücksichtigt werden. Es braucht auch eine Abschätzung der Folgen für Verbraucher:innen.

  • Altersfeststellung im digitalen Raum - Endbericht. / Fischer, Fabian; Pauls, Anna; Beltzung, Louise (Herausgeber:in).
    Wien, 2025. 54 S.

    Ansätze und Auswirkungen auf Konsument:innen sowie Abwägungen
    zwischen Schutz der Privatsphäre und Kinderschutz.

  • Kann die EU das Recht auf Privatsphäre erhalten? / Riedlinger, Denise.
    in: ITA-NewsFeed, Nr. www.oeaw.ac.at/ita/news, 12.12.2025.
  • Altersbeschränkung im Internet, aber wie? / Riedlinger, Denise.
    in: ITA-NewsFeed, Nr. www.oeaw.ac.at/ita/news, 27.08.2025.
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