
Im Auftrag der AK Wien hat das Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften Möglichkeiten zur Altersfeststellung im Internet untersucht. Sie wäre eine wesentliche Voraussetzung dafür, Kinder und Jugendliche vor gewalttätigen, sexualisierten und anderen schädlichen Inhalten schützen.
Welche Folgen hätten Verbote?
Der Zusammenhang zwischen exzessiver Nutzung von Social Media und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen wird zunehmend klar. Für Studienautor Fabian Fischer gibt es aber vor der Umsetzung eines landesweiten Verbots noch viele Fragen zu klären: "Viele Methoden zur Altersfeststellung verarbeiten und speichern hochsensible Daten wie unsere Gesichter, Ausweise oder das Online-Verhalten. Damit entstehen neue Risiken, denen besonders Jugendliche ausgesetzt sind."
So genannte datensparsame Methoden auf EU-Ebene seien erst in Entwicklung: "Damit würde ausreichen nur zu teilen, dass jemand über 14 Jahre alt ist – mehr Informationen sind nicht nötig." Solche Lösungen sind aus Sicht des Experten klar von Vorteil, setzen aber meist den Besitz eines Smartphones voraus.
Welche Plattformen wären von einem Verbot erfasst?
Auch die Frage, was von einem Social-Media-Verbot erfasst wäre, muss diskutiert werden: "Was ist mit Chatbots, WhatsApp-Gruppen und Kommunikationsforen in Spielen? Auch diese werden von Minderjährigen genutzt, sind aber nicht Social Media im engeren Sinne. Und gerade junge Menschen sind bekannt als Early Adopters. Sie probieren neue Plattformen sehr rasch aus", so Anna Pauls, eine weitere ITA-Expertin, die an dem Projekt mitgewirkt hat.
Die Verdrängung auf unbekanntere Plattformen könnte ebenfalls hohe Risiken mit sich bringen, ergänzen die Studienautor:innen. Es drohten auch neue Abhängigkeiten, etwa von älteren Personen, die den Jugendlichen dabei helfen könnten, an gesperrte Inhalte zu gelangen. Ein Social-Media-Verbot könnte so die Rechte junger Menschen auf Information und gesellschaftliche Teilhabe deutlich einschränken. Das wäre vor allem für Menschen kurz vor dem Wahlalter bedenklich.
Social-Media-Verbot mit öffentlichem Diskurs verbinden
Eine Altersfeststellung im Internet kann für Fischer grundsätzlich Sinn machen. Er wünscht sich aber eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung zu diesem Thema: „Wie leicht können bestimmte Methoden ausgetrickst oder umgangen werden? Wie können Kinder besser über Risiken des Internets aufgeklärt werden, um es selbstbestimmt zu nutzen? Welche unerwünschten Effekte hat die Übermittlung dieser Daten? Und wie können Plattformen dazu gebracht werden, bestehendes Recht umzusetzen? All das sollte nicht unbeachtet bleiben.“ Die Studie warnt damit nicht zuletzt vor der Gefahr, dass trotz weitreichender Einschnitte für alle Internetnutzer:innen das Ziel, nämlich ein besserer Schutz von Minderjährigen, nicht erreicht wird.
