18.06.2019

Wittgenstein-Preis für ÖAW-Mitglied Michael Wagner

Der Mikrobiologe von der Universität Wien erhielt den „Austro-Nobelpreis“.

© Hauke Harms

Der höchste Wissenschaftspreis Österreichs ging an ein ÖAW-Mitglied: Michael Wagner, Mikrobiologe an der Universität Wien, wurde vom Wissenschaftsfonds FWF mit dem Wittgenstein-Preis 2019 ausgezeichnet. Der mit 1,4 Millionen Euro deutlich höher als der Nobelpreis dotierte Wittgenstein-Preis wurde heuer an zwei Laureaten vergeben – neben Michael Wagner an den Osteuropahistoriker Philipp Ther – und zeichnet exzellente Forscher/innen aller Fachdisziplinen aus. Michael Wagner ist seit 2016 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Erforschung der Rolle von Mikroben im Stickstoffkreislauf

Der aus München stammende Wissenschaftler erforscht Bakterien und andere Mikroorganismen, die im globalen Stickstoffkreislauf eine zentrale Rolle spielen. Aktuell beschäftigt er sich vor allem mit den Nitrifikanten, einer Gruppe von Mikroorganismen, die dazu beitragen, dass Dünger nicht von Pflanzen aufgenommen wird, sondern ins Grundwasser gelangt. Dadurch ergeben sich Belastungen für Mensch und Umwelt, die sich durch effizientes Düngen und bessere Kläranlagen verhindern ließen.

"Ich freue mich riesig über den Preis, weil ich damit die nächsten fünf bis sechs Jahre mit meinem wunderbaren Team völlig frei an Hochrisikoprojekten forschen kann. Der Wittgensteinpreis ermöglicht mir etwa auszuprobieren, ob die Funktionsanalyse von einzelnen Mikrobenzellen in Mikrobiomen durch Weiterentwicklung modernsten Varianten der Ramanmikrospektroskopie in quasi Echtzeit durchgeführt werden kann. Wenn dies gelingt, würde wir mit diesem neuen Verfahren nach bislang nur theoretisch vorhergesagten, aber noch nie beobachteten Archaeen suchen, für die wir eine wesentliche Rolle im globalen Stickstoffkreislauf postulieren“, sagt Wagner.

Mehrfach ausgezeichnet, seit 2016 ÖAW-Mitglied

Der Forscher studierte Biologie an der TU München, an die er nach einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Zwischenstation an der Northwestern University in den USA als wissenschaftlicher Mitarbeiter wieder zurückkehrte und sich im Jahr 2000 an der Fakultät für Chemie habilitierte.

Seit 2003 ist der nunmehrige Wittgenstein-Preisträger Professor für Mikrobielle Ökologie an der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien und leitet das neu gegründete Zentrum für Mikrobiologie und Umweltsystemforschung. Bereits 2011 erhielt er einen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats, seit 2016 ist er zudem wirkliches Mitglied der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der ÖAW.

Iranistik, Materialforschung, Mathematik: Mehrere START-Preise für ÖAW-Forscher

Auch bei den START-Preisen, die vom FWF an herausragende Jungforscher/innen verliehen werden, konnte die ÖAW reüssieren: Bruno de Nicola vom Institut für Iranistik der ÖAW wurde für seine Forschung zu litarischen Belegen über den Kulturwandel im mittelalterlichen Iran und Zentralasien ausgezeichnet. Christoph Gammer, der am Erich Schmid-Institut für Materialwissenschaft der ÖAW in Leoben tätig ist und metallische Gläser während der Deformation unter dem Elektronenmikroskop untersucht, erhielt ebenfalls einen START-Preis. Und auch José Luis Romero, der an der Fakultät für Mathematik der Universität Wien und am Institut für Schallforschung der ÖAW tätig ist, wurde ausgezeichnet.