26.03.2020

Sternen-Strahlen im Visier

Das Weltraumteleskop ESCAPE zur Messung hoch-energetischer Strahlung von Sternen könnte 2025 mit Beteiligung von ÖAW-Weltraumforscher/innen ins All starten.

© Pixabay.com
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Ein besseres Verständnis über die Entwicklung von Planeten zu haben ist nicht zuletzt für die Suche nach erdähnlichen Planeten wesentlich. Neue Erkenntnisse dazu wollen nun Wissenschaftler/innen des Instituts für Weltraumforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mithilfe der hoch-energetischen Strahlung von Sternen gewinnen: Mit dem Weltraumteleskop ESCAPE (Extreme-ultraviolet Stellar Characterization for Atmospheric Physics and Evolution) soll das sogenannte extrem ultraviolette Licht von Sternen gemessen und charakterisiert werden, um daraus Rückschlüsse auf die Entwicklung von Planetenatmosphären zu ermöglichen. Das Missionsvorhaben ESCAPE hat gute Chancen auf eine Umsetzung durch die NASA im Jahr 2025: Geleitet von der University of Colorado, Boulder (USA) und unter wesentlicher wissenschaftlicher Beteiligung des Grazers Instituts für Weltraumforschung, wird ESCAPE nun einer Machbarkeitsstudie unterzogen.

„Sterne emittieren Strahlung über das ganze Frequenzspektrum mit sehr unterschiedlichen Energien, von hochenergetischen Röntgenstrahlen bis zu niederenergetischen Radiosignalen. Die EUV-Strahlung, deren Wellenlängenband zwischen Röntgenstrahlen und dem ultraviolettem Licht liegt, ist nur vom Weltraum aus zu beobachten und wurde deshalb bisher nur für die Sonne und das nächste Dutzend Sterne nachgewiesen“, erklärt ÖAW-Weltraumforscher Luca Fossati, der Mitglied im ESCAPE Science Team ist. Dies liegt unter anderem daran, dass die Emission von extrem ultraviolettem Licht im Vergleich zur optischen Emission schwach ist und von den zwischen den Sternen vorhandenen Wasserstoffatomen stark absorbiert wird. Der einzige Satellit, der bisher diesen Bereich untersucht hat, war EUVE (1992-2001). „Die Technologie hat sich in 30 Jahren deutlich verbessert und ermöglicht es nun, die extrem ultraviolette Strahlung von Hunderten von Sternen zu messen“, sagt ÖAW-Weltraumforscherin Ute Amerstorfer, die ebenfalls weiteres Mitglied im ESCAPE Science Team ist.

Machbarkeitsstudien

Die Untersuchung dieses Teils des emittierten Sternenlichts ist äußerst wichtig, da es für die Ausdehnung und den Verlust der Planetenatmosphäre und damit für deren langfristige Entwicklung verantwortlich ist. „ESCAPE wird genau jene Informationen liefern, die unsere Modelle von Planetenatmosphären benötigen, um ihre Entwicklung vorherzusagen, angefangen von den Gasriesen bis hin zu erdähnlichen Planeten in der habitablen Zone, wo Leben möglich ist“, sagt ÖAW-Weltraumforscher Herbert Lichtenegger, ebenfalls Mitglied des ESCAPE Science Teams.

Neben einer weiteren Mission, die für einen Start im Jahr 2025 in Frage kommt, erhielt das Vorhaben ESCAPE nun zwei Millionen Dollar, um in den nächsten neun Monaten eingehende (technische) Machbarkeitsstudien durchzuführen. Darauf basierend fällt die NASA die Entscheidung, welche Mission tatsächlich umgesetzt wird.